Aktie im Fokus
O'Leary lässt Ryanair-Kurs abschmieren

Europas größter Billigflieger Ryanair stellt seine Wachstumsstrategie infrage gestellt. An der Börse fällt die Aktie daraufhin tief ins Minus. Doch Experten vermuten, hinter den Ankündigungen von Ryanair-Chef Michael O'Leary ein taktisches Manöver.
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HB DUBLIN. Ryanair zählte am Montag zu den schwächsten Werten in Europa. Die Anteile an dem irischen Billigflieger lagen vier Prozent im Minus.

Ryanair erwägt nach einem Umsatzrückgang im ersten Halbjahr ein Ende seines schnellen Wachstums. "Wenn wir unser Überschusskapital nicht effizient in neue Flugzeuge investieren können, sollten wir das Geld an die Aktionäre zurückgeben", sagte Vorstandschef Michael O'Leary bei der Vorlage der Zwischenbilanz für das erste Geschäftshalbjahr.

O'Leary führt Verhandlungen mit Boeing über den Kauf von 200 Flugzeugen, bei dem Ryanair niedrigere Preise durchsetzen will. Für die kommenden beiden Quartale erwartet Ryanair deutliche Verluste. "Die durchschnittlichen Ticketpreise werden in diesem Winter voraussichtlich um bis zu 20 Prozent zurückgehen", sagte O'Leary.

Experten schließen indes nicht aus, dass sich hinter den Äußerungen nur ein strategischer Schritt verbirgt, mit dem O'Leary Boeing unter Druck setzen will. "Ich denke, dass sie immer noch unbedingt neue Flugzeuge kaufen wollen, ob nun Boeing oder Airbus", sagte ein in Dublin ansässiger Händler. "Ich denke nicht, dass es sich bei den aktuellen Ereignissen um einen dramatischen Strategiewechsel handelt."

In Sachen Aer Lingus kündigte Ryanair an, bereit zu stehen, sollte die Regierung wie erwartet um eine Rettung des irischen Rivalen bitten. Einen dritten Übernahmeversuch will Rynair demnach nicht wagen. Es war bereits zwei Mal mit feindlichen Offerten für Aer Lingus gescheitert.

Im ersten Halbjahr (per Ende September) 2009/10 verbuchte Ryanair einen Gewinn vor Sonderposten von 387 Mio. Euro und damit mehr als erwartet. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 1,77 Mrd. Euro. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf sanken um 17 Prozent und überlagerten damit das um 15 Prozent höhere Verkehrsaufkommen. Im Gesamtjahr rechnet Rynair weiterhin mit einem Nettogewinn am unteren Ende der Prognose von 200 bis 300 Mio. Euro.

NCB-Analyst Neil Glynn kommentierte: "Der extreme Preisdruck wird kurzfristig über den Winter das wichtigste Thema für Ryanair bleiben." Ein Händler sagte unterdessen mit dem Blick auf die Jahresprognose von Ryanair: "Der Markt hatte hier deutlich mehr als einen Überschuss am unteren Ende von 200 bis 300 Millionen Euro erwartet."

Die Royal Bank of Scotland hatte vor kurzem Ryanair auf "Buy" mit einem Kursziel von 3,75 Euro eingestuft. Trotz der jüngst starken Kursgewinne der Luftfahrtaktien sollten Anleger ihre Papiere halten und den Aufwärtszyklus weiter nutzen, schrieb Analyst Andrew Lobbenberg in einer Branchenstudie. Wenn die Wirtschaft nicht einen zweiten Rutsch in die Rezession erlebe, dürfte sich das zyklische Luftfahrtgeschäft nach der Bodenbildung im Juli weiter verbessern. Insofern sei er weiterhin optimistisch für die Branche.

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