Aktie auf höchstem Stand seit 17 Monaten
Rohstoffkonzern BHP Billiton sieht seine Zukunft in China

Der größte Bergbaukonzern der Welt, BHp Billiton, dürfte in den kommenden Jahren noch um einiges größer werden. Helfen soll ihm dabei der Konjunkturaufschwung in China. BHP Billiton ist 2001 aus der Fusion der australischen Broken Hill Proprietary (BHP) und der südafrikanischen Billiton entstanden.

MELBOURNE. Ende August präsentierte der Konzern – nicht zuletzt dank des wirtschaftlichen Wachstums in China – ein über den Erwartungen liegendes Jahresresultat. Bei einem Umsatz von 17,5 Mrd. US$ verzeichnete der global tätige Konzern einen Gewinn von 1,92 Mrd. $. Das sind 2,9 % mehr als im Vorjahr. Zu dem Ergebnis beigetragen haben die steigende Nachfrage nach Eisenerz und Kohle in China, sehr gute Umsätze in den Bereichen Rohöl, deutliche Kostenreduktionen und Verkäufe von Aktivposten. Negativ wirkten Währungsfluktuationen. Ganze 560 Mill. $ büßte BHP Billiton wegen der höheren Devisenkurse in Südafrika und Australien ein. Ohne diesen Faktor zeigte sich ein sehr erfreuliches Bild. Die Börse reagierte mit Enthusiasmus vor allem auf den Anstieg des operativen Gewinnes um 36,4 %. In Australien, wo BHP Billiton in Melbourne den Hauptsitz hat, kletterte die Aktie auf ein 17-Monatshoch von 10,88 A$.

„Es war ein gutes, solides Ergebnis“, fasste USB-Analyst Glynn Lawcock zusammen. Mit seinem ersten Jahresergebnis enttäuschte der neue Chef Chip Goodyear jene Anleger nicht, die auf den einstigen BHP-Finanzchef große Hoffnungen gesetzt haben. Das Jahrzehnt zuvor war von katastrophalen Managemententscheidungen geprägt; seine Vorgänger nahmen Abschreibungen über mehrere Milliarden Dollar vor. Doch Goodyears Programm der Qualitätsverbesserung und Kostenkontrolle scheint Früchte zu tragen. „Es hat seit Jahrzehnten nicht so gut ausgesehen für BHP“, lobte die Australian Financial Revue. Im letzten Jahr zeigte sich zudem die Bedeutung der breiten Diversifizierung bei BHP Billiton. Der Ressourcengigant mit 38 000 Angestellten fördert und produziert in rund 20 Ländern eine so breite Palette von Rohstoffen, dass Preisschwächen in einzelnen Sektoren kaum stärker zu Buche schlagen. Erdöl ist dabei der wichtigste einzelne Ertragsposten.

Auf China entfallen inzwischen 7 % des Umsatzes von BHP Billiton. Gefragt waren dort vor allem die traditionellen Produkte der „alten“ australischen BHP, Kohle und Eisenerz. Im vergangenen Jahr wurden so viele dieser Basismaterialen nach China verkauft, wie nie zuvor. Und das ist laut Chip Goodyear nur der Anfang. Er rechnet damit, dass in den nächsten Jahren nicht nur Kohle und Eisenerz weiter gefragt sind, sondern auch assoziierte Produkte wie Nickel (für Edelstahl) und Kupfer. Dass die Entwicklung in diesem Riesenstaat nur eine Blase ist, die bald platzen könnte, glaubt Goodyear nicht. „Wir sind immer zuversichtlicher, dass das Wachstum verträglich ist“, meinte der CEO vor Analysten. Er verwies dazu auf Studien, die BHP Billiton in verschiedenen Regionen Chinas durchführt.

Experten teilen den Optimismus des BHP-Chefs – auch was die Zukunft des Gesamtunternehmens angeht. 14 neue Projekte im Wert von 3 Mrd. $ werden in den nächsten Monaten erste Ergebnisse bringen. Beeindruckt zeigten sich Analysten von den Kosteneinsparungen. Die Nutzung von Synergien war 2001 ein wesentlicher Grund für die Fusion von BHP und Billiton. Bisher konnte das Unternehmen 595 Mill. $ einsparen. Richard Rossiter von JP Morgan glaubt aber nicht, dass die Kostenkürzungen im bisherigen Umfang mit dem selben Tempo weiter gehen werden. Positiv gewertet wird auch, dass die Firma 1 Mrd. $ an Schulden zurück zahlen konnte.

Für Anleger sind solche Zahlen zurzeit offenbar meist nebensächlich. Die Popularität von BHP Billiton an der Börse Sydney zeigt, dass Investoren nach Jahren der Frustration wieder an die Firma glauben. Zudem will man die Dividende nicht verschmähen, auch wenn sie traditionell relativ bescheiden ist: BHP Billiton belohnte die Treue der Aktionäre mit einer Anhebung von 6,5 US auf 7,5 US-Cents je Aktie.

Urs Wälterlin
Urs Wälterlin
Handelsblatt / Korrespondent
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