Aktie im Fokus
Eon: Krisenaktie unter Druck

Die Eon-Aktie fällt am Dienstag etwas zurück. Von ihrem Tiefstand konnte sie sich in den vergangenen Wochen nur wenig entfernen. Der als krisensicher geltende Versorger kämpft um die Gunst der Anleger. Analysten sind aber davon überzeugt, dass die Aktie deutlich unterbewertet ist.

FRANKFURT. In der Krise stehen die Aktien von Energiekonzernen bei Anlegern hoch im Kurs. Sicheres Geschäft, stabile Erträge. Zuletzt allerdings fielen die Anteilsscheine von Eon im Vergleich zur Dax-Entwicklung zurück. Während der deutsche Leitindex auf Dreimonatssicht rund fünf Prozent verlor, büßten die Papiere des Energiekonzerns fast 20 Prozent ein. Mit 24,60 Euro liegen die Eon-Aktien derzeit gar nicht so weit entfernt vom Jahrestief bei 22,75 Euro.

Die miserablen Wachstumsaussichten in den USA und Südeuropa treffen den Energiekonzern hart. Eon muss deshalb Milliarden abschreiben; das schmälert den Konzerngewinn des abgelaufenen Geschäftsjahrs. Konzernboss Wulf Bernotat steuert gegen: Mit einem umfangreichen Sparprogramm will er die Kosten drücken, einen Jobabbau schließt er ausdrücklich nicht aus.

Rund 1,5 Mrd. Euro muss Eon für seine US-Geschäfte abschreiben. Für Zukäufe in Italien, Spanien und Frankreich stehen weitere Wertberichtigungen von rund 1,8 Mrd. Euro zu Buche. Die Gründe für die Abschreibungen in den USA seien höhere Kapitalkosten sowie niedrigere langfristige Wachstumsraten, sagte Bernotat. In Südeuropa, wo Eon jüngst zugekauft hatte, hätten sich die Perspektiven vor allem auf dem italienischen Energiemarkt "eingetrübt".

Für die Aktionäre allerdings gibt es auch gute Nachrichten: 1,50 Euro Dividende will Eon je Aktie ausschütten. Das sind 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Das bereinigte operative Ergebnis, auf dessen Basis der Energieriese seine Ausschüttung kalkuliert, sieht nach vorläufigen Zahlen ganz passabel aus. Um sieben bis acht Prozent will Eon das Ergebnis gesteigert haben. Bernotat hatte fünf bis zehn Prozent als Ziel ausgegeben. 2007 lag das bereinigte operative Ergebnis noch bei 9,2 Mrd. Euro.

Analysten sind deshalb optimistisch, dass es mit der Eon-Aktie schon bald wieder aufwärts gehen wird. "Der Markt nimmt die Abschreibungen erst einmal negativ auf, doch die Zahlen liegen im Rahmen der Erwartungen bis leicht darüber", schreibt equinet-Analyst Michael Schäfer in einem ersten Kommentar. Die ganz überwiegende Mehrheit seiner Kollegen empfiehlt die Aktie zu kaufen.

Chris Rogers, Analyst bei JP Morgan hat zwar das Kursziel für Eon von 44 auf 41 Euro gesenkt, seine Empfehlung aber auf "Overweight" belassen. Das aktuell sehr niedrige Kursniveau spiegele lediglich das dauerhafte Überangebot auf dem Energiemarkt wider, sagt Rogers. Eine Neubewertung der Papiere sei darum überfällig.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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