Aktie bei Analysten beliebt - inzwischen aber teuer
Axel Springer klettert weiter

Der Trend kommt aus den USA. Jetzt hat er auch Europa erreicht: Die erwartete Konsolidierung in der Medienbranche treibt auch hier die Aktienkurse von Medienunternehmen nach oben. Der große Profiteur am deutschen Aktienmarkt: Das Papier der Axel Springer AG. Knapp 50 Prozent hat es innerhalb eines Jahres an Wert gewonnen, in den letzten vier Jahren hat sich der Kurs mehr als verdreifacht.

FRANKFURT. Aber genau da liegt das Problem, das momentan etliche Analysten mit der Aktie haben. Das Berliner Medienunternehmen zeige zwar eine gute unternehmerische Perspektive, der Kurs biete jedoch inzwischen nur noch wenig Phantasie nach oben, heißt es von Thomas Singlehurst von der Citigroup. Er hatte im Februar sein Kursziel um satte 25 Prozent von 120 auf 150 Euro nach oben gesetzt und damals die starke Wettbewerbsposition und die gute Wachstumsstrategie gelobt. Seit der Kurs zwischenzeitlich sogar kurz über dieses Niveau gestiegen war, rät er nur noch zum "Halten" der Aktie; gleichzeitig stuft er ihr Risiko als mittelgroß ein. Im Jargon der Citigroup heißt das: Mehr als 15 Prozent Kurssteigerung sind nicht mehr drin. Auch wenn der Kurs der Springer-Aktie zuletzt wieder auf 134 Euro zurück gekommen ist.

Dabei ist die Axel-Springer-Aktie ohnehin erst ins Blickfeld der breiteren Öffentlichkeit gerückt, als das Unternehmen im Dezember vergangenen Jahres durch die Platzierung eines Aktienpakets den Anteil frei handelbarer Papiere von 15 auf rund 25 Prozent angehoben hat und nun im Juni in den Kleinwerte-index SDax aufgenommen wurde. Mehr Ansehen bei den Analysten brachte das nicht. Von den sieben Wertpapierexperten, die sich laut dem Informationsdienst Bloomberg mit der Aktie beschäftigen, raten drei zum Kauf, vier sehen sie als Halteposition.

Größter Optimist ist dabei Mark Beilby von Dresdner Kleinwort, der gerade erst sein Kursziel von 160 Euro für die Aktie bestätigt hat. Vom aktuellen Niveau aus wäre das ein potenzielles Plus von knapp 20 Prozent.

Dass die Mehrzahl der Analysten der Aktie keine allzu großen Sprünge mehr zutraut, liegt vor allem daran, dass sich der Verlag derzeit vor allem um den Ausbau des Geschäftes um Zeitungen, Zeitschriften und Internet kümmert. Rund 120 Titel - am bekanntesten sind "Bild" und "Welt" - gehören zum Portfolio. Die allgemeine Marktlage dort gilt jedoch trotz der guten Konjunktur noch immer als schwierig. Und ein Kurstreiber wie die im vergangenen Jahr vom Kartellamt untersagte Übernahme des Fernsehsenders Pro Sieben Sat1 ist nicht in Sicht.

Es sind demnach eher kleinere Nachrichten, die derzeit das Interesse der Anleger wecken könnten. So hat der Konzern zuletzt drei TV-Zeitschriften vom Schweizer Ringier Verlag erworben. Zudem hat das Management um Vorstandschef Mathias Döpfner das Finanzportal Wallstreet-Online und die Hälfte des Online-Werbers Zanox gekauft.

Kursphantasie schürt bei Analysten noch immer der üppige Kassenbestand. Auch wenn sich offiziell niemand zu möglichen Plänen äußern will, glauben die Analysten dennoch nicht, dass die Fernsehpläne von Springer nach dem gescheiterten Pro-Sieben-Sat1-Deal vom Tisch sind. "Sobald sich eine günstige Gelegenheit bietet, wird der Verlag wieder die Fühler ausstrecken", sagt ein Analyst, der nicht genannt werden will.

Über eines dürfen sich Anleger bereits freuen: Die Springer-Aktie gilt als guter Dividendentitel. Zudem könnte bei weiterhin guter Kursentwicklung im nächsten Jahr schon die Aufnahme in den MDax winken.

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