Adidas-Aktie
Der Ball rollt, der Rubel nicht

Adidas ist schon vor dem Finale Fußball-Weltmeister: Der deutsche Sportartikelkonzern rüstet Deutschland und Argentinien aus. Doch der Erfolg ist für Adidas bisher eine brotlose Kunst. Die Aktie ist ein Trauerspiel.
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Am Sonntag spielt Deutschland im Finale der Fußballweltmeisterschaft gegen Argentinien. Adidas kann es recht egal sein, wer den Titel der besten Mannschaft der Welt nach Hause nimmt. Denn beide Mannschaften tragen die legendären drei Streifen auf ihren Schultern.

Die Fußball-WM ist für Adidas damit ein voller Erfolg - sollte man meinen. Doch beim Aktienkurs ist davon noch nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil: Am Mittwoch fiel die Adidas-Aktie auf den tiefsten Stand seit 16 Monaten. Innerhalb eines Jahres hat die Adidas-Aktie fast 15 Prozent an Wert verloren – obwohl Adidas vor „der kommerziell erfolgreichsten“ WM aller Zeiten stehe, wie Konzernchef Herbert Hainer betonte. Im Donnerstagshandel konnte sich die Aktie wieder etwas fangen und 0,7 Prozent zulegen.

Wieso ist von der WM-Euphorie nichts beim Aktienkurs zu spüren? Dafür gibt es mehrere Gründe: Ein möglicher Einstieg bei Manchester United als Sponsor sorgte am Mittwoch für einen fallenden Aktienkurs. Anleger schauen hier wohl auf die nackten Zahlen. „Der mögliche Einstieg bei Manchester United würde zu steigenden Marketingkosten führen, zudem ist die Gewinndynamik bei Adidas schwach“, sagte Analyst Jörg Frey von Warburg Research.

Die Franken könnten einem Insider zufolge auf einen Sponsorenvertrag bei dem traditionsreichen Fußball-Klub hoffen. Der US-Rivale Nike werde seinen Ausrüster-Kontrakt mit dem zwanzigfachen englischen Meister aus Kostengründen nicht erneuern, sagte ein mit den Verhandlungen Vertrauter am Dienstag.

Ein weiterer Grund ist schlicht der Rivale Nike. Allein die Stärke des US-Konkurrenten lässt Anleger am Erfolg des deutschen Sportkonzerns zweifeln. Nike-Chef Mark Parker zeigte sich im Handelsblatt-Interview selbstbewusst: „Im abgelaufenen Geschäftsjahr sind wir im Fußball um 21 Prozent gewachsen. Ich verspreche Ihnen, das wird so weitergehen im nächsten Jahr.“ „Das klingt wie eine Kampfansage an Adidas in ihrem Brot- und Buttergeschäft und drückt auf den Kurs“, sagte ein Händler.

Hoffen auf das zweite Halbjahr

Dass Anleger eher an den Erfolg des US-Rivalen glauben, zeigt sich auch im Aktienkurs: Die Nike-Aktie hat innerhalb eines Jahres fast 17 Prozent an Wert gewonnen – fast spiegelbildlich zum 15-prozentigen Verlust der Adidas-Aktie.

Nächstes Adidas-Problem ist das schwächelnde Gewinnwachstum. Die Umsätze wachsen, doch die Gewinnspannen schrumpfen. So konnte Adidas bereits über 14 Millionen offizielle WM-Fußbälle verkaufen – eine Million mehr als bei der WM in Südafrika. Auch die WM-Trikots gehen weg wie warme Semmeln: Allein das DFB-Shirt werde wohl gut zwei Millionen Mal verkauft – einer neuer Rekord.

Trotzdem dürfte das zweite Quartal schwierig verlaufen sein, schreibt Michael Kuhn von der Deutschen Bank in seiner Studie vom Dienstag. „Der Umsatz dürfte sich zwar verbessert, die Profitabilität aber weiter unter Druck gestanden haben.“ Allerdings seien die Perspektiven für das zweite Halbjahr etwas besser.

Trotz aller Widrigkeiten haben Analysten die Adidas-Aktie noch nicht abgeschrieben und sehen sie als unterbewertet. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 88,28 Euro - aktuell liegt die Aktie bei 72,60 Euro. Für Adidas spreche, dass der deutsche Konzern schneller in Asien wachse, schrieb Analyst Jürgen Kolb Analysehaus Kepler Cheuvreux, der das Kursziel der Aktie bei 95 Euro sehe.

Auch das Analysehaus Hauck & Aufhäuser sieht die Adidas-Aktie künftig bei 95 Euro. Vor allem die Schwellenländer würden in Zukunft solides Wachstum bringen, schrieb Analyst Christian Schwenkenbecher in seiner Studie. Der aktuell niedrige Kurs der Adidas-Aktie sei demnach eine Kaufgelegenheit, zumal er von einer Dividendenerhöhung im Jahr 2016 auf 2,22 Euro ausgeht – eine Steigerung von 14 Prozent. 2014 lag die Dividende noch bei 1,50 Euro.

Insgesamt stehen der Aktie damit wohl bessere Zeiten bevor. Die Früchte der WM konnte die Adidas-Aktie noch nicht ernten – noch nicht. Das zweite Halbjahr dürfte dies ändern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Walter Epp
Walter Epp
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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