Aktie des größten südafrikanischen Industriekonzerns profitiert eins zu eins vom Anstieg der Energiepreise
Teures Öl macht Sasol-Aktionäre froh

Der hohe Ölpreis verdirbt längst nicht allen Anlegern die Stimmung. Zu den größten Nutznießern zählen zum Beispiel die Investoren des südafrikanischen Petrochemiekonzerns Sasol, dem weltweiten Marktführer bei der Umwandlung von Kohle und Gas in Treibstoff.

KAPSTADT. Analysten haben errechnet, dass jeder Anstieg des Ölpreises um 10 Prozent die Profite des größten Industrieunternehmens am Kap um den gleichen Prozentsatz in die Höhe schraubt.

Im Aktienkurs von Sasol hat sich dies in den vergangenen zehn Monaten in einem Plus um über 50 Prozent niedergeschlagen. Dass Sasol am Wochenende sogar auf ein Allzeithoch von 155 Rand kletterte, ist dennoch erstaunlich: Schließlich fungierte die starke südafrikanische Währung, der Rand, bis vor kurzem als Gewinnbremse.

Harte Einsparungen und der hohe Ölpreis haben den vom Rand geschaffenen Kostendruck jedoch mehr als kompensiert. Einen eindrucksvollen Beleg dafür liefert der Betriebsgewinn, der im zweiten Halbjahr 2004 um 65 Prozent auf 6,55 Mrd. Rand (815,5 Mill. Euro) schnellte.

Kein Wunder, dass Sasol inzwischen ins Visier internationaler Ölkonzerne geraten ist. Hauptgrund ist die erstklassige Marktstellung des Unternehmens, sagt Fondsmanager Dave Tunnington von Old Mutual. Nach Meinung von Pierre Marais vom Vermögensverwalter African Harvest verfügt Sasol in der Umwandlung von Kohle und Gas über einen Entwicklungsvorsprung von mehreren Jahren. Verantwortlich dafür ist, dass der 1950 gegründete Konzern frühzeitig die Rechte an dem deutschen Fischer-Tropsch-Verfahren zur Umwandlung von Kohle in Öl erwarb. Daneben wurde Sasol jahrelang vom Apartheidregime subventioniert, um Südafrika von Öleinfuhren autark zu machen. Mit der Öffnung seiner abgeschotteten Wirtschaft vor zehn Jahren konnte Sasol diesen Wettbewerbsvorteil nutzen.

Wer in einen Ölproduzenten in einem Schwellenmarkt investieren möchte, kommt nach Einschätzung vieler Ölexperten an Sasol heute kaum mehr vorbei. Als weiterer Bonus hat sich für den Konzern seine Zweitnotierung an der New Yorker Börse und der jüngste Niedergang des russischen Konkurrenten Yukos erwiesen.

Vor dem Hintergrund dieses Erfolgs verwundern die harten Breitseiten der südafrikanischen Regierung, die sich regelmäßig über das angeblich zu langsame Tempo beim personellen Umbau des Konzern beklagt. Erst letzte Woche kritisierte ein hochrangiger Regierungsvertreter, dass Sasol kaum Toppositionen mit Schwarzen besetze und drohte dem Unternehmen mit einer Bestrafung.

Die jüngste Tirade war offenbar eine Reaktion auf den bevorstehenden Wechsel an der Spitze des Unternehmens: Anfang Juli wird Vorstandschef Pieter Cox von Pat Davies abgelöst, der Sasol seit 30 Jahren angehört und dort zuletzt für den erfolgreichen Aufbau der synthetischen Treibstoffherstellung verantwortlich zeichnete. Für Aktionäre ist der Wechsel aber eine gute Nachricht. Durch diesen dürfte die Kontinuität des erfolgreichen Sasol-Geschäftes garantiert sein.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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