Aktie im Fokus
Bilfinger Berger baut auf die Zukunft

Im Moment läuft es gut für Bilfinger Berger - eigentlich. Wäre da nicht Hochtief, der große Konkurrent aus Essen. Bei dem läuft es nämlich besser; zumindest, wenn es um die Aktienkursentwicklung geht. In Zukunft könnte sich das aber ändern.

FRANKFURT. Herbert Bodner dürfte eigentlich zufrieden sein. Ein neues Bauprojekt hier, ein millionenschwerer Modernisierungsauftrag dort. Der Chef von Bilfinger Berger hat viel zu tun in diesen Tagen. Erst Ende vergangener Woche zog der Mannheimer Baukonzern einen Auftrag im australischen Sydney an Land. 177 Schulen sollen bis 2011 runderneuert werden. Bodner darf sich über umgerechnet rund 120 Millionen Euro freuen.

Im Moment läuft es gut für Bilfinger Berger - eigentlich. Wäre da nicht Hochtief, der große Konkurrent aus Essen. Bei dem läuft es nämlich besser; zumindest, wenn es um die Aktienkursentwicklung geht: Während die Papiere von Bilfinger Berger seit ihrem Tiefstand gut 55 Prozent auf mittlerweile fast 37 Euro zugelegt haben, hat sich der Hochtief-Aktienkurs sogar mehr als verdoppelt.

Dabei hat Bilfinger Berger 2008 mehr verdient als der Konkurrent aus Essen - und mehr Dividende an seine Aktionäre ausgeschüttet. Zwei Euro haben die Anleger je Anteilsschein bekommen; so viel soll es wohl auch in den kommenden beiden Jahren geben. Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2009 beträgt gerade einmal neun - Schnäppchenniveau. Und auch die Analysten loben die Aktie von Bilfinger Berger über den grünen Klee: Laut Finanzdatendienstleister Bloomberg raten 14 von 17 Experten, die das Mannheimer Unternehmen in den vergangenen drei Monaten unter die Lupe genommen haben, zum Kauf der Aktie; einer sagt "halten", nur zwei "verkaufen". Das klingt eigentlich nach einer sicheren Sache für die Anleger. Der Baukonzern sei zwar nicht immun gegen die Rezession, allerdings dürften die Gewinne des Baukonzerns relativ widerstandsfähig sein, da Bilfinger nur in geringem Maß in Gewerbeimmobilien engagiert sei, schreibt Craig Abbott, Analyst bei Chevreux, in einer Studie. Warum also schneiden die Mannheimer an der Börse derzeit schlechter ab als Hochtief?

Bilfinger Berger hat sich in den letzten Jahren vom klassischen Bau- zum Dienstleistungskonzern gewandelt. Der Schwerpunkt des Geschäfts hat sich verschoben. Bilfinger wartet immer häufiger Industrieanlagen und betreut Immobilien, statt Wolkenkratzer zu bauen. Zwar profitiert das Unternehmen von den milliardenschweren Konjunkturpaketen, die Regierungen aus aller Welt geschnürt haben, um die Wucht der Wirtschaftskrise abzumildern. Allerdings ist Bilfinger international - etwa in den USA - nicht so gut aufgestellt wie Hochtief. Bei den klassischen Infrastrukturprojekten steht der größere Essener Konzern einfach besser da.

Die Bilfinger-Aktie könnte später, wenn die Konjunkturhilfen auslaufen, noch eine Rally hinlegen. "Die flexible Kostenstruktur und eine mögliche wirtschaftliche Stabilisierung dürften dafür sorgen, dass es dem Konzern 2010 zumindest nicht schlechter geht als im laufenden Geschäftsjahr", sagt Karin Brinkmann, Analystin bei Unicredit. Sie traut der Aktie in den nächsten Wochen einen Sprung auf 44 Euro zu; ihr Urteil lautet: "kaufen".

Kurz- und mittelfristig dürfte zwar die Aktie von Hochtief interessanter für Anleger sein, sagt Brinkmann, langfristig aber lägen die Vorteile bei Bilfinger Berger.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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