Absicherung am Warenterminmarkt hilft gegen stark steigende Treibstoffkosten
Experten sehen Potenzial bei Touristik- und Transportaktien

Der in den vergangenen Wochen massiv gestiegene Ölpreis wird sich vorerst noch nicht negativ auf die besonders ölabhängigen Branchen Touristik, Logistik und Transport auswirken. Zu diesem Ergebnis kommen mehrere Bankhäuser, unter anderem die DZ Bank.

FRANKFURT/M. „Das Problem der hohen Preise für Benzin und Kerosin ist aktuell nicht so groß, wie vielleicht erwartet werden könnte“, sagt Raimon Kaufeld.

Ins Blickfeld der aktuellen Entwicklung waren Aktien der Branche geraten, weil sie zuletzt gute Zuwächse zeigten. Der Transportsektor beispielsweise war im August mit einem Plus von 3,9 Prozent die beste der insgesamt 18 Branchen im marktbreiten Index FTSE 300 Eurofirst. Michael O’Byrne von ABN Amro rechnet auch für die Zukunft damit, dass der positive Trend anhält. Für Phantasie sorgt im Moment die anhaltende Übernahmephantasie innerhalb der Branche. Löste vor einem Monat die Akquisition von P&O Nedlloyd durch die dänische AP Moeller Maersk Gruppe einen Schub für die Branche aus, so steht nun mit den Übernahmeplänen des britischen Logistikers Exel durch die Deutsche Post der nächste große Deal ins Haus.

Dabei zählt die Deutsche Post derzeit aber nicht zu den großen Favoriten der Analysten. Unter anderem wegen der aktuellen Unklarheit darüber, ob es zur Finanzierung des Zukaufs, dessen Preis Experten auf über fünf Mrd. Euro schätzen, zu einer Kapitalerhöhung kommen wird, haben Christian Obst von der Hypo-Vereinsbank, Nils Machemehl vom Bankhaus M.M. Warburg und Tue Oestergaard von der WestLB Ende vergangener Woche ihre Kursziele für die Post-Aktie gesenkt. Der hohe Ölpreis spielt dabei jedoch keine Rolle. Zwar können im Bereich Brief- und Paketpost wegen der festgelegten Portostruktur höhere Kosten nicht unmittelbar an den Kunden weitergegeben werden, heißt es. Im Bereich Logistik gebe es jedoch sehr viele Verträge, bei denen dies durchaus möglich ist.

Auch im Bereich Touristik und Luftfahrt spielen im Moment noch andere Faktoren als der Ölpreis die entscheidende Rolle. So ist im Gesamtpreis einer Pauschalreise der Faktor Öl mit einem Anteil von einem bis 1,5 Prozent von untergeordneter Bedeutung. Hinzu kommt, dass die großen Reiseunternehmen bereits bei der Veröffentlichung eines neuen Katalogs den Ölpreis am Terminmarkt absichern.

Denkbar ist, dass die Gesellschaften ab der kommenden Saison mehr für Kerosin bezahlen müssen. „Hier besteht die Möglichkeit, dass die Kunden durch Treibstoffzuschläge oder höhere Reisepreise an den gestiegenen Kosten beteiligt werden“, sagt Raimon Kaufeld. Auf den europäischen Marktführer Tui sieht er daher auch bei anhaltend hohen Ölpreisen keine Probleme zukommen. Speziell die Strategie, pro Jahr zwischen zehn und 15 Hotels zuzukaufen, wird sich seiner Ansicht nach in Zukunft auszahlen. In rund zehn Jahren werde sich Tui von einem Reiseunternehmen zu einer Hotelgesellschaft gewandelt haben, schätzt er.

Deutlich mehr betroffen als die Touristik ist die Luftfahrt von den derzeit hohen Kerosinpreisen. Aber auch beim deutschen Marktführer Lufthansa klappt die Absicherung gegen Preissteigerungen am Warenterminmarkt sehr gut, auch wenn in diesem Jahr vermutlich 2,5 Mrd. Euro statt wie im vergangenen Jahr noch 1,4 Mrd. Euro für Kerosin ausgegeben werden müssen. Zwar muss jede Gesellschaft bei einem so stark steigenden Ölpreis wie zuletzt einen Teil des Anstieges selbst tragen. Langfristig dürften jedoch auch sie diesen in Form höherer Preise an die Kunden weitergeben.

Von den 30 Analysten, die laut Informationsdienst Bloomberg die Lufthansa-Aktie beobachten, empfehlen diese noch immer 19 zu Kauf. Wegen des höheren Kerosinpreises hat auch noch niemand seine Einschätzung zurückgenommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%