Aktie erholt sich allmählich
Wirbel um United Internet

Die Aussagen von Paul Sidney schlugen an der Börse ein wie eine Bombe: Wegen sinkender Preise und gleichzeitig steigender Kosten kürzte der Londoner Analyst von Credit Suisse in der vergangenen Woche sein Kursziel für United Internet um fast die Hälfte.

FRANKFURT. Statt bei 13,70 Euro sieht er den fairen Wert der Aktie in den kommenden zwölf Monaten bei 7,50 Euro. Innerhalb weniger Tage verlor die Aktie fast ein Viertel an Wert, zeitweise notierte sie unter 9 Euro.

Dass es nicht weiter bergab ging, sondern inzwischen gar wieder zugekauft wird, liegt daran, dass etliche von Sidneys Kollegen standhaft weiter zum Kauf der Aktie raten. Kein anderer ist seither umgeschwenkt, wie es in ähnlichen Fällen gerne üblich ist. Noch immer empfehlen laut dem Informationsdienst Bloomberg zehn Analysten den Kauf von United Internet, zwei nehmen eine neutrale Position ein, und fünf raten zum Verkauf. Eine Tendenz ist erkennbar, ein eindeutiges Bild sieht aber anders aus.

Die Gründe liegen in der völlig konträren Wahrnehmung von United Internets Zukunftschancen. Unter dem Dach des Unternehmens aus Montabaur sind eine Vielzahl von Internetmarken wie 1&1, Adlink, GMX, Web.de oder Twenty4help gebündelt. Nach einer Durststrecke zum Ende des Neuen Marktes schaffte Vorstandschef und Gründer Ralph Dommermuth eine fulminanten Neustart. Die Aktie hat sich in den vergangenen drei Jahren verfünffacht.

Die größte Gefahr sieht Credit-Suisse-Analyst Sidney nun allerdings darin, dass der Konkurrent Deutsche Telekom beim geplanten neuen Gesetz zum Aufbau des Hochgeschwindigkeits-Breitbandnetzes V-DSL bevorzugt werden könnte. „Die Telekom könnte anfangs für befristete Zeit von der Regulierung durch die Bundesnetzagentur ausgenommen werden“, befürchtet er.

Zweiter Gefahrenpunkt: Ende Mai hatte die Agentur der Deutschen Telekom den so genannten „Net-Rental-Tarif“ untersagt, der großen Wiederverkäufern der schnellen Internet-Anschlüsse wie AOL oder United Internet zuvor gewährt wurde. Statt bei 58 Prozent unter dem Endkundenpreis, wie es der Branchenverband Breko im Schnitt berechnet hat, soll der Rabatt künftig nur noch zwischen 15 und 20 Prozent liegen.

Die Deutsche Telekom hat den Rabatt für Wiederverkäufer anschließend zwar von 11,5 wieder auf 20 Prozent angehoben. Dennoch bekam die bis dato bei Analysten hoch angesehene United-Internet-Aktie erste Kratzer, da manche Experten das Geschäftsmodell plötzlich mit strategischen Risiken behaftet sahen.

Diese Bedenken teilt Akhil Dattani nicht. Erst am Mittwoch hat der Analyst von JP Morgan sein Kursziel von 13,50 Euro für die Aktie bestätigt. Er setzt darauf, dass das Unternehmen alle Zweifler schon bei Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal am 11. August überzeugen wird. „Es hat den Anschein, dass United Internet das für das Gesamtjahr prognostizierte Umsatzwachstum erreichen wird“, sagt er.

Direkt nach dem Kursrutsch hatten auch Benjamin Kluftinger von der Citigroup und Adrian Hopkinson von der WestLB ihre Kursziele von 17,50 bzw. 17 Euro bestätigt. „Ich erwarte starke Zahlen“, sagt Kluftinger im Hinblick auf den 11. August. Hopkinson sieht sogar „Potenzial für eine Überraschung“.

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