Aktie auf Talfahrt
Der Lufthansa droht ein Ölpreisschock

2010 gehörte die Aktie der Deutschen Lufthansa zu den Überraschungssiegern an der Börse. Doch im laufenden Jahr geht es stetig bergab. Der stark gestiegene Ölpreis sorgt jetzt für neue Unsicherheit.
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Frankfurt

Die Deutsche Lufthansa macht turbulente Tage durch. Am Dienstag schickte die Fluggesellschaft eine Sondermaschine nach Libyen. Sie sollte die verbliebenen Deutschen ausfliegen, bevor die Situation in dem Land noch weiter eskaliert. Auch für das Unternehmen selbst werden die Unruhen in Nordafrika zunehmend zur Belastung - wegen der steigenden Ölpreise.

Die Furcht der Anleger vor einem Übergreifen der Unruhen in Libyen auf andere erdölexportierende Länder in Nordafrika und am Persischen Golf hat die Rohölpreise auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren getrieben. Mit 95 Dollar kostete ein Fass der Sorte WTI zeitweise fast zehn Prozent mehr als noch am Montagabend.

Hohe Ölpreise bekommen die Fluggesellschaften direkt zu spüren. Denn für sie verteuert sich dadurch der Sprit, ein erheblicher Kostenfaktor. Weil der Ölpreis so plötzlich anzieht, haben die Unternehmen nicht einmal die Möglichkeit, sich dagegen abzusichern. "Die Gefahr besteht darin, dass die Airlines sich nicht auf diesen Schock vorbereiten konnten und den Preisanstieg daher nicht durch entsprechendes Fuel Hedging abpolstern können", sagt Harry Sebag von der Saxo Bank. "Das könnte die Ergebnisse ernsthaft belasten."

An der Börse schmieren Aktien der Fluggesellschaft ab. Die Papiere der Lufthansa fielen am Dienstag in der Spitze um fast drei Prozent , nachdem sie bereits am Vortag ebenso viel verloren hatten. Erst im späten Handel erholten sich die Aktien etwas und grenzten die Verluste bei einem Kurs von 15,20 Euro auf 0,5 Prozent ein. Bei der Konkurrenz sah es nicht besser aus: Aktien von Air France verloren zeitweise vier Prozent und die aus dem Zusammenschluss von British Airways und Iberia hervorgegangene International Consolidated Airlines Group notierte rund drei Prozent schwächer.

Ein ungewohntes Bild sind die Verluste bei Luftfahrt-Aktien für Anleger nicht. Seit einem Hoch bei knapp 17,50 Euro Mitte Dezember sind die Lufthansa-Aktien kontinuierlich zurückgefallen. Die hohen Ölpreise sind ein Grund, die starken Gewinne des Vorjahres ein anderer. 2010 war der Börsenwert der Lufthansa um fast 40 Prozent und damit deutlich stärker gestiegen als der Dax. Jetzt nehmen einige Anleger Gewinne mit.

Analysten zeigen sich ebenfalls etwas vorsichtiger: Angesichts höherer Treibstoffkosten habe er seine Gewinnerwartungen für die Fluggesellschaften gesenkt, schrieb Neil Glynn von Credit Suisse in einer aktuellen Branchenstudie. Das Kursziel für Aktien der Lufthansa senkte er von 22,90 auf 21Euro, beließ die Einstufung aber auf "outperform".

Sein Kollege David Fintzen von der britischen Investmentbank Barclays hatte bereits in der vergangenen Woche vor den Folgen deutlich höherer Ölpreise gewarnt. Es sei durchaus sinnvoll in den kommenden Monaten vorsichtig bei Luftfahrtaktien zu sein, kommentierte Fintzen.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter

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