Aktie im Fokus
Fortis-Aktie bricht ein

Aktien von Fortis sind am Donnerstag eingebrochen. Zuvor waren die Papiere vom Handel ausgesetzt worden. Ein Verkauf der schwer angeschlagenen belgisch-niederländischen Bank steht auf der Kippe.

HB FRANKFURT. Einen Tag nach dem Votum der Anteilseigner gegen eine Zerschlagung sind die Aktien von Fortis eingebrochen. Die Papiere, die am Mittwoch vom Handel ausgesetzt waren, brachen zeitweise um 25 Prozent auf 0,99 Euro ein. Aktuell notieren die Papiere 12,65 Prozent im Minus.

Mit ihrer Ablehnung der Verstaatlichung einiger Sparten durch die Niederlande und Belgien steht nun auch der Verkauf einiger Geschäftsbereiche an BNP Paribas auf der Kippe. Damit sei es sinnlos, auch über den Verkauf von Geschäftsteilen an BNP Paribas abzustimmen, sagte der amtierende Fortis - Direktoriumschef Jan-Michiel Hessels auf der Versammlung. Er kündigte ein baldiges Treffen mit BNP Paribas an, um die Auswirkungen des Votums zu erörtern. Die französische Bank wollte zehn Prozent des belgischen Fortis-Versicherungsgeschäfts für 550 Mio. Euro erwerben. BNP-Papiere gaben an der Pariser Börse 4,7 Prozent auf 26,50 Euro nach.

Fortis-Chef Karel De Boeck warnte, sollte BNP Paribas sein Kaufangebot zurückziehen, werde Fortis um staatliche Hilfe bitten müssen. Die Versammlung war einberufen worden, nachdem die Aktionäre auf dem Rechtsweg durchgesetzt hatten, dass die staatlich angeordnete Zerschlagung von Fortis und der Verkauf von Geschäftsbereichen an BNP Paribas auf Eis gelegt wurde. Der Verkauf der niederländischen Sparten des Mehrländer-Unternehmens an die Niederlande und des Bankengeschäfts an Belgien ist bereits abgeschlossen, wird jedoch vermutlich noch Schadensersatzklagen nach sich ziehen. BNP Paribas wollte nach geänderten Plänen nur noch zehn Prozent des belgischen Fortis-Versicherungsgeschäfts für 550 Millionen Euro erwerben. Der Rest sollte unter Kontrolle der belgischen Fortis Holding bleiben.

Eine Sprecherin des niederländischen Finanzministeriums sagte, das Votum der Aktionäre beeinträchtige die Rechtsgültigkeit der im Oktober beschlossenen Transaktionen nicht. Diese seien unter außergewöhnlichen Umständen geschehen. "Es bestand das Risiko, dass Fortis innerhalb von ein oder zwei Tagen bankrottgehen würde, mit dem Risiko einer Systemkrise als Folge." In den Niederlanden dürfen die Aktionäre nach einem Gerichtsurteil vom Montag nicht über die Zerschlagung abstimmen.

Auch BNP Paribas verwies auf die Rechtsgültigkeit der im vergangenen Oktober geschlossenen Vereinbarung. Diese sei noch bis zum 28. Februar gültig, teilte das Institut mit. Die Fortis Bank wollte sich zu einem späteren Zeitpunkt zu der Abstimmung äußern.

Dem Votum in Brüssel vorangegangen war eine fünfstündige erhitzte Debatte. Einige der rund 5000 anwesenden Anleger forderten den Rücktritt von Konzernchef De Boeck. Zudem warfen Investorengruppen der Regierung und Fortis vor, Aktionäre mit Drohungen zur Unterstützung der Zerschlagung gezwungen zu haben. Belgiens Finanzminister Didier Reynders hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Interview gesagt, die Regierung werde keine weiteren Zugeständnisse an die Aktionäre machen, sollten diese die Zerschlagung ablehnen.

Hauptaktionär Ping An hatte bereits im Vorfeld angekündigt, sich gegen eine Fortis-Zerschlagung auszusprechen. Der chinesische Versicherer hält knapp fünf Prozent an Fortis. Fortis war die Beteiligung am Kauf des niederländischen Rivalen ABN Amro zum Verhängnis geworden. Das Institut wurde noch vor der Finanzkrise von einem Bankenkonsortium übernommen.

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