Aktie im Fokus : Hoher Verlust für Volkswagen-Papiere

Aktie im Fokus
Hoher Verlust für Volkswagen-Papiere

Wie schwer das Jahr für die Wolfsburger werden kann, zeigen die ersten beiden Handelstage. Die Aktien verlieren insgesamt zehn Prozent. Die Amerikaner machen ernst und verklagen VW, eine riesige Strafe droht.

DüsseldorfVolkswagen-Anlegern stehen 2016 schwere Zeiten ins Haus. Während es schon für den gesamten Aktienmarkt in Deutschland in diesem noch jungen Jahr nicht gut lief und der Dax dank des China-Crashes den schlimmsten Jahresauftakt seit 25 Jahren meldete, fiel der Kursrückgang für Volkswagen noch eine ganze Stufe dunkler aus. Das US-Justizministerium hat offiziell eine Zivilklage gegen Volkswagen eingereicht. Was die Börsianer aber regelrecht schockte, ist die nach Reuters-Angaben im Raum stehende Höchststrafe von bis zu 90 Milliarden Dollar. Experten hatten die möglichen Strafzahlungen bisher nur auf ein Fünftel dieser Summe taxiert.

Nach Bekanntwerden der Klage stürzten die Vorzugsaktien am Dienstag um 4,7 Prozent ab auf 120,30 Euro und rangierten mit deutlichem Abstand am Dax-Ende. Damit haben die Volkswagen-Titel in den beiden bisherigen Handelstagen des Jahres schon über zehn Prozent verbrannt, wohingegen der Deutsche Aktienindex 4,9 Prozent verlor. Die Stammaktien von Volkswagen notierten am Dienstag 6,4 Prozent leichter bei 129,02 Euro.

Die in der Auto-Metropole Detroit im US-Staat Michigan eingereichte Klage richte sich neben VW auch gegen die ebenfalls vom Skandal betroffenen Konzerntöchter Audi und Porsche, heißt es in der Mitteilung des US-Justizminsteriums vom Montagabend. Die Hersteller hätten in fast 600 000 Dieselfahrzeugen eine illegale Software („Defeat Device“) eingesetzt, um bei Emissionstests zu betrügen. VW habe den US-Umweltbehörden EPA und CARB den Einbau der verbotenen Programme bei der Zulassung der Autos verschwiegen und damit gegen US-Gesetze verstoßen.

„Nach den zuletzt wieder etwas besseren Nachrichten rund um VW ist die Klage-Ankündigung eine Erinnerung daran, dass der Abgasskandal noch nicht ausgestanden ist“, schrieben die Experten von Goldman Sachs in einem Kommentar. Die Analysten selbst hatten geschätzt, dass die Zivilstrafen der US-Umweltbehörde EPA Volkswagen 0,5 Milliarden Dollar und die Entschädigung der US-Kunden 2,9 Milliarden Dollar kosten könnte.

Equinet-Analyst Holger Schmidt geht davon aus, dass die Strafzahlung für Volkswagen am Ende weit unter den nun ausgewiesenen 90 Milliarden Dollar liegen dürfte. Die Summe sei eher theoretischer Natur, schreibt er in einem Kommentar. Da das Justizministerium Volkswagen beschuldige, gegen vier Paragraphen verstoßen zu haben, komme man rein rechnerisch auf eine Maximalsumme von 90 Milliarden Dollar - vorausgesetzt, der Autobauer werde wegen aller Verstöße schuldig gesprochen und müsste dafür pro Auto jeweils die Maximalstrafe strafen.

„Letztlich kann man über die tatsächliche Höhe möglicher Strafzahlungen derzeit aber nur spekulieren“, meint der Equinet-Experte. Klar scheine aus seiner Sicht allerdings, dass die USA entschlossen ist, aus dem Fehlverhalten von VW ihren Nutzen zu ziehen und die Position des Konzerns in Amerika weiter zu schwächen. Der Analyst stufte die Titel herunter auf „Reduce“ von „Neutral“.

Im vergangenen Jahr mussten Volkswagen wegen des Abgasskandals bereits ordentlich Federn lassen. Die Aktien zählten mit einem Abschlag von knapp 28 Prozent zu den schwächsten Dax-Werten. Dabei hatte sich das Papier der Wolfsburger im vergangenen Quartal gut berappelt. Nach seinen Tiefstständen in September konnten sind die Scheine, die binnen Tagen die Hälfte ihres Werte eingebüßt hatten, bis zum Dezember um über 30 Prozent erholen.

Da konnte am Dienstag auch die Nachricht vom gestiegenen Autoabsatz in der Bundesrepublik dem Kurs nicht helfen. Demnach sind im Jahr 2015 in Deutschland so viele Autos verkauft worden wie seit 2009 nicht mehr. Die Neuzulassungen seien im vergangenen Jahr um 5,6 Prozent auf 3,21 Millionen Fahrzeuge gestiegen, sagte eine mit den Zahlen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Zuletzt waren 2009 mehr Autos verkauft worden - damals wurde der Absatz von der Umweltprämie angekurbelt.

Agentur
Reuters 
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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