Aktie im Fokus
HRE-Aktie spielt total verrückt

Die Aktie der angeschlagenen Hypo Real Estate (HRE) schießt nach oben. Zeitweise gewinnt das Papier mehr als 50 Prozent. Dabei schien alles geklärt: Der Bund zahlt 1,39 Euro an die verbliebenen Aktionäre und übernimmt das Ruder. Einige Anleger hoffen aber offenbar, dass doch noch mehr Geld zu holen ist.

FRANKFURT. Mit einer Agenturmeldung fing alles an. Der Bund habe seinen Aktienanteil am angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) auf über 45 Prozent aufgestockt, hieß es. Das endgültige Ergebnis werde für den Abend erwartet. So weit, so unspektakulär. Der Aktienkurs der HRE schoss nach der Meldung allerdings nach oben, zeitweise um mehr als 50 Prozent auf 2,14 Euro. Zuletzt notierten die Papiere noch gut 25 Prozent im Plus. Der Börsenumsatz war dabei so hoch wie der eines Dax-Wertes.

Dabei schien alles geklärt: Der Bund zahlt 1,39 Euro an die verbliebenen Aktionäre und übernimmt das Ruder. Das Einsammeln der Aktien durch den Bund - reine Formsache. Über den rasanten Kurssprung heute wird an der Börse heftig diskutiert und spekuliert. Einige Börsianer glauben, dass jemand auf dem falschen Fuß erwischt worden sei und sich jetzt eindecken müsse. Andere meinen, der Bund selbst kaufe massiv über die Börse Aktien.

"So etwas war zu erwarten. Die Unsicherheit darüber, wie viele Anleger auf das Gebot des Bundes eingehen werden, hat die HRE-Aktie komplett gelähmt. Nachdem die Annahmequote jetzt bekannt ist, kommen die Spekulanten wieder aus der Ecke, die angesichts der Kursanstiege bei anderen Bankaktien auch bei der Hypo Real Estate noch auf ein höheres Gebot hoffen", sagte ein Händler. "Auch die Hoffnung, dass der Bund im Ernstfall von einer Enteignung bzw. einem Squeeze-out absehen könnte, um die internationale Reputation zu wahren, könnte einige Anleger antreiben."

Ob diese Rechnung aufgeht, ist natürlich mehr als fraglich. Wie sich der US-Investor Flowers wehren wird, ist noch nicht klar. Völlig offen ist auch der Ausgang einer möglichen Klage: Das Bundesverfassungsgericht urteilt, wenn es Klagen geben sollte, können Ihnen aktuell nicht mal Juristen beantworten. Das lässt natürlich viel Raum für Spekulationen. "Grundsätzlich muss man sagen, dass der Bund angesichts der verbesserten Aussichten im Banksektor nicht ungünstig zugeschlagen hat. Andererseits war der Aufschlag durchaus fair", sagte der Händler weiter.

Ein anderer Börsianer zeigte sich ratlos: "Worauf spekulieren die Leute eigentlich", fragte einer von ihnen. "Auf ein höheres Angebot etwa? Das wird nicht kommen. Schließlich hat der Bund eigens ein Gesetz verabschiedet, um die Bank notfalls enteignen zu können."

Die schwer angeschlagene HRE steht unmittelbar vor einer Verstaatlichung ohne Enteignung. Der Bund hat offenbar seinen Aktienanteil am angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) auf über 45 Prozent aufgestockt. Damit ist er seinem Ziel einer vollständigen Übernahme der HRE nochmals ein deutliches Stück näher gekommen. Die umstrittene Enteignung könnte vermieden werden.

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