Aktie im Fokus
An der Commerzbank scheiden sich die Geister

Die Commerzbank-Aktie gehört zu den größten Gewinnern im Dax – trotz eingebrochenem Quartalsgewinn. Die Aktie profitiert von den gestopften Kapitallöchern. Allerdings wird die Nachhaltigkeit der Ergebnisse angezweifelt.
  • 0

DüsseldorfDie Aktie der Commerzbank ist Spitzenreiter im Dax. Das Papier der zweitgrößten Bank Deutschlands führt mit einem Plus von 2,6 Prozent auf 1,56 Euro den deutschen Leitindex an. Der europäische Branchen-Index verliert hingegen 0,7 Prozent.

Börsianer führen die Kurszuwächse auf die gestopften Kapitallöcher der Commerzbank zurück. Die Bank habe die von der EU-Bankenaufsicht EBA Ende 2011 festgestellte Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro Ende März geschlossen und sogar einen zusätzlichen Puffer von 1,1 Milliarden Euro aufgebaut.
Die Commerzbank habe nicht nur die strengeren Auflagen der EBA erfüllt, sondern auch den Aufbau des harten Kernkapitals schneller vorangebracht als von Analysten erwartet, sagte ein Börsianer. Beides dränge das schwache Quartalsergebnis und den zurückhaltenden Ausblick in den Hintergrund. Die Bilanz an sich fiel dagegen enttäuschend aus: Der Gewinn der Bank ist im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal um 62,5 Prozent eingebrochen.

Positiv für die Aktie sieht Analyst Phillip Häßler von Equinet Institutional die Tatsache, dass die Commerzbank ihre griechischen Staatsanleihen vollständig losgeworden ist. Außerdem sei der Vorsteuergewinn der teilverstaatlichten Bank besser als erwartet ausgefallen. Das liege daran, dass die Kosten und die Risikovorsorge niedriger ausgefallen seien als erwartet. Er empfiehlt die Aktie deshalb zum Kauf mit einem Kursziel von 2,50 Euro.

Ein anderer Analyst hingegen zweifelt an der Nachhaltigkeit der Quartalsergebnisse und rät zum Verkauf. Die Kosten werden nie wieder so niedrig ausfallen wie im ersten Quartal – es handele sich also nur um einen Einmaleffekt. Außerdem sei die niedrige Risikovorsorge eher ein schlechtes Zeichen.

An der Commerzbank-Aktie scheiden sich sichtbar die Geister. Während die einen zum Kauf empfehlen und an ein Aufholpotenzial glauben, raten die anderen vom Kauf ab, da die Zukunft zu unsicher sei. Dies wird an Analysten-Empfehlungen deutlich: Es rieten innerhalb des letzten Monats genauso viele Analysten zum Verkauf wie zum Kauf der Aktie.

Wer die Commerzbank-Aktie seit Jahren hält, dem helfen auch die heutigen Kursgewinne nicht wirklich. Commerzbank-Aktionäre haben in den letzten Jahren wenig Grund zur Freude gehabt und mussten mit ansehen wie die Aktie zum Zockerpapier verkam. Im Jahr 2007 war das Papier noch beinahe 30 Euro wert – nun pendelt die Aktie zwischen der Ein- und Zwei-Euro-Marke und schrammte bereits mehrmals an der Grenze zum Penny-Stock vorbei. Die Aktie schaffte es auch wiederholt auf die Liste der größten Geldvernichter, die jährlich vom Anlegerschutzverband DSW herausgegeben wird. 

Ob das lange Leiden der Aktionäre ein Ende nehmen wird, ist ungewiss. Commerzbank-Chef Martin Blessing blieb bei der Vorstellung der Bilanz einen konkreten Ausblick für 2012 schuldig.

Walter Epp
Walter Epp
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Aktie im Fokus: An der Commerzbank scheiden sich die Geister"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%