Aktie im Fokus
Hypo Real Estate im freien Fall

Ein Zusammenbruch des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate ist erst in letzter Minute verhindert worden. Doch Investoren und Analysten überzeugt das Rettungspaket nicht. Die Aktien der HRE sind erneut deutlich abgerutscht.

HB FRANKFURT. Die Aktien der Hypo Real Estate (HRE) sind erneut deutlich abgerutscht. Ein Zusammenbruch des Immobilienfinanzierers ist ein zweites Mal erst in letzter Minute verhindert worden. Bundesregierung und die deutsche Finanzindustrie vereinbarten am Sonntagabend ein deutlich auf ein Volumen von 50 Milliarden Euro aufgestocktes Rettungspaket für den angeschlagenen Dax-Konzern, nachdem das erste Rettungspaket wegen zurückgezogenen Kreditzusagen überraschend geplatzt war.

Hypo Real Estate-Aktien verbilligten sich bis 10.20 Uhr um 27,30 Prozent auf 5,46 Euro, zeigten sich damit jedoch von ihrem in den ersten Minuten markierten Rekordtief bei 3,45 Euro bereits wieder deutlich erholt. Der Dax ging belastet von massiven Verlusten an den Weltbörsen um 4,94 Prozent in die Knie und notierte bei 5 510 Punkten.

"Ein Desaster", kommentierte ein Börsianer offensichtliche Fehleinschätzungen des Finanzierungsbedarfs beim Immobilienfinanzierer. "Es bleibt offen, ob das Volumen des Rettungspakets diesmal ausreicht." Inzwischen mehren sich auch Rücktrittsforderungen gegen HRE-Vorstandschef Georg Funke sowie HRE-Aufsichtsratschef Kurt Viermetz. Die Investorengruppe um J.C. Flowers als Großaktionär werde ihren Anteil von 24,9 Prozent allerdings weiterhin nicht verkaufen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa in Finanzkreisen.

Analysten reagierten zumeist negativ. Christoph Bossmann von der WestLB senkte seine Einstufung für Hypo Real Estate-Papiere von "Hold" auf "Reduce" und setzte das zuvor bei 26 Euro liegende Kursziel ebenso wie seine Gewinnschätzungen unter Beobachtung. Die überraschende neue Liquiditätslücke sei nur schwer nachvollziehbar und ein "Schlag in das Vertrauen". Der Druck auf Veränderungen dürfte groß sein, aus seiner Sicht stehe sogar das Geschäftsmodell in Frage. Zudem sei eine Kapitalerhöhung mit entsprechenden Verwässerungseffekten nicht auszuschließen.

Auch Thosten Wenzel von der DZ Bank zufolge ist die Zukunft trotz Verhinderung des sofortigen Kollaps "höchst ungewiss". Weder der Bund noch die Kredit gebenden Banken dürften Interesse an am Schutz der HRE-Aktionäre haben, so Wenzel. Er bleibt bei seiner Verkaufsempfehlung.

Philipp Häßler von Equinet senkte seine Einstufung auf "Sell" und beließ das Kursziel auf 4 Euro. Grundsätzlich sei die Rettung zwar positiv zu werten, auch er sieht allerdings das Vertrauen in die Unternehmensspitze komplett verloren gegangen. Die Konzernführung scheine nicht in der Lage, die Risiko- und Liquiditätsposition richtig einzuschätzen. Weitere negative Überraschungen seien daher nicht auszuschließen. Micheal Dunst von der Commerzbank sieht die Aussagen des Managements über nun ausreichende Liquidität ebenfalls skeptisch. Immerhin habe die Führung ursprünglich bereits nach dem ersten Paket ihren Refinanzierungsbedarf bis Ende des Geschäftsjahres 2009 gesichert gesehen.

Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank spricht mit Blick auf das neue Rettungspaket von einer "halbherzigen Lösung". "Die Garantie ist noch keine Verstaatlichung, wir brauchen aber diesen TÜV-Stempel des Staates", so Halver. Immerhin müssten die Pfandbriefe so weiter anteilig mit Eigenkapital hinterlegt werden, was nur bei Staatspapieren nicht der Fall wäre. "Und in diesen Zeiten ist Liquidität Mangelware."

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