Aktie im Fokus
Hochtief baut auf staatliche Milliarden

Hochtief hat zuletzt gleich mehrere Großaufträge an Land gezogen. Ein Medizinzentrum in Atlanta, einen Abwassertunnel in Hongkong, eine Gasraffinerie auf Barrow Island in Australien und einen Hotelkomplex in Abu Dhabi bauen. Die Geschäfte laufen gut. Von Wirtschaftskrise ist nichts zu spüren, noch nichts. Die Aktie steigt und steigt.

FRANKFURT. Bald rollen die Bagger an. Sie werden das Yankee-Stadion dem Erdboden gleichmachen. Mehr als 80 Jahre hat die vielleicht beliebteste Baseballmannschaft der Welt hier an der 161st Street in der New Yorker Bronx ihre Heimspiele ausgetragen. Bald soll an gleicher Stelle eine Freizeitanlage entstehen; gebaut von Hochtief aus Essen.

Der Baukonzern hat in den vergangenen Tagen gleich mehrere Großaufträge an Land gezogen. Außer dem Freizeitpark in der Bronx wird die Firma ein Medizinzentrum in Atlanta, einen Abwassertunnel in Hongkong, eine Gasraffinerie auf Barrow Island in Australien und einen Hotelkomplex in Abu Dhabi bauen. Die Geschäfte laufen gut. Von Wirtschaftskrise ist nichts zu spüren, noch nichts.

"Hochtief dürfte in den kommenden Quartalen weitere Aufträge erhalten" sagt Ingbert Faust von Equinet. Dafür sorgten vor allem die weltweiten Konjunkturprogramme. Um Wirtschaft anzukurbeln, schnüren Regierungen milliardenschwere Pakete. Ein Großteil soll in die Infrastruktur - in Straßen, Flughäfen oder Brücken - investiert werden. Die Weltbank schätzt, dass allein in den USA ein Investitionsbedarf von 1,6 Billionen Dollar in den nächsten fünf Jahren besteht.

"Wir sind so aufgestellt, dass wir daran teilhaben und profitieren werden", sagt Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter über die Investitionsprogramme. Mehr als drei Viertel seines Umsatzes erwirtschaftet der Baukonzern außerhalb der Heimat. Auf dem US-Markt ist Hochtief über seine Töchter Flatiron und Turner vertreten. Das australische Tochterunternehmen Leighton bewirbt sich um Aufträge in Asien. Nach Meinung von Analysten profitiert Hochtief von den Konjunkturprogrammen etwas mehr als Bilfinger. Zurzeit ist vor allem die Entwicklung von Projekten gefragt, ein Bereich in dem Hochtief stark ist.

Das freut auch die Aktionäre. Der Wert der Aktie hat sich seit dem Tief im März nahezu verdoppelt. Die Aktie kostet inzwischen knapp 41 Euro. An der Börse hat Hochtief damit den größten Konkurrenten, Bilfinger Berger, hinter sich gelassen. Auch bei der Marktkapitalisierung liegt Hochtief deutlich vorn Während Hochtief an der Börse rund 2,8 Mrd. Euro wert ist, kommt Bilfinger etwa auf die Hälfte. Einen Nachteil hat die Rally der vergangenen Wochen: Wer jetzt noch einsteigen möchte, kommt womöglich zu spät. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 erscheint die Hochtief-Aktie verhältnismäßig teuer. Die meisten Analysten sind allerdings der Meinung, dass der Aktienkurs noch etwas steigen könnte. Laut Datenanbieter Bloomberg empfehlen zurzeit 16 von 22 Experten den Kauf der Aktie. Zuletzt stuften mehrere die Aktie herauf; die WestLB erhöhte das Kursziel auf 47 Euro, Equinet sogar auf 54 Euro.

Doch was geschieht, wenn die staatlichen Programme eines Tages auslaufen? Manche Experten warnen davor, dass die Krise den Bau mit Verzögerung treffen könnte. Außerdem gleichen die öffentlichen Aufträge die Einbußen an anderer Stelle wohl nicht vollständig aus. "Der Wirtschaftsbau bricht jetzt richtig weg", sagt Heiko Stiepelmann vom Dachverband der Bauindustrie. Im Herbst könne sich die Lage noch einmal verschärfen. Bei Hochtief gibt man sich dennoch optimistisch. In diesem Jahr soll der Gewinn so hoch ausfallen wie im Vorjahr.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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