Aktie im Fokus
Die Vergangenheit holt die Deutsche Bank ein

Der Gewinn der Deutschen Bank bricht um satte 94 Prozent ein. Aktionäre zeigen sich schockiert. Der Aktienkurs reagiert prompt. Analysten empfehlen die Papiere dennoch zum Kauf. Lohnt sich jetzt der Einstieg?
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DüsseldorfKaum ein Geldhaus kam so gut durch die Finanzkrise wie die Deutsche Bank. Doch fünf Jahre nach der Lehman-Pleite scheint die Vergangenheit nun Deutschlands größtes Kreditinstitut eingeholt zu haben. Milliardenschwere Altlasten verhagelten jüngst die Quartalsbilanz. Der Gewinn brach um satte 94 Prozent ein. An der Börse reagierten die Kurse prompt. Am Dienstag rutschten die Papiere in der Spitze um 3,3 Prozent auf 34,72 Euro ab, den niedrigsten Stand seit knapp drei Wochen. Auch am Mittwoch notierte die Aktie im Minus.

Lohnt sich für Anleger auf diesem Niveau jetzt ein Einstieg? Die aktuellen Quartalszahlen mahnen zur Vorsicht. So brach der Gewinn im dritten Quartal auf 51 Millionen Euro ein. Im Vorjahreszeitraum hatte die Deutsche Bank noch einen Gewinn von 754 Millionen Euro ausweisen können. Hintergrund sind vor allem juristische Altlasten. So erhöhte das Institut seine Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten auf 1,2 Milliarden Euro. Damit beläuft sich die Vorsorge jetzt insgesamt auf mehr als vier Milliarden Euro. „Ob das reichen wird bleibt abzuwarten“, kommentiert Rechtsanwalt Klaus Nieding die Zahlen.

Zum Großteil geht es in den Rechtsstreitigkeiten um fragwürdige Geschäfte mit Hypothekenpapieren aus der Zeit kurz vor der Finanzkrise. Nach der saftigen Geldbuße, die die amerikanische Großbank JP Morgan zuletzt zahlen musste, befürchtet auch Deutschlands größtes Kreditinstitut hohe Entschädigungszahlungen. Hinzu kommen mögliche Strafen etwa im Libor-Skandal sowie der Dauerstreit um die Pleite des Kirch-Medienimperiums 2002. Für Anleger bleibt der Unsicherheitsfaktor im Hinblick auf künftige Strafzahlungen und damit verbundenen Kursverlusten somit hoch.

Doch auch im eigentlichen Kerngeschäft läuft es nicht rund. Im Investmentbanking schrumpfte der Gewinn um zwei Drittel auf 1,1 Milliarden Euro. Besonders stark ist die Deutsche Bank traditionell im Handel mit Anleihen und anderen festverzinslichen Papieren. Hier gingen die Gewinne im Jahresvergleich um die Hälfte zurück. „Erfolgsmeldungen aus dem Geschäft der Deutschen Bank gibt es kaum. Die nun vorgestellten Zahlen spiegeln genau den Eindruck wieder, den man als Anleger von außen schon länger hatte: Es läuft nicht wirklich rund bei der Deutschen Bank.“, sagt Klaus Nieding, der als Vertreter von Aktionärsinteressen bereits seit vielen Jahren die Hauptversammlungen des Unternehmens besucht.

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