Aktie im Fokus
Infineon wagt sich auf dünnes Eis

Der Münchener Chip-Konzern Infineon übernimmt den US-Konkurrent International Rectifier. Bei den Anlegern hält sich die Freude darüber jedoch in Grenzen. Denn Übernahmen in der Chip-Branche sind selten – und hochriskant.
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DüsseldorfIn der Chipbranche ist ein Deal zustande gekommen, den es so nicht alle Tage gibt. Der Münchener Chip-Konzern Infineon wird für rund drei Milliarden Dollar den US-Konkurrenten International Rectifier übernehmen. Finanziert wird dieser Schritt aus Barmitteln und der Aufnahme neuer Schulden in Höhe von 1,5 Milliarden Euro.

Mit der Übernahme wagt sich Infineon auf recht dünnes Eis. Zusammenschlüsse dieser Größenordnung sind in der Chip-Industrie angesichts der hohen Spezialisierung und starken Schwankungsanfälligkeit äußerst riskant und dementsprechend selten.

Bei den Anlegern löste die Übernahme deswegen keine Euphorie aus – im Gegenteil. Nach Bekanntgabe des Deals am Mittwoch sackten die Anteilsscheine des Münchener Konzerns rund vier Prozent ins Minus ab. Und auch ein Tag danach bleiben die Aktionäre skeptisch. Nach einem anfänglichen Plus von 2,9 Prozent traten Infineon am Donnerstag bei 8,60 Euro auf der Stelle.

Vorstandschef Reinhard Ploss bemühte sich die Aktionäre von der Transaktion zu überzeugen. „Die Kombination sich hervorragend ergänzender Produkte, technologischer und innovativer Exzellenz sowie der Vertriebsstärke wird großes Potenzial erschließen“, sagte er nach Bekanntgabe der Übernahme.

Je Aktie sollen die Rectifier-Anteilseigner 40 Dollar erhalten. Der Aufschlag zum Schlusskurs vom Dienstag fällt mit rund 50 Prozent selbst für die Hightech-Branche üppig aus. Durch den bisherigen Aktienrückkauf der Amerikaner beläuft sich der Unternehmenswert netto auf 2,4 Milliarden Dollar.

Zuletzt hatte Dialog Semiconductor mit einer deutlich kleineren Übernahme versucht, Bewegung in die Chip-Branche zu bringen. Allerdings scheiterten die Pläne eines Zusammenschlusses zwischen dem Apple-Zulieferer und der österreichischen AMS. Zu unterschiedlich waren die Strategievorstellungen der beiden Unternehmen. Infineon setzt mit der jetzigen Übernahme nun ein Zeichen. Die Akquise ist für die Münchener die mit Abstand größte seit der Abspaltung von Siemens vor 15 Jahren. Infineon hat vor dem Gebot für International Rectifier auch andere Übernahmemöglichkeiten ausgelotet. Der Chiphersteller habe sich eine ganze Reihe von Akquisitionszielen angeschaut, sagte Finanzchef Dominik Asam am Donnerstag in einer Analystenkonferenz. „Wir haben uns bei einem Unternehmen angenähert, konnten beim Preis aber nicht übereinkommen. Und für andere wollten wir nicht die hohen Preisaufschläge zahlen.“

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Analysten kritisieren hohen Preis der Übernahme

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