Aktie im Fokus

Deutsche Bank bricht ein

Der Aktienkurs der größten heimischen Bank hat eine schlimme Woche hinter sich. Das Allzeittief ist nicht mehr weit entfernt. Wo liegen die Gründe für den Einbruch?
Deutsche Bank: Das rasante Auf- und vor allem Ab der Aktie wirkt eine Achterbahnfahrt. Quelle: Reuters
Deutsche Bank

Deutsche Bank: Das rasante Auf- und vor allem Ab der Aktie wirkt eine Achterbahnfahrt.

(Foto: Reuters)

FrankfurtBlickt man auf den Kursverlauf der Deutschen Bank, dann drängt sich der Verdacht auf, dass sich die Aktie eher für Abenteurer eignet, die einen echten Thrill suchen als für brave deutsche Kleinanleger. Gegen das rasante Auf- und vor allem Ab wirkt eine Achterbahnfahrt so geruhsam wie ein Trip auf einer altersschwachen Rolltreppe im Kaufhaus um die Ecke.

Am Donnerstag ging es wieder einmal rasant nach unten. Der Kurs von Deutschlands mächtigstem Geldhaus sackte um drei Prozent ab und fiel unter die Marke von 14 Euro. Mit 13,75 Euro ist der Kurs damit nicht mehr weit von seinem Allzeittief im Februar entfernt. Damals war die Aktie bis auf 13,03 Euro eingebrochen, so schlecht bewerteten die Investoren die Bank noch nicht einmal auf dem Höhepunkt der Finanzkrise.

Die Aktionäre, die dem Frankfurter Geldhaus die Treue gehalten haben, dürften inzwischen schwindelfrei sein. Hinter den massiven Kursverlusten zu Jahresbeginn steckte die bange Frage einiger Investoren, ob die Bank die Zinsen für ihre riskantesten Anleihen so genannte Coco-Bonds bezahlen kann. Diese Nervosität konnte der neue Vorstandschef John Cryan zwar zerstreuen und die Aktie erholte sich seither wieder bis auf über 18 Euro - allerdings nur um anschließend wieder abzustürzen.

So sehr schmieren Investmentbanken weltweit ab
Investmentbanken mit extremem Durchhänger
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Die Kursturbulenzen im ersten Quartal haben den Einnahmen von Investmentbanken immens geschadet. Zum Jahresbeginn waren die Kurse an den Aktienmärkten weltweit eingebrochen, Firmenübernahmen und Börsengänge wurden aufs Eis gelegt, Bankkunden handelten wegen der immensen Kursschwankungen weniger mit Wertpapieren.

Frankfurter Skyline
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Nach Daten des Finanzdatenanbieters Thomson Reuters fielen die Erträge im Investmentbanking weltweit um 28,5 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro – ein schwächeres Quartal hatte es zuletzt Anfang 2009 gegeben. Goldman Sachs hat den Spitzenplatz abgeben müssen.

Das Ranking umfasst aber nur das Geschäft mit der Ausgabe neuer Wertpapiere wie Aktien, Anleihen, Krediten sowie der Beratung bei Fusionen und Übernahmen – nicht etwa das Handelsgeschäft, in dem etwa die Deutsche Bank sehr stark ist.

Platz 15: Rothschild
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Traditionell ist das erste Quartal das stärkste für die meisten Investmentbanken, daher schlägt der Umsatzrückgang besonders ins Kontor. Unter den Top-20-Banken weltweit findet sich nur eine, die bei den Erträgen im 1. Quartal 2016 zulegen konnte.

Laut Thomson Reuters betrugen die Einnahmen von Rothschild 234 Millionen Dollar, ein Plus von 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – dadurch sprang die Bank um sieben Plätze im Ranking nach oben.

Platz 12: UBS
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Die Schweizer Großbank UBS erwischte ein Quartal, in dem es noch stärker abwärts ging als im Branchenschnitt: Die Einnahmen im Investmentbanking schrumpften um 39,1 Prozent auf 279 Millionen Dollar. Damit konnte die Bank Platz 12 verteidigen, knapp vor HSBC (minus 41,9 Prozent) und BNP Paribas (minus 30,8 Prozent).

Platz 10: RBC Capital Markets
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Die kanadische Investmentbank RBC Capital Marktes (Foto: Werbestand auf einer Automesse) ist das erste Institut in den Top 10, mit knappem Vorsprung vor der Mizuho Financial Group auf Rang 11. Bei RBC schrumpfte das Geschäfts so stark wie der Gesamtmarkt (minus 28,5 Prozent) auf 345 Millionen Dollar.

Platz 9: Wells Fargo
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Die Bank mit Sitz in Kalifornien hält mit Erträgen von 401 Millionen Dollar (minus 34,3 Prozent) ihren Platz und liegt nur knapp hinter der größten deutschen Investmentbank.

Platz 8: Deutsche Bank
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Das Geschäft der Deutschen Bank schrumpft unter den Top 10 der Investmentbanken am stärksten: minus 44,5 Prozent. Die Einnahmen von 498 Millionen Dollar stammen fast zur Hälfte aus dem Anleihegeschäft. Die Bank büßt zwei Plätze auf Rang acht ein.
Einer Analyse des Marktbeobachters Coalition Group zufolge war die Deutsche Bank im vergangenen Jahr – inklusive des Handelsgeschäfts – die fünftgrößte Investmentbank der Welt, in dieser Rangliste ging es ebenfalls zwei Plätze abwärts.
Hier lesen Sie eine Analyse zur Lage des Investmentbankings der Deutschen Bank.

Hinter dem Kurseinbruch steckt vor allem die Angst vor einer empfindlichen Abkühlung der Weltkonjunktur. Von Wachstumswerten von mehr als fünf Prozent, wie es sie zuletzt 2010 gegeben hat, ist die globale Wirtschaft weit entfernt. Zuletzt musste der Internationale Währungsfonds seine Prognosen beinahe vierteljährlich nach unten korrigieren und rechnet mittlerweile nur noch mit einem Plus von etwa drei Prozent in diesem Jahr. Bankwerte gelten als besonders konjunkturempfindlich und leiden deshalb quer durch die Branche unter den Wachstumsängsten. Auch die Commerzbank fiel gestern um 2,5 Prozent.

Die Deutsche Bank treffen die Turbulenzen allerdings besonders heftig weil das Geldhaus mitten in einem teuren und kräftezehrenden Umbau steckt. Außerdem fürchten einige Investoren, dass das Institut noch einmal frisches Kapital braucht. Dazu kommt die Angst vor einer neuen Führungskrise. Einflussreiche Großanleger haben zuletzt Aufsichtsratschef Paul Achleitner kritisiert, weil er zu lange an der alten Strategie und am alten Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen festgehalten haben soll.

Achleiter erscheint nicht amtsmüde
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