Abtritt des Apple-Chefs
Harte Probe für die Kultaktie

Die Apple-Aktie hat seit Jahren Kultstatus und bringt ihren Anlegern traumhafte Gewinne. Doch mit dem Abgang von Firmenikone Steve Jobs könnte das Papier seine Magie verlieren.
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DüsseldorfFür Apple-Aktionäre gab es jahrelang zwei Konstanten: Einen stetig steigenden Aktienkurs – und die Sorge, dass der kranke Vorstandschef Steve Jobs irgendwann das Handtuch schmeißt. Jetzt ist dieser Zeitpunkt gekommen. Der Aktie versetzt das einen empfindlichen Schlag - doch nach Ausschlägen von minus sechs Prozent im nachbörslichen Handel hat sich die Aktie zur Eröffnung der Wall Street schon wieder erholt: Die Aktie fiel lediglich um 2,1 Prozent auf 368 US-Dollar ab. Der Börsenwert des Elektronik-Riesen fällt dadurch 341,6 Milliarden Dollar.

Letztendlich kam die Nachricht nicht überraschend. Drei Mal hatte Steve Jobs, der wie wohl kein zweiter Vorstandschef für den Erfolg seines Unternehmens steht, in den letzten Jahren wegen schwerer Krankheiten kürzer treten müssen: 2004 nahm er sich wegen einer Erkrankung an Bauchspeicheldrüsen-Krebs die erste Auszeit, 2009 musste er sich einer Lebertransplantation unterziehen. Anfang des Jahres zog er sich dann erneut etwas zurück, um sich auf seine Gesundheit konzentrieren zu können. Damals kündigte er an, dem Konzern aus dem Krankenstand verbunden zu bleiben und als Chef weiterzumachen. Nun musste sich Jobs eingestehen, dass dies nicht länger möglich ist. An seine Stelle soll nun sein Stellvertreter Tim Cook treten, der den Konzern bereits in Jobs Abwesenheit kommissarisch leitete. Jobs bleibt dem Konzern aber als Chef des Verwaltungsrats erhalten.

Analysten werten die Entscheidung für Cook als Zeichen der Kontinuität und als positives Signal für Anleger. Probleme durch den Führungswechsel sollte es nicht geben, schrieb UBS-Analyst Maynard Um in einer Studie. Tim Cook sei ein sehr fähiger Nachfolger und überaus vertraut mit den Geschäftsplänen von Apple, meint auch Chris Whitmore von der Deutschen Bank. Beide Analysten untermauerten am Morgen ihre Kaufempfehlung für Apple-Aktien. Die Deutsche Bank sieht das Kursziel bei 500 Dollar, die UBS legt sogar noch zehn Dollar drauf.

Anleger dürfen also auf eine Fortsetzung des rasanten Aufwärtstrends hoffen. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Apple-Aktie mehr als 55 Prozent zugelegt, und das ist nichts Außergewöhnliches. Vor acht Jahren war die Aktie noch zehn Dollar wert. Seit Jahresbeginn hat sich das Wachstum der Aktie zwar verlangsamt, doch von den gut 14 Prozent Gewinn seit 1. Januar können die meisten anderen Aktiengesellschaften nur träumen.

Grund dafür sind immer weiter wachsende Geschäftszahlen dank anhaltendem Erfolg in der ganzen Welt. Das iPad 2 kann rekordverdächtige Absatzzahlen vorweisen. Der Umsatz im dritten Quartal des Finanzjahres stieg auf 28,6 Milliarden Dollar nach 15,7 Milliarden im Vorjahresquartel. Der Nettogewinn explodierte förmlich auf 7,31 Milliarden Dollar nach 3,25 Milliarden im Vorjahresquartal.

Allerdings schauen die Anleger bei Apple viel mehr auf den Konzernchef als bei vielen anderen Unternehmen, die Nachricht geht also kaum ohne Spuren an der Aktie vorbei. Zumindest kurzfristig wird das Papier jetzt seinen robusten Auftrieb verlieren, denn mit der Ikone an der Firmenspitze verliert die Apple-Aktie auch einiges an Kultwert. Analyst Bryan Ma von IDC sagt im Gespräch mit Bloomberg TV, es sei fraglich, was ohne einen "geistigen Führer" und ohne die "Inspirationsquelle" passiert. Im Schnitt rechnen die Analysten allerdings damit, dass Absatzzahlen bald wieder die Nachrichten um Steve Jobs ausblenden.

Die kurzfristigen Profiteure sind Apples Konkurrenten: Der Kurs des südkoreanischen Technologiekonzerns Samsung stieg an der Börse in Seoul am Donnerstag um drei Prozent, der Wettbewerber LG legte sogar vier Prozent zu. HTC in Taipeh legte 2,7 Prozent zu, die Aktien des Computerbauers Lenovo stiegen in Hongkong um 1,8 Prozent.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Annika Reinert
Annika Williamson
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

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