Aktie im Fokus
Fresenius verunsichert die Anleger

Der Gesundheitskonzern Fresenius übernimmt für fast vier Milliarden Dollar den amerikanischen Generikahersteller APP Pharmaceuticals. Die Börse reagiert auf diese Ankündigung wenig begeistert.

Deutlich abwärts geht es heute mit der Aktie des Gesundheitskonzerns Fresenius, nachdem das Unternehmen die Übernahme des Generikaherstellers APP Pharmaceuticals angekündigt hat. Die Aktie des im MDax gelisteten Unternehmens sank bis zum frühen Nachmittag um zehn Prozent und fiel unter 49 Euro. Ein Grund für die Zurückhaltung ist der hohe Kaufpreis, den auch Analysten kritisieren, zumal das Synergiepotenzial begrenzt erscheint.

Die auf medizinische Ernährung und Infusionstherapie spezialisierte Tochter Fresenius Kabi übernimmt den nordamerikanischen Hersteller von intravenös verabreichten generischen Arzneimitteln zu einem Barkaufpreis von 3,7 Mrd. Dollar. Der Zukauf hat vor allem strategische Bedeutung, er soll die Position von Fresenius im lukrativen nordamerikanischen Markt stärken. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich die Akquisition im ersten Jahr neutral und ab dem zweiten Jahr deutlich positiv auf das Ergebnis auswirken wird.

Überzeugt hat das die Börse aber nicht, wie die Kursreaktion zeigt. Vor allem deshalb, weil Fresenius einen sehr hohen Preis für APP zahlt: "Viele haben auf den Aktienkurs der APP geguckt, und im Vergleich dazu ist der Kaufpreis ziemlich hoch", sagt Oliver Kämmerer, Analyst der WestLB. Die APP-Aktionäre sollen zunächst 23 Dollar je Aktie in bar erhalten. Das sind 29 Prozent mehr, als die APP-Aktie vergangenen Donnerstag an der Nasdaq kostete. Dennoch bewertete Kämmerer die Übernahme als "strategisch absolut sinnvoll". Fresenius erschließe sich neue Märkte und würde seine Position auf dem gewinnträchtigen generischen Sektor stärken, so Kämmerer.

Ein anderer Analyst wertete die Transaktion kritischer: Er warf die Frage auf, inwieweit die Übernahme Wert generieren könne. Zukäufe würden nur Sinn machen, wenn entweder auf der Kosten- oder auf der Umsatzseite Synergien entstehen, so der Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte. Fresenius-Chef Ulf Schneider schloss bei einer Pressekonferenz allerdings bereits kurzfristige Restrukturierungsmaßnahmen und Kosteneinsparungen aus. Bleibt die Hoffnung auf positive Effekte im Vertrieb: "Bei den Umsätzen wären Synergien möglich, wenn die Fresenius-Tochter Kabi ihre Produkte auch in den Ländern vermarkten kann, in denen bisher nur APP präsent ist, und umgekehrt", erklärt der Analyst. Allerdings brauche das Unternehmen hierfür Genehmigung, und diese dauerten erfahrungsgemäß sehr lange.

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