Aktie im Fokus
Commerzbank braucht Staatsgeld, der Aktie hilfts

Die Commerzbank schreibt im dritten Quartal deutlich rote Zahlen und braucht über acht Mrd. Euro Hilfsgelder vom Staat – trotzdem jubelt die Börse. Die Commerzbank-Aktie gehört zu den großen Gewinnern im Dax. Analysten suchen nach Erklärungen.

FRANKFURT. Die Commerzbank schlüpft als erste Privatbank unter den Rettungsschirm des Staates. An der Börse kommt das gut an. Mit einem Plus von bis zu 12,5 Prozent war die Commerzbank-Aktie am heutigen Montag zeitweise der größte Gewinner im Deutschen Aktienindex (Dax). Am frühen Nachmittag lag der Kurs mit plus fünf Prozent bei etwa 8,90 Euro.

"Die Börsenreaktion war etwas überraschend", sagte Neil Smith, Analyst bei der WestLB. Die Zahlen für das dritte Quartal seien schlechter als erwartet, die benötigte Kapitalspritze, um eine Eigenkapitalquote (Tier 1) von neun Prozent zu erreichen, höher als erwartet. Smith wies aber darauf hin, dass es mit dem Aktienkurs vergangene Woche rapide abwärts ging. "Die staatliche Kapitalhilfe war wahrscheinlich bereits eingepreist", sagte Smith.

Dass der Aktienkurs heute stieg, erklärten Smith und andere Analysten damit, dass nun zumindest eine von den Aktionären befürchtete Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Aktien vom Tisch sei. "Im Vergleich dazu ist die stille Einlage der Regierung eine relativ aktionärsfreundliche Variante", sagte Unicredit-Analyst Andreas Weese.

Die Finanzspritze ist aber an Auflagen geknüpft. Die Commerzbank darf für das Geschäftsjahr 2008 und 2009 keine Dividende zahlen. Das konnten die Anleger aber offenbar gut verschmerzen. "Die Frage ist schließlich, wie viel die Aktionäre ansonsten bekommen hätten", sagte Weese. Er verwies auf die Übernahme der Dresdner Bank, die die Commerzbank mit einem milliardenschweren Mehraufwand belasten wird.

Von den Zahlen für das dritte Quartal zeigten sich die Analysten enttäuscht. "Die Finanzkrise schlug mit 1,1 Milliarden Euro doch sehr deutlich zu Buche", sagte Olaf Kayser, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Insbesondere die Belastungen durch den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers und aufgrund des Engagements in Island seien sehr hoch. Kleiner Lichtblick: "Der Zinsüberschuss ist deutlich besser als erwartet. Die Commerzbank konnte viele Einlagen gewinnen", sagte Kayser. Nichtsdestotrotz werde er sein Kursziel, das bisher bei 13 Euro lag, nun herabsenken.

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