Aktie im Fokus
Pro Sieben setzt Höhenflug fort

Seit Wochen geht es mit der Pro Sieben-Aktie aufwärts. Auch heute legt sie wieder zehn Prozent zu. Der Grund: Das Unternehmen hat im ersten Quartal mehr verdient als alle erwartet hatten. Analysten bleiben dennoch skeptisch. Hinter den Kulissen der Sendergruppe sollen sich angeblich aggressive Investoren in Stellung bringen.

FRANKFURT. Die Aktie von Pro Sieben Sat.1 setzt ihren Höhenflug fort. Sie legt heute mehr als zehn Prozent zu. Offenbar kommen die neuesten Zahlen, die der TV-Sender am Morgen vorgelegt hatte, an der Börse gut an. In den vergangenen Wochen hat sich der Aktienkurs damit mehr als verdreifacht. Noch im März kostete ein Anteilsschein 88 Cent, jetzt sind es 3,30 Euro.

Das Unternehmen hat im ersten Quartal dank strikter Kostenkontrolle operativ mehr verdient als von Experten erwartet. Sparmaßnahmen hätten zu einem Anstieg beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) geführt. Experten hatten hier mit einem Rückgang gerechnet.

Ein kleiner Wermutstropfen sei aber, dass ProSiebenSat.1 wegen der aktuellen Marktlage nach wie vor keinen präzisen Ausblick auf das laufende Jahr geben möchte, sagte ein Börsianer.

Skeptischer äußerte sich jedoch Analyst Frank Neumann vom Bankhaus Lampe. Die Zahlen seien nur auf den ersten Blick besser als erwartet ausgefallen. Vielmehr habe der überraschend hohe Umsatzrückgang nur teilweise durch Kostensenkungen kompensiert werden können. Ein Teil des Anstiegs beim EBITDA gehe ferner auf einen einmaligen Verkauf einer Beteiligung zurück.

Hinter den Kulissen der Sendergruppe sollen sich angeblich aggressive Investoren in Stellung bringen. Mehrere US-Hedge-Fonds hätten nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters in den vergangenen Monaten Kredite der Holding Lavena der ProSieben-Eigentümer KKR und Permira aufgekauft.

Ihr tatsächlicher Einfluss ist aber unklar. Finanzkreisen zufolge halten die Investoren weniger als 20 Prozent der vorrangig besicherten Kredite. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" haben Apollo, Avenue Capital und Octavian sich aber die Unterstützung weiterer Gläubiger gesichert und vertreten etwa drei Viertel des Kapitals.

Die Hedge-Fonds dürften darauf aus sein, die Kredite mit Gewinn an KKR und Permira weiterzuverkaufen. Der Wert der gehandelten Schulden dürfte aber erst steigen, wenn sich die Aussichten für den unter der Werbekrise leidenden Fernsehkonzern verbessern. Um ihr Ziel zu erreichen, werden die Fonds Kreisen zufolge Druck auf das Management ausüben. Sie sollen zumindest anfangs noch Preise von 70 bis 80 Prozent des Nennwerts gezahlt haben. Derzeit kostet ein Euro Lavena-Schulden nur noch 20 bis 25 Cent.

KKR und Permira selbst wollen Kreisen zufolge die niedrigen Preise ebenfalls zum Rückkauf von Schulden nutzen. Damit schössen sie der Gesellschaft indirekt frisches Geld zu. Derzeit zögerten aber viele Gläubiger mit einem Verkauf in der Hoffnung auf weiter steigende Preise. Die Private-Equity-Häuser wollten sich dazu nicht äußern.

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