Aktie im Fokus
Deutsche Börse: Krach mit Fonds treibt Aktienkurs

Der Frankfurter Börsenbetreiber ringt mit seinen Großaktionären um die zukünftige Strategie. Die Hedge-Fonds TCI und Atticus fordern eine Zerschlagung. Ein Szenario, das an der Börse Anklang findet, aber nicht alle Analysten begeistert.

FRANKFURT. Der Konflikt um die Zukunft der Deutschen Börse treibt heute die Aktie an. Es gibt neue Spekulationen um die Zerschlagung des Börsenbetreibers. Mit knapp sieben Prozent auf mehr als 56 Euro liegt die Aktie an der Spitze des Dax.

Seit Aufsichtsratschef Kurt Viermetz seinen für Dezember seinen Rücktritt angekündigt hat, kursieren Gerüchte um die zukünftige Ausrichtung der Deutschen Börse. Schon seit einigen Wochen streiten sich die Großaktionäre des Unternehmens, die Hedge-Fonds TCI und Atticus, mit dem Management um die Strategie. Die Neubesetzung des Postens im Aufsichtsrat dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen. Nach Informationen des "Handelsblattes" ist der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, Klaus-Peter Müller, im Gespräch. Der Privatbankier Friedrich von Metzler könnte das Gremium übergangsweise leiten.

Nach Zeitungsberichten wollen die Fonds den Kassamarkt und die Tochter Clearstream verkaufen, um danach eine Fusion mit der amerikanischen Derivatebörse CME einzuleiten. Die Hedge-Fonds spekulieren dabei darauf, dass die Summe der Einzelteile der Deutschen Börse höher ist als ihr Marktwert als Ganzes. Die Aktie hat alleine im vergangenen Vierteljahr fast 25 Prozent an Wert verloren. Im Juli war sie noch bei 77 Euro wert, zu Jahresbeginn hatte sie sogar noch bei 130 Euro gelegen.

Die Pläne von TCI und Atticus stoßen im Unternehmen auf erbitterten Widerstand. Das Management hat angekündigt, das integrierte Geschäftsmodell auf jeden Fall zu erhalten. Im ersten Halbjahr hatte die Deutsche Börse mit diesem Modell ein gutes Ergebnis erzielt: Der operative Gewinn (Ebitda) lag mit 375 Mio. Euro 17 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums.

Analysten sehen aber nicht unbedingt nur positiv in die Zukunft. "Wir sind vorsichtig geworden", sagt Analyst Roland Pfänder von der Commerzbank. Die zuletzt sehr guten Handelszahlen - im September waren allein im Aktiensegment Xetra die Transaktionen um 69 Prozent gestiegen - hält er für nicht nachhaltig:. "Wir erwarten geringere Handelsaktivitäten im kommenden Jahr und deshalb zumindest keine steigenden Umsätze." Auch die mögliche Zerschlagung sieht Pfänder kritisch: "Eine Zerschlagung wäre nicht sinnvoll. Das Geschäftsmodell macht Sinn für die Kunden." Das Kursziel hat er moderat auf 71 Euro gesenkt.

Andere Experten sehen im Rücktritt von Viermetz aber durchaus Gutes. Die Citigroup verwies heute in einer Studie auf die belastende Position Viermetz?, der als ehemaliger Aufsichtsratschef der Krisenbank Hypo Real Estate im Kreuzfeuer der Kritik steht. Auch der Ausblick für das Geschäft der Börse fällt bei der Citibank optimistisch aus: Die Analysten erwarten weiterhin steigende Handelsvolumina und empfehlen die Aktie daher mit einem Kursziel von 90 Euro zum Kauf.

Damit liegt sie auf der Linie der meisten Analysten. In den vergangenen zwei Monaten empfahlen 13 den Kauf, vier rieten zum "halten" und nur einer zum Verkauf der Börsen-Aktie. Die Kursziele liegen zwischen 70 und 90 Euro.

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