Aktie im Fokus
„Bleiben Sie der Bilfinger-Aktie fern“

Bilfinger ist erneut ins Straucheln geraten. Innerhalb kürzester Zeit meldet der Konzern die dritte Gewinnwarnung. Anleger und Analysten reagieren geschockt. Die Aktie stürzt mehr als zehn Prozent ins Minus.
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DüsseldorfDer Industriedienstleister Bilfinger vermeldet eine Gewinnwarnung – die dritte innerhalb von drei Monaten. Eine solche Frequenz an Ergebniskorrekturen gibt es nicht alle Tage. Der Konzern ist ordentlich in Schieflage geraten. Viele Aktionäre kehren dem Konzern deswegen den Rücken. Mit der heutigen Prognosesenkung rauschten die Bilfinger-Papiere knapp elf Prozent ins Minus auf 53,32 Euro. Allein in den vergangenen drei Monaten summierten sich die Verluste auf satte 31 Prozent – und ein Ende der Talfahrt ist nicht abzusehen.

„Das sind sehr enttäuschende Nachrichten“, schrieb DZ-Bank-Analyst Jasko Terzic in einem Kommentar. Ernüchternd sei vor allem die Tatsache, „dass nach zwei Gewinnwarnungen die notwendige Risikobeurteilung offensichtlich nicht umfassend ausfiel“.

Beim Analysehaus S&P Capital IQ sieht man das ähnlich. Die dortigen Experten haben ihr Kursziel für Bilfinger von 75 auf 56 Euro gesenkt. Als Rating vergeben sie (noch) ein „hold“. „Bleiben sie von der Aktie eine Zeit lang fern“, riet ein Händler im Anschluss an die neueste Gewinnwarnung bei Bilfinger.

Die Unternehmensführung rechnet für 2014 mittlerweile nur noch mit einem bereinigten Ergebnis (Ebita) aus fortzuführenden Aktivitäten von mindestens 270 Millionen Euro. Erst Anfang August hatte Bilfinger, der sich von einem Bau- in einen Dienstleistungskonzern wandelt, die Prognose um 40 Millionen Euro auf 340 bis 360 Millionen Euro gesenkt und zugleich die Trennung von Vorstandschef Roland Koch bekanntgegeben. Genützt hat es dem Konzern bisher wenig. Während die Aktien mehr als ein Drittel an Wert verloren, gab der MDax im selben Zeitraum lediglich 3,9 Prozent nach. „So viele Gewinnwarnungen in so kurzer Zeit, sind nicht gerade vertrauenseinflößend,“ sagte ein Experte.

Bilfinger bemühte sich um Erklärungen: „Die Veränderungen im Management und die neuen firmeninternen Prozesse brauchen noch mehr Zeit, um sie zu etablieren“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Immerhin: In diesem Jahr will Bilfinger seine Gewinnvorhersage nicht erneut korrigieren. Der Vorstand sei nun sicher, diese einhalten zu können, erklärte Interims-Chef Herbert Bodner am Donnerstag. „Wir brauchen keine weiteren Enttäuschungen nach denen, die wir bereits verursacht haben“, sagte er in einer Konferenz mit Analysten. Das Dividendenversprechen, das Ex-Chef Koch nach der ersten Gewinnwarnung noch bekräftigt hatte, stellte Bodner jedoch in Frage. Dies könne erst nach Vorlage der Zahlen für 2014 entschieden werden. „Ich kann nicht sicher sagen, was wir da tun werden.“

Die Frage, die sich derzeit vielen Bilfinger-Aktionären aufdrängt, ist die nach der Schuld an der Misere. Aufsichtsratsvorsitzender Bernhard Walter macht den ehemaligen hessischen Ministerpräsident Roland Koch als Schuldigen aus. „Letztlich ist der Konzern Bilfinger mit seinen vielen Zukäufen sehr komplex geworden und nicht einfach zu steuern“, sagte er nach der zweiten Gewinnwarnung und der Absetzung Kochs. Während Kochs Riege verfolgte der Konzern die Strategie sich durch Firmenzukäufe in boomenden Branchen wie der Schiefergasgewinnung in den USA von einem Bau- zu einen Dienstleistungsunternehmen zu transformieren. Außerdem sollte Bilfinger unabhängiger vom europäischen Markt werden, wo immer noch rund 80 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet werden.

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