Aktie im Fokus
Fantasie verfliegt bei RWE

Geht es um den Energieversorger RWE sind die Analysten sich uneinig: Die meisten raten zum Kauf, doch die negative Bewertung einiger Analysten belasten die Aktie - und machen die weitere Entwicklung kaum berechenbar. Kein Wunder, dass die ausgegebenen Kursziele deutlich voneinander abweichen.

FRANKFURT. Zur RWE-Aktie gab es gestern eine positive und eine negative Meldung - die Börsianer maßen der negativen eindeutig mehr Bedeutung zu. Deborah Wilkens, Analystin der US-Bank Goldman Sachs, hatte sich die Versorger-Branche vorgenommen und bei RWE zum Verkauf geraten. Da konnte auch die Nachricht über die Aufnahme der RWE-Aktie in den europäischen Auswahlindex Stoxx 50, die der Indexbetreiber in der Nacht davor bekanntgegeben hatte, kaum etwas an dem Ausmaß der Verluste ändern.

Nun ist es nicht so, dass RWE bei Analysten einen schlechten Ruf hätte. Nur sechs von ihnen raten laut Informationsdienst Bloomberg zum Verkauf, 22 Analysten hingegen zum Kauf der Aktie. Auffällig ist jedoch die große Bandbreite der angegebenen Kursziele. Diese liegen zwischen 57 Euro und 82 Euro, gestern kostete die RWE-Aktie knapp unter 64 Euro. Deborah Wilkens hält 64 Euro auf Sicht von zwölf Monaten für angemessen. Das sind immerhin drei Euro mehr als vorher, als sie 61 Euro für den fairen Wert hielt.

"Das Aufwärtspotenzial ist weitgehend im Preis enthalten", sagt sie. Ein wesentlicher Grund für ihre verhaltene Einschätzung ist die ungewisse Zukunft der Atomkraft in Deutschland. 17 Reaktoren sollen den aktuellen Planungen zufolge in den kommenden 32 Jahren abgeschaltet werden. Sollte es nach der Bundestagswahl am 27. September nicht zu der lange Zeit erwarteten Koalition aus CDU/CSU und FDP kommen, die eine Verlängerung der Laufzeiten anstreben, dann wären die seit Jahren hohen Gewinnmargen aus diesem Bereich wohl irgendwann Geschichte. Schon jetzt rechnet Analyst Stipo Bralo von der schwedischen Bank SEB damit, dass der länger andauernde Stillstand des Kraftwerks Biblis bei RWE für erhebliche Belastungen sorgt.

Der Aufstieg in den europäischen Aktienindex Stoxx 50 ist dagegen für viele Börsianer eher ein Achtungserfolg als ein Kurstreiber. Für Unternehmen ist es weitaus schwieriger, in den Stoxx 50 zu gelangen, als in den Euro Stoxx 50, der nur die Euro-Zone abdeckt. Weil Schweizer und vor allem britische Unternehmen mit dabei sind, ist die Auswahl im Stoxx 50 größer. Das damit verbundene Währungsrisiko - es muss schließlich auch aus Franken und Pfund umgerechnet werden - macht den Index indes im Vergleich zum Euro Stoxx 50 weniger attraktiv. In diesem weit wichtigeren Marktbarometer ist RWE jedoch seit langem vertreten.

Dass viele Analysten trotz der Unklarheit, die es seit den drei Landtagswahlen am vergangenen Sonntag um die Kraftswerkslaufzeiten wieder gibt, gelassen bleiben, liegt mit an dem grundsoliden Ruf, den der Essener Versorger seit jeher hat. In seinen Prognosen gilt das Unternehmen um Konzernchef Jürgen Großmann als konservativ und zurückhaltend. Zudem läuft seit einiger Zeit ein Effizienzsteigerungsprogramm, das durch sinkende Kosten und höhere Erlöse das Ergebnis bis ins Jahr 2012 schrittweise um 1,2 Mrd. Euro verbessern soll.

Langfristig ist deshalb auch Deborah Wilkens positiv für die RWE-Aktie gestimmt. Schließlich sind in den kommenden Jahren höhere Strompreise in Deutschland zu erwarten. Ein weiterhin günstiger Euro-Dollar-Kurs wirkt sich ebenfalls positiv für die Essener aus.

Für Börsianer stellt sich zudem in diesem Fall auch stets die Frage: RWE oder Eon? Bei Goldman Bevorzugt man derzeit Eon, die Schweizer Banker von Cheuvreux setzen dagegen auf RWE.

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