Aktie im Fokus
Neues Portal beflügelt Zynga-Aktie

Die Zynga-Aktie profitiert seit Monaten vom ungebrochenen Spieltrieb der Facebook-Nutzer. Jetzt will das Unternehmen ein eigenes Portal gründen – Aktionäre belohnen dies mit einem Kursfeuerwerk.
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DüsseldorfDie Aktie des Online-Spiele-Anbieters geht heute durch die Decke. Bis zu zehn Prozent legt das Wertpapier des Herstellers von „Farmville“ den zweiten Tag in Folge zu. Grund ist die Meldung, dass Zynga noch diesen Monat eine eigene Webseite ins Leben rufen will, auf der Nutzer unabhängig von Facebook online mit ihren Freunden spielen können.

Zynga ist noch ein Börsenneuling. Erst seit Mitte Dezember 2011 ist das Unternehmen an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert. Seither hat die Aktie mehr als 50 Prozent an Wert zugelegt – 22 Prozent allein in dieser Woche. Beim Börsengang nahm Zynga mehr als eine Milliarde Dollar ein und wurde damit zum zweitgrößten Internetbörsengang hinter Google. Der Ausgabepreis betrug zehn Dollar, danach rutschte die Aktie jedoch bis Handelsschluss ins Minus. Heute ist die Aktie allerdings schon 15,50 US-Dollar wert.

Der gelungene Börsengang galt als Stimmungstest. Experten gingen nun davon aus, Facebook könnte mit seinem geplanten Börsengang etwa zehn Milliarden Dollar einsammeln. Kurz darauf veröffentlichte Facebook jedoch seinen IPO-Prospekt, in dem „bescheidene“ fünf Milliarden Dollar angestrebt sind.

Für nachhaltigen Erfolg, mehr Umsatz und mehr Gewinn pro Nutzer soll nun die neue eigene Spieleplattform Zyngas sorgen: Die neue Webseite mache Zynga „ein bisschen unabhängiger“ und zu einer Marke außerhalb der Facebook-Welt, urteilte Baird-Research-Analyst Colin Sebastian. "Aber Zynga nabelt sich nicht wirklich von Facebook ab und der Schritt wird keine dramatischen Auswirkungen auf die Margen haben." Zynga ist wie auch das junge Berliner Unternehmen Wooga bisher auf den Erfolg Facebooks angewiesen. Zynga macht 93 Prozent seines Umsatzes über Facebook.

Langsam beginnt das Kundenwachstum Zyngas zu schwächeln, was auch zur Entscheidung eine eigene Webseite zu gründen beigetragen haben könnte. Im Schlussvierteljahr legte die Zahl der Nutzer im Vergleich zum Vorquartal kaum zu. Analysten sorgen sich zunehmend, der Börsenneuling Zynga könnte zu wenig Geld pro Nutzer einnehmen, um nachhaltig in der Erfolgsspur bleiben zu können. Zur Umsatzsteigerung sollen Spiele anderer Unternehmen angeboten werden.

Was aber bleibt, ist das bisherige Einnahmenmodell. Auch wenn die Spieler über das Zynga-Portal einsteigen, erhält Facebook 30 Prozent der Umsätze. Um spielen zu können, müssen sich die Nutzer nämlich weiterhin mit ihrem Facebook-Namen anmelden.

Nachhaltigkeit gehört bei Internetbörsengängen jedoch nicht zur Regel. Anleger werden den schlechten Nachgeschmack der Web-2.0-Blase nur schwierig los. Die Groupon-Aktie zum Beispiel sorgt bei Anlegern für ständige Enttäuschung und hat sich seit ihrer Ausgabe um 25 Prozent verbilligt. Ob Zynga eine nachhaltige und starke Marke erschaffen wird bleibt abzuwarten. Die neue Plattform ist auf jeden Fall ein wichtiger Schritt zu diesem Ziel.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Walter Epp
Walter Epp
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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