Aktie im Fokus
Irres Angebot – Solarworld-Aktie bricht ein

Frank Asbeck, Chef von Solarworld, will offenbar ganz groß bei Opel einsteigen. Was Börsianer zunächst als schlechten Scherz abtun, ist offenbar Asbecks voller Ernst. Der Aktie tut der Vorstoß des "Sonnenkönigs" alles andere als gut.

HB FRANKFURT. Die Papiere von Solarworld sind nach der Ankündigung Asbecks, vier Opel-Werke kaufen zu wollen, um 16 Prozent auf 13,68 Euro eingebrochen. Das Jahrestief bei 13,06 Euro ist damit nicht mehr weit entfernt. Was Händler zunächst als eine gute PR-Nummer von "Sonnenkönig" Frank Asbeck hielten, ist offenbar ernst gemeint.

Der Solarworld-Chef ist mittlerweile zu Gesprächen über sein Übernahmeangebot für die deutschen Opel-Werke in Berlin eingetroffen. Asbeck sagte Reuters TV am Mittwoch auf dem Flughafen Tegel, er habe mehrere Gespräche in der Bundeshauptstadt geplant. Er wolle aber nicht sagen, mit wem. Die Regierung hatte sich zuvor überrascht von dem Angebot gezeigt, für das Asbeck eine Bundesbürgschaft von 750 Mio. Euro erhalten will. Asbeck unterstrich, sein Angebot sei ernst gemeint und er warte nun auf eine Reaktion des Opel-Mutterkonzerns General Motors, der eine Milliarde Euro "Mitgift" zahlen solle. Solarworld verfüge selbst über eine Liquidität von einer Milliarde Euro, wolle aber dennoch die Bundesbürgschaft, um seine eigenen Aktionäre abzusichern.

Börsianer bezeichnete die Nachricht als schwierig, da Opel nur eine europäische Tochter im GM Konzern ist. Sollte der Solarkonzern jedoch mit seinem Angebot Erfolg haben, bewerten Strategen das eher als negativ, da Solarworld keine Erfahrungen im Autosektor habe. GM Europe kommentiere die Nachricht nicht, fügte ein weiterer Marktteilnehmer hinzu.

"Das Angebot wirkt recht unrealistisch", sagt Marktstratege Heino Ruland von FrankfurtFinanz Partner. Solarworld schade zudem vor allem sich selbst mit dem Gebot, da es Fragen über das Geschäftsmodell aufwerfen könnte, glaubt der Experte.

Solarworld-Aktien gehörten zu den größten Verlierern im TecDax. Aber auch die anderen Solartitel verloren kräftig. Solon-Aktien sackten zehn Prozent ab, die von Q-Cells um rund sechs Prozent. Die Sorge der Anleger wächst, dass der Wirtschaftsabschwung die Branche besonders hart treffen werde, nicht zuletzt, weil der Finanzierungsbedarf der Solar-Unternehmen vergleichsweise groß ist.

Analysten erwarten, dass Solarworld schwere Monate bevorstehen. Exane BNP hat die Einstufung für das Unternehmen zuletzt auf "Underperform" mit einem Kursziel von 15 Euro belassen. Nach einem starken dritten Viertel dürfte sich die Wachstum bereits ab dem Schlussquartal abschwächen, schrieb Analyst Steve Babureck in einer Studie vom Dienstag. Das Solarzellen- und Modulgeschäfts könnte im kommenden Jahr aufgrund eines Überangebotes und mangelnder Berechenbarkeit für die Vertragssituation in diesem Bereich unter Druck geraten.

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