Aktie im Fokus
Commerzbank-Aktie schießt nach oben

Die Aktie der Commerzbank legt mehr als zehn Prozent zu. Im ersten Halbjahr war sie noch der schwächste Wert im Dax. Jetzt setzen einige darauf, dass die Aktie in den nächsten Monaten besser abschneidet. Doch das kann das enorme Plus heute nicht allein erklären. Gerüchten zufolge soll eine amerikanische Großbank den Kurs pushen. Vor allem aber könnte die Bank von neuen Plänen der Bundesregierung profitieren.

HB FRANKFURT. Commerzbank-Aktien klettern um 15 Prozent auf 5,09 Euro. Marktteilnehmer rätseln über die Gründe. Manche meinen, es hänge mit der schwachen Kursentwicklung im abgelaufenen ersten Halbjahr zusammen. Commerzbank-Papiere hatten seit Jahresbeginn rund 30 Prozent verloren und waren damit schwächster Wert im Dax. "Investoren setzen auf ein besseres Abschneiden in der zweiten Jahreshälfte", sagte ein Börsianer.

Ob das aber allein das große Kursplus erklären kann, ist fraglich. Ein Marktteilnehmer anderer macht "dicke Orders von zwei großen amerikanischen Brokern" aus. Dahinter soll angeblich die US-Bank Morgan Stanley stecken, die den Commerzbank-Kurs "pushen" wolle.

Ein Beweis für diese These fehlt allerdings. Sie erscheint deshalb abwegig, weil Morgan Stanley die Commerzbank heute mit „Underweight“ und einem Kursziel von 2,70 Euro je Aktie einstufte. Die Kapitalstruktur des Instituts sei im Vergleich zu anderen europäischen Banken relativ schwach, schrieb Analyst Ronny Rehn in einer Branchenstudie. Zudem gebe es noch eine Reihe von Sorgen über die Vermögensqualität aufgrund von Risiken im Kreditbestand. Allerdings könnte sich ein Transfer der Risiken auf eine „Bad Bank“ positiv auswirken. Auch wenn eine Schätzung der möglichen Vorteile schwierig sei, dürften bei diesem Thema die Chancen die Risiken überwiegen.

Experten von Union und SPD hatten sich am Dienstag geeinigt, den Banken bei dem Bad-Bank-Modell entgegenzukommen. Kernpunkt der neuen Regelungen ist ein früherer Stichtag für die Bewertung der Papiere: Verhandlungskreisen zufolge ist nun der Stichtag 30. Juni 2008 vorgesehen statt des ursprünglich geplanten 31. März 2009. Davon profitieren die Banken, weil sie die Papiere kontinuierlich wertberichtigt haben. Die seither vorgenommenen Abschreibungen können sie mit dem von der EU verlangten Wertabschlag von zehn Prozent bei der Auslagerung der Schrottpapiere in eine Bad Bank verrechnen.

Die Commerzbank hat in eine interne Restrukturierungseinheit risikoreiche Wertpapiere mit einem Marktwert von 38 Mrd. Euro ausgelagert und lässt diese nun von einem Spezial-Team abwickeln. Das Institut ist von der Finanzkrise besonders stark getroffen worden, durch die Übernahme der Dresdner Bank von der Allianz kaufte sie sich zusätzliche Milliardenrisiken ein. Der Bund musste die Bank mit 18,2 Mrd. Euro Kapital stützen und ist künftig mit 25 Prozent plus einer Aktie deren größter Aktionär.

Die Commerzbank erklärte bereits, der Nutzung einer solchen Auffanglösung für toxische Wertpapiere grundsätzlich offen gegenüberzustehen. Noch sei aber keine Entscheidung gefallen, man wolle das endgültige Gesetz abwarten. Dieses soll an diesem Freitag vom Bundestag beschlossen werden.



Hier finden Sie die aktuellsten Analysten-Einstufungen zu dieser Aktie.



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