Aktie im Fokus
Münchener Rück trotz Milliardengewinn unter Druck

Die Münchener Rück fährt einen Milliardengewinn ein. Außerdem soll die Dividende an die Aktionäre stabil bleiben. Doch der Börse reicht das offenbar nicht. Die Aktie des Rückversicheres knickt ein.

HB FRANKFURT. Die Aktie der Münchener Rück geht auf Talfahrt. Die Papiere fielen zeitweise um fast vier Prozent. Aktuell liegt der Kurs 2,4 Prozent im Minus bei 104,90 Euro.

Am Morgen hatte der Rückversicherer seine Zahlen für das abgelaufene Jahr auf den Tisch gelegt. Schwere Naturkatastrophen wie der Hurrikan Ike belasten das Ergebnis, der Gewinn für 2008 liegt immer noch bei 1,5 Mrd. Euro.

In der Hoffnung auf gute Zahlen, hatten Anleger gestern schon bei der Aktie zugegriffen. Heute stellt sich ein wenig Ernüchterung ein. Auch manche Analysten sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden. "Ursprünglich hatten sie knapp zwei Milliarden Euro in Aussicht gestellt, nun sind es 1,5 Milliarden", sagt Constantin Rohrbach, Analyst bei der NordLB. Auch das laufende Jahr sieht er skeptisch. Das Unternehmen selbst verzichtet auf eine Gewinnprognose für dieses Jahr.

Ausschlaggebend für die künftigen Geschäfte eines Rückversicherers ist die sogenannte Erneuerungsrunde, das große Ringen der Versicherungsbranche. Bei den alljährlichen Verhandlungen machen die Rückversicherer mit ihren Kunden, den Erstversicherern, neue Konditionen aus. Auch hier sehen Analysten die Münchener Rück in einer schwierigen Position. Die erzielten Preissteigerungen um durchschnittlich 2,6 Prozent liegen eher am unteren Ende der Erwartungen. Thorsten Wenzel von der DZ Bank urteilt über die diesjährigen Verhandlungen: "Auf den ersten Blick etwas enttäuschend".

Auf der anderen Seite hat die Münchener Rück durchaus auch positive Nachrichten zu bieten. Der Versicherer hat offenbar genug auf der hohen Kante, um künftig wieder mehr Aktien zu kaufen. Man sei bereit, das Engagement zu erhöhen, wenn sich die Märkte erholten, sagt Finanzvorstand Jörg Schneider. So hoch wie vor der Ausbruch der Finanzkrise werde die Aktienquote aber nicht mehr liegen. Zuletzt hatte das Unternehme rund 1,7 Prozent seiner Kapitalanlagen in Aktien investiert.

Während andere Unternehmen ihre Dividende zurzeit massiv kürzen, hält die Münchener Rück an ihrem Ziel fest. Wie im letzten Jahr werden 5,50 Euro an die Aktionäre ausgeschüttet. Die starke Kapitalisierung habe eine unveränderte Dividende ermöglicht, sagt Michael Haid von Chevreux. Er empfiehlt die Aktien weiter zum Kauf. Sein Kursziel: 130 Euro. Auch Bernd Müller-Gerberding von Unicredit rät zum Kauf und setzt ein Kursziel von 130 Euro an.

Im Kerngeschäft sehen Analysten den Konzern gut aufgestellt. Der Rückversicherer dürfte den Versicherungsbestand im Vergleich zum Vorjahr um vier bis fünf Prozent gesteigert haben, schrieb Birgit Roper-Gruner von Societe Generale in einer Studie. Nachdem die Kursentwicklung infolge der Rally im November etwas nachgelassen habe, sollten die Zahlen und eine Bestätigung der Unternehmensprognosen das Vertrauen der Investoren wieder stärken. Die Societe Generale behielt ihre Kaufempfehlung und das Kursziel von 125 Euro bei.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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