Aktie im Fokus
Analysten erwarten harte Zeiten für Cisco

Netzwerkspezialist Cisco leidet unter hohen Kosten und sinkenden Marktanteilen. Doch als Platzhirsch hat das Unternehmen immer noch Vorteile gegenüber der Konkurrenz. Wie die Wende gelingen kann.

DortmundEine bittere Pille muss Netzwerkausrüster Cisco demnächst schlucken: Mehrere Tausend Arbeitsplätze will das kalifornische Unternehmen in den kommenden Wochen streichen, um das Geschäft profitabler zu machen. Die Analysten erwarten, dass Cisco in den kommenden Quartalen harte Zeiten bevorstehen.

Bis zu 10000 Angestellte müssen bis Ende August ihren Schreibtisch räumen, schätzen die Experten - mindestens aber 5000. Das wäre ein Abbau von sieben bis 14 Prozent der gesamten Belegschaft. Genaue Zahlen will Cisco erst bei der nächsten Quartalsbilanz Mitte August abgeben. Fest steht aber das Sparziel von Cisco-Chef John Chambers: eine Milliarde Dollar pro Jahr.

Die Experten halten den Personalabbau für absolut notwendig. "Cisco hat einfach zu viele Angestellte", sagt Analyst Brian Marshall vom Brokerhaus Gleacher & Co. Er erwartet, dass die Stellenstreichungen Cisco dabei helfen, "das Schiff wieder aufzurichten". Anderen geht selbst dieser Schritt nicht weit genug. Jeff Kvaal von Barclays Capital schätzt, dass ein Abbau von 10000 Arbeitsplätzen im kommenden Jahr etwa 18 bis 20 Cent zum Gewinn pro Aktie beitragen könnte. Doch beim Aktienkurs dürfte dies höchstens einen Sprung von rund zwei Dollar bewirken, sagt Kvaal.

Denn die überhöhten Belegschaftszahlen sind nicht Ciscos einziges Problem. Durch die wachsende Konkurrenz steigt auch der Preisdruck in Ciscos zentralen Geschäftsfeldern: Hewlett-Packard etwa steigt vermehrt in die Produktion von sogenannten Switches und Routern ein, die die Kommunikation in Computernetzen steuern. Im vergangenen Jahr erzielte dieser Geschäftsbereich bei Cisco mehr als die Hälfte des Umsatzes. Doch Ciscos Marktanteil sinkt allmählich: In nur einem Jahr mussten die Kalifornier etwa fünf Prozentpunkte des Kuchens abgeben, auch wenn sie immer noch etwa zwei Drittel des Markts beherrschen. Durch die Konkurrenzsituation sinken auch die Preise und Margen, die die Hersteller mit Switchsystemen erzielen können. "Cisco sollte nicht denken, dass sie nur ein paar neue Produkte auf den Markt bringen müssen und alles wird wieder so wie früher", warnt Joe Skorupa, Analyst bei der IT-Beratungsfirma Gartner. "Dies hier ist der neue Normalzustand."

Dennoch hat Cisco als Platzhirsch noch immer Vorteile gegenüber der Konkurrenz. Vor wenigen Tagen präsentierte das Unternehmen eine überholte Version seines Bestsellers Catalyst 6500 - ein Switchsystem, das seit seiner Markteinführung 1999 geschätzte 42 Milliarden Dollar Umsatz erzielt hat. Nun hofft Cisco darauf, dass die Kunden auf das Upgrade anspringen: In vielen Fällen sollen sich die neuen Hardwaremodule einfach in die alten Geräte einstecken lassen, so dass der Kunde nicht zu einem kompletten neuen System greifen muss.

Selbst wenn die Idee von den Kunden angenommen wird - langfristig werde Cisco nicht um eine Senkung des Umsatzwachstumziels herumkommen, sagen die Experten. Insgesamt wird die Cisco-Aktie wieder ein guter Kauf, sagt Shaw Wu von der Finanzgruppe Sterne Agee: "Cisco ist kein gebrochenes Unternehmen, es ist reparierbar. Es hat sogar alle Voraussetzungen, um eine erfolgreiche Wende hinzubekommen wie IBM in den frühen und Apple in den späten 1990ern. Genau wie diese Firmen besitzt auch Cisco führende Technologien, eine breite Basis an bereits verkauften Geräten und Kunden, die tatsächlich ihre Produkte kaufen wollen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%