Aktie im Fokus
Deutsche-Bank-Beben bleibt aus

Bei der Hauptversammlung am Donnerstag erhielten Anshu Jain und Jürgen Fitschen Buhrufe und Pfiffe. An der Börse aber zeigt sich ein anderes Bild: Die Aktie verliert zwar, aber nicht wegen der Zweifel am Führungsduo.
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Auf den ersten Blick sieht der Aktienkurs am Morgen nach der Hauptversammlung dramatisch aus: Im Dax verlor das Papier des größten Geldhauses des Landes 2,3 Prozent. Damit zählte die Deutsche Bank deutlich zu den schwächsten Werten auf dem Frankfurter Parkett.

Doch auf den zweiten Blick ergibt sich ein anderes Bild. Das Beben, das auf der Hauptversammlung zu spüren war, bleibt zumindest am Morgen aus. Die Deutsche-Bank-Aktien wurden nämlich ex Dividende gehandelt. Und rechnet man den Dividendenabschlag heraus, notierten die Titel sogar 0,1 Prozent fester.

Bei der Hauptversammlung am Donnerstag konnte das Geldinstitut seine Anleger nicht annähernd so wohlstimmen. Die Führungsspitze um die Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen mussten eine herbe Schlappe hinnehmen: Bei der obligatorischen Entlastung des Vorstandes sprachen nur knapp 61 Prozent der Aktionäre den beiden ihre Zustimmung aus. Für Deutschland üblich sind Zuspruchraten von 95 Prozent und mehr. Skandale um die Manipulation des Leitzinses Libor und Tausende Rechtsstreitigen haben das Ansehen des Geldhauses schwer beschädigt.

Auch der am Mittwochabend kurzerhand auf den Weg gebrachte Vorstandsumbau reichte nicht, um die Gemüter zu besänftigen. Um die neue Strategie anzuschieben, krempelt Aufsichtsratschef Paul Achleitner den Vorstand um: Jain wird sich persönlich um die Umsetzung der neuen Strategie kümmern. Fitschen dagegen, der seit einigen Wochen vor dem Münchner Landgericht wegen Vorwürfen des Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren auf der Anklagebank sitzt, bekommt keine zusätzlichen Aufgaben, er gibt sogar welche ab.

Wichtigste Entscheidung auf der Hauptversammlung war die Abspaltung der Deutschen Postbank. Das restliche Privatkundengeschäft mit den „blauen“ Filialen wird zusammengestrichen, während die Investmentbanker wieder an Macht gewinnen. Sowohl Kleinanleger als Großinvestoren sind unzufrieden mit den bisherigen Fortschritten. Die Deutsche Bank war bei Kosten und Rendite hinter den Zielen ihrer „Strategie 2015+“ geblieben. Bei der kürzlich präsentierten „Strategie 2020“ vermissen die Aktionäre noch Details. Immerhin an der Börse scheint das der Deutschen Bank noch nicht zu schaden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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