Aktie im Fokus
Rückschlag für Merck – Aktie auf Talfahrt

Merck muss einen schweren Rückschlag wegstecken. Das Krebsmedikament Erbitux kann die Erwartungen nicht erfüllen. An der Börse geht die Aktie auf Talfahrt. Einige Analysten reagierten bereits mit Abstufungen.

HB FRANKFURT. Nach dem Rückschlag für das Medikament Erbitux und entsprechend negativen Analystenreaktionen sind die Aktien von Merck eingebrochen. Die Papiere des Pharma- und Chemiekonzerns sackten um 12 Prozent auf 64,45 Euro ab und waren damit mit weitem Abstand Schlusslicht im Dax.

Merck musste beim Krebsmedikament Erbitux am Vorabend eine Enttäuschung einstecken: Der Expertenausschuss der europäischen Zulassungsbehörde EMEA hatte sich negativ zum Einsatz des Mittels bei nicht kleinzelligem Lungenkrebs in Kombination mit einer platinbasierten Standardchemotherapie geäußert.

"Wir rechnen bei Erbitux zwar weiterhin mit einem Blockbuster-Umsatz. Der Zeitpunkt wird sich aber von 2010/2011 wahrscheinlich nach hinten verschieben", sagte ein Merck-Sprecher am Freitag auf Anfrage. Unter Blockbustern in der Pharmabranche versteht man Medikamente mit einem jährlichen Umsatz von einer Milliarde Dollar/Euro oder mehr.

Einige Analysten reagierten bereits mit Abstufungen der Aktie: Alexandra Hauber von JPMorgan senkte ihr Votum von "Neutral" auf "Underweight" und das Kursziel von 75,00 auf 62,00 Euro. Die ausgesprochene Empfehlung des Expertengremiums gegen den Einsatz von Erbitux komme völlig unerwartet. Sie schraubte ihre Gewinnschätzungen je Aktie für 2010 bis 2013 nach unten.

Fabian Wenner von der UBS stufte von "Buy" auf "Neutral" und kürzte das Kursziel um 10 auf 80 Euro. Diesen Betrag hatte er für die betroffene Indikation von Erbitux als Kapitalwert (Net Present Value, NPV) einkalkuliert. Seine Prognosen für den operativen Gewinn reduzierte er für 2010 und 2011 um 6 und 11 Prozent.

Unicredit-Analyst Markus Mayer sagte: "Die Quartalszahlen sind kein Drama, die negative Einschätzung der EMEA zu Erbitux allerdings eine herbe Enttäuschung." Er strich Merck von der Empfehlungsliste und senkte die Einstufung von "Buy" auf "Hold". Daniel Wendorff sprach von einem Rückschlag und kündigte eine Überarbeitung seines Bewertungsmodells an.

Das Ergebnis von Merck wurde im zweiten Quartal von hohen Forschungs- und Vertriebskosten belastet. Dadurch fiel der operative Gewinn um 42,4 Prozent auf 184 Millionen Euro. Martin Possienke von equinet sah die Ergebnisse unter den Erwartungen. "Das zweite Quartal hat sich als schwieriger erwiesen als erwartet", so der Experte. Der deutliche Margenrückgang im Pharmageschäft müsse genau beobachtet werden. Die Nachrichtenlage zu Erbitux stufte auch Possienke als "klar negativ" ein. Sein Votum blieb "Reduce" mit Ziel 60 Euro.

Die Commerzbank hat die Einstufung für Merck auf "Add" belassen. Die LCD-Sparte habe besser abgeschnitten als gedacht, schrieb Analyst Daniel Wendorff in einer Studie vom Freitag. Das Kern-Betriebsergebnis sei aber wegen der höheren Ausgaben für Forschung und Entwicklung schwächer als erwartet ausgefallen. Ein Rückschlag sei auch die negative Empfehlung des CHMP (Committee for Medicinal Products for Human Use) für Erbitux zur Behandlung von fortgeschrittenem, nicht-kleinzelligen Lungenkrebs. Wendorff wird sein Bewertungsmodell diesbezüglich überarbeiten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%