Aktie im Fokus
Goodyear trotzt der Krise

Der Reifenhersteller verzeichnet eines der besten Quartale seiner Geschichte. Die Aktie legte um 20 Prozent zu. Der Trend könnte sich auch im nächsten Jahr fortsetzen: Die neuen Produkte sind vielversprechend.
  • 0

FrankfurtAuf derart gute Nachrichten hatten die Anleger angesichts der weltweiten Wirtschaftslage kaum zu hoffen gewagt: Der größte US-Reifenhersteller Goodyear Tire & Rubber fuhr in Nordamerika im abgelaufenen Vierteljahr so hohe Betriebsgewinne ein, dass es eines der besten Quartale der 114-jährigen Unternehmensgeschichte wurde. Mit 85 Millionen Dollar verdiente Goodyear mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Auch die Analysten waren überrascht – sie hatten deutlich weniger erwartet.

Auch deshalb geht es für die Aktie derzeit stetig aufwärts. In den vergangenen vier Wochen hat sie schon 20 Prozent hinzugewonnen. Auf Internet-Börsenforen wie Motley Fool und SeekingAlpha.com wird sie gefeiert als „eine der besten Kosten-Nutzen-Investitionen der Autoindustrie“. Fünf von zehn Analysten der großen Banken raten derzeit zum Kauf, drei zum Halten und zwei zum Verkauf, ermittelten die Statistiker von Thomson/First Call.

Doch es gibt auch weniger Erfreuliches. Das weltweite Reifengeschäft steht unter Druck wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In Nordamerika zieht zwar dank der wirtschaftlichen Erholung auch die Nachfrage nach Reifen an. Hier verbesserte Goodyear den Gewinn um 37 Prozent. In anderen Teilen der Welt sieht das Geschäft dagegen immer noch verheerend aus.

In Europa etwa stürzte im vergangenen Quartal Goodyears Betriebsgewinn um 85 Prozent auf 19 Millionen Dollar ab. Die Nachfrage durch die Endkunden schwächelte, und die Reifengroßhändler zögerten ihre Nachbestellungen hinaus. Auch Automobilhersteller nahmen den Reifenproduzenten geringere Stückzahlen ab, weil ihr Absatz stockte.

Positiv entwickeln sich dagegen aus Goodyears Sicht die Rohstoffkosten. Auf dem Markt in Tokio etwa gingen die Preise binnen 18 Monaten um fast 60 Prozent nach unten. Ein Trend, der laut Branchenbeobachter RCMA Commodities Asia Group anhalten dürfte.

Auch wegen dieser sinkenden Rohstoffkosten stufte Goldman seine Empfehlung für Goodyear kürzlich auf „Halten“ herauf und setzte das Kursziel auf 13 Dollar an, ein Plus von rund acht Prozent. Das Team der Deutschen Bank geht zudem davon aus, dass sich weiter sinkende Preise bereits im laufenden Quartal bemerkbar machen könnten – und zwar deutlich: Für jeden Prozentpunkt, den die Kosten nachgeben, dürfte Goodyears Gewinn um 26 Cent je Aktie steigen, heißt es dort.

Zudem arbeitet Goodyear an neuen Produkten, die in den kommenden Quartalen die Bilanz wieder beflügeln sollen. Unter anderem erwarten die Experten einen größeren Bedarf an besonders stabilen Reifen, die mit der synthetischen Faser Kevlar verstärkt wurden. Der Grund: In den USA setzen sich genetisch veränderte Getreidesorten immer mehr durch, die auf besonders widerstandsfähigen, kräftigen Halmen wachsen. Diese Halme durchbohren mühelos die Reifen von Farm-Maschinen oder auch Autos – Kevlar-verstärkte Reifen könnten die Schäden hier reduzieren.

Als vielversprechend bewerten Experten auch Goodyears Forschungsbemühungen, dem Gummi einer neuen Reifensorte Sojaöl beizumischen. So soll der Verbrauch von Erdöl bei der Produktion verringert werden. Diese Reifen könnten bereits ab 2015 serienreif sein und produziert werden.

Kommentare zu " Aktie im Fokus: Goodyear trotzt der Krise"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%