Aktie im Fokus
Gerüchte um Kapitalbedarf – Deutsche Bank mit kräftigem Kursverlust

Spekulationen über eine Kapitalerhöhung haben die Aktien der Deutschen Bank am Freitag kräftig nach unten getrieben. Auslöser war Börsianern zufolge ein Kurzkommentar von Citigroup-Analysten. Der entsprechende Druck von Investoren, Ratingagenturen und Regulierern auf die Bank werde zunehmen.

HB FRANKFURT.In der Spitze gaben die Aktien der Deutschen Bank mehr als vier Prozent auf unter 55 Euro nach und gehörten damit zu den größten Verlierern im Leitindex Dax. Der Börsenwert reduzierte sich zeitweise um rund eine Milliarde Euro. Wie viele andere europäische Finanzwerte sind auch die Papiere der Deutschen Bank angesichts der Unsicherheit über die Folgen der Finanzkrise seit Wochen auf Sinkflug.

Die Deutsche Bank muss im laufenden zweiten Quartal nach Einschätzung der Citigroup-Analysten weitere Abschreibungen verkraften. Dies hätten die Ergebnisse der US-Investmentbanken gezeigt, die teils nochmals kräftige Wertberichtigungen hinnehmen mussten. Bislang ist die Deutsche Bank mit Abschreibungen von rund fünf Mrd. Euro vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen.

Weltweit summieren sich die Belastungen in den Bankbüchern mittlerweile auf mehr als 200 Mrd. Euro. Die Abschreibungen zehren an der Kapitaldecke vieler Institute, die sich deshalb Milliardensummen bei Investoren beschaffen mussten. Zuletzt sahen sich etwa der belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis und die mit Verlusten kämpfende britische Bank Barclays zu einem solchen Schritt gezwungen. Bei Barclays sehen die Citigroup-Experten noch einen weiteren Kapitalbedarf von mehr als elf Mrd. Euro, nachdem sie bereits knapp sechs Mrd. Euro eingesammelt hat.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat dagegen wiederholt betont – zuletzt auf der Hauptversammlung vor einem Monat –, dass sein Haus keine Kapitalerhöhung benötige. Ein Sprecher der Bank lehnte am Freitag einen Kommentar zu den Marktspekulationen ab. Er verwies aber darauf, dass am Ende des ersten Quartals die Kernkapitalquote bei 9,2 Prozent und damit über dem Zielkorridor des Instituts von acht bis neun Prozent gelegen habe. Die Zahlen für das zweite Vierteljahr werden am 31. Juli erwartet.

Zusätzlicher Druck in Richtung einer Kapitalerhöhung könnte Experten zufolge durch eine Übernahme eines anderen Instituts durch die Deutsche Bank entstehen. Bei der Postbank und der Dresdner Bank wollten die Verkäufer wohl Bares und keine Aktien sehen, sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck. Daher werde sich die Kapitalausstattung der Deutschen Bank bei einem Kauf voraussichtlich verschlechtern. „Wenn sich dann die Märkte nicht erholen, wird eine Kapitalerhöhung in diesem Jahr immer wahrscheinlicher“, sagt der Branchenexperte. Die Deutsche Bank interessiert sich sowohl für die Postbank als auch für die Dresdner Bank, die jeweils einen Wert von rund neun Mrd. Euro haben. Auch an der deutschen Privatkundentochter der US-Großbank Citigroup, der Citibank, ist das Institut Finanzkreisen zufolge dran. „Diese Übernahme könnte die Deutsche Bank aber wohl ohne eine Kapitalerhöhung verdauen“, sagt Becker.

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