Aktie im Fokus
Deutsche Bank: Zweischneidiges Urteil

Aktien der Deutschen Bank zählen heute zu den großen Gewinnern an der Börse. Um mehr als sieben Prozent legt der Kurs zu. Der Grund dafür, so heißt es am Markt, sei die Einigung im Rechsstreit mit einem US-Unternehmen. Doch Analysten warnen vor überzogenen Erwartungen.

FRANKFURT. Die Aktien der Deutschen Bank legen um mehr als sieben Prozent auf 43 Euro zu. Offenbar sind viele Anleger erleichert, dass sich die Bank ihre Auseinandersetzung mit dem US-Chemiekonzern Huntsman beilegen konnte.

Bei dem Rechtstreit ging es um viel Geld, um sehr viel Geld. Das Unternehmen hatte die Deutsche Bank und auch Credit Suisse im Herbst vergangenen Jahres verklagt, nachdem diese die Finanzierung für die 6,5 Mrd. Dollar schwere Übernahme von Huntsman durch Hexion Specialty Chemicals zurückgezogen hatten. Die Fusion war daraufhin gescheitert. In dem nun geschlossenen Vergleich verpflichten sich beide Institute, jeweils 316 Mio. Dollar zu zahlen und zusätzlich je einen Kredit in Höhe von 550 Mio. Dollar bereitzustellen.

Philipp Häßler, Analyst bei Equinet, meint, dieses Ergebnis sei positiv für die Deutsche Bank. Die zu zahlende Summe liege im Rahmen seiner Erwartungen, sagt der Experte. Der deutsche Branchenprimus sollte auch weiterhin von dem positiven Kapitalmarktumfeld profitieren. Allerdings dürfte der Konzern gleichzeitig wegen der Rezession unter einer steigenden Risikovorsorge leiden. Häßler belässt die Aktie bei "Halten"; sein Kursziel liegt bei 40 Euro.

"Es ist gut, dass der Rechtsstreit vorbei ist", sagt auch Konrad Becker von Merck Finck. Das Ergebnis nennt er "akzeptabel". Schließlich hätte eine Strafe noch höher ausfallen können, wenn der Vergleich nicht zustande gekommen wäre. Allerdings weist Becker auf einen wichtigen Punkt hin: "Die Deutsche Bank hat für Huntsman keine umfassenden Rückstellungen gebildet." Die zu zahlenden Millionen Euro dürften daher das Vorsteuerergebnis im zweiten Quartal belasten. Der Experte bewertet die Titel mit "Halten", senkt aber die Erwartungen für den Gewinn je Aktie im laufenden Jahr um 0,25 Euro auf 6,56 Euro.

Beachtung fand auch eine aktuelle Beurteilung der Citigroup. Die Analysten stuften die Aktien der Deutschen Bank von "Verkaufen" auf "Halten" und hoben das Kursziel von 34 auf 42 Euro an. Als Erklärung diente hier aber nicht der Fall Huntsman. Stattdessen hieß es, das Investment-Banking profitiere von der gesteigerten Risikobereitschaft an den Märkten. Zudem seien Altlasten größtenteils abgebaut worden.

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