Aktie im Fokus
Commerzbank-Aktie befreit sich aus dem Jammertal

Nach wochenlangem Kurssturz hat sich die Commerzbank-Aktie offenbar wieder gefangen. Heute geht es für das Papier erneut um vier Prozent aufwärts. Anleger spekulieren auf einen schnellen Cent. Doch die Skepsis bleibt.
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DüsseldorfEinmal mehr ist die Commerzbank heute das "Titel-Thema" an der Börse. Die Umsätze sprechen für sich: Allein in den ersten beiden Handelsstunden wechselten über 60 Millionen Aktien und über 40 Millionen Bezugsrechte den Besitzer – das sind rund zwei Drittel des gesamten Handelsvolumens im Deutschen Aktienindex. Die gute Nachricht für Anleger: Der Aufwärtstrend von gestern setzt sich fort.

(Noch) eine Woche lang bietet Deutschlands zweitgrößtes Finanzinstitut Bezugsrechte für neue Aktien an, von denen insgesamt 2,4 Milliarden zum Stückpreis von 2,18 Euro auf den Markt geworfen werden – das bedeutet eine Verdoppelung des Bestandes. Die alte Aktie wird gewissermaßen geteilt, die Bezugsrechte von den Wertpapieren getrennt. Mit der Kapitalerhöhung will die Commerzbank einen Teil des Geldes – insgesamt 18 Milliarden Euro – zurückzahlen, die der Staat in der Finanzkrise überwiesen hatte.

Wie nicht anders zu erwarten, reagierten die Aktionäre im ersten Moment mit Skepsis, zumal bis zuletzt nicht klar war, zu welchem Preis die neuen Aktien ausgegeben würden. Am Dienstag, dem Tag der Ausgabe der Bezugsrechte, schien die Commerzbank-Aktie in den freien Fall überzugehen. Der Kurs stürzte um fast 20 Prozent auf drei Euro ab. Allerdings handelte es dich dabei um eine optische Täuschung. Parallel wurde das Bezugsrecht zu einem Preis von 0,75 Euro gehandelt, exakt die Differenz zur Aktie. Rein rechnerisch hatte sich also nichts geändert.

Mittlerweile haben sich die Aktionäre offenbar mit der Situation abgefunden. Besinnt sich die Börse wieder aufs Tagesgeschäft? Heute ist die Commerzbank-Aktie jedenfalls wieder gefragt, rangiert sogar an der Spitze des Dax. Das Papier legte um bis zu vier Prozent auf 3,33 Euro zu, die Bezugsrechte um bis zu neun Prozent auf 1,04 Euro.

Eine echte Erklärung haben Experten nicht parat. Fundamental gebe es keine neuen Erkenntnisse, erklärte ein Händler. "Die Bank steht heute nicht besser da als vor drei Tagen." Ein anderer sprach im Zusammenhang mit dem Handel der Bezugsrechte von einem normalen Vorgang: "Einige Anleger versuchen, einen schnellen Cent zu machen." "Da stößt viel Nachfrage auf ein schwindendes Angebot", sagte ein Börsianer.

Bei Analysten fällt das Urteil gemischt aus. Kaufen, verkaufen, halten – eine klare Tendenz ist nicht auszumachen. Die Analysten der LBBW empfahlen die Aktien zum Kauf, nachdem sie die Titel bislang auf "Hold" stehen hatten. Ihr Kursziel senkten sie allerdings auf vier von 4,70 Euro. Die Verwässerung sei im Kurs inzwischen berücksichtigt. Nach den Kapitalerhöhungen schwinde zudem die Unsicherheit über die Höhe des Verwässerungseffekts, schrieben die Analysten in einer Kurzstudie. Nun sollte sich der Fokus wieder auf die verbesserte Ertragsstruktur der Commerzbank richten. Die Bank profitiere von der starken deutschen Konjunkturentwicklung und den höheren Kosten-Synergien nach der Integration der Dresdner Bank.

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