Aktie im Fokus
Steigende Carbon-Nachfrage lässt SGL abheben

Die Aussicht auf eine deutliche Steigerung der Kohlefaser-Produktion treibt SGL Carbon am Montag auf den höchsten Stand seit Mitte Januar. Dass die Aktien so stark steigen, liegt auch am Nachholpotenzial der Papiere.
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DüsseldorfBessere Aussichten für das Carbonfasergeschäft geben der Aktie des Spezialgrafit-Herstellers SGL Group Auftrieb. Die im Nebenwerte-Index MDax notierten SGL-Titel schnellten zeitweise mehr als elf Prozent in die Höhe und waren damit Spitzenreiter in dem Index. Wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfuhr, wollen SGL und der Autobauer BMW die Produktion in ihrem Carbonfaser-Gemeinschaftsunternehmen verdoppeln und investieren mehr als 100 Millionen Euro. Künftig soll ihr Joint Venture 6000 Tonnen pro Jahr herstellen statt bislang 3000 Tonnen, hatte eine mit der Angelegenheit vertraute Person gesagt.

Ein BMW-Sprecher bestätigte, dass der Konzern das extrem leichte und feste Material künftig in zusätzlichen Modellen einsetzen wolle und sich auch wegen der vielen Bestellungen für die i3- und i8-Wagen auf eine verstärkte Nachfrage vorbereite. Das Gemeinschaftsunternehmen SGL Automotive Carbon Fibers erweitere deswegen seine Produktionsfläche.

„Die Investoren versprechen sich wegen der großen Nachfrage nach Kohlefasern viel von SGL und greifen daher gerne zu. Dass die Aktien so stark steigen, liegt aber mit Sicherheit auch an dem Nachholpotenzial der Papier“, sagte ein Händler. In den vergangenen zwölf Monaten verloren SGL mehr als 16 Prozent an Wert.

Leichtbau gilt als ein wichtiger Weg der Autobauer, um den Verbrauch und damit die CO2-Emissionen ihrer Wagen zu reduzieren. BMW ist weltweit bislang der einzige Autohersteller, der das teure Material in der Serienproduktion verwendet. In vielen Bereichen können carbonfaserverstärkte Kunststoffe Metall ersetzen, wodurch das Fahrzeuggewicht sinkt - und damit auch Spritverbrauch und Emissionen. In der Vergangenheit war der Werkstoff für den Serieneinsatz in Autos zu teuer. Inzwischen wird das Material aber dank neuer Techniken und anziehender Stahlpreise immer interessanter.

Um sich den Zugang zu dem Material zu sichern, hat sich BMW-Chef Norbert Reithofer an SGL beteiligt. Seit 2011 kontrollieren die Münchener gemeinsam mit ihrer Großaktionärin Susanne Klatten 42,5 Prozent des Karbonherstellers. BMW und SGL bindet eine enge Partnerschaft. Die in Moses Lake hergestellten Kohlefasern werden in den deutschen Standorten Wackersdorf und Landshut zu Komponenten geformt. Daraus entstehen seit Herbst die eigens entwickelten Elektroautos i3 und i8.

Die Nachfrage läuft besser als erwartet. Nach letzten Angaben wurden seit November 11.000 Elektroautos verkauft, die Lieferzeit beträgt nun schon bis zu sechs Monate. Dabei wird der große Schub erst erwartet, wenn der i3 in den kommenden Monaten auch in den USA und China angeboten wird. Die für dieses Jahr angepeilte Produktion von 25.000 bis 30.000 Autos wird dann nicht mehr reichen. BMW muss also in die Expansion seiner Werke investieren. In München läuft damit Phase zwei der Kohlefaser-Investition an.

Einen ausführlichen Bericht über die weiteren BMW-Pläne zur Kohlefaser-Verwendung finden Sie hier über diesen Link im Kaufhaus der Weltwirtschaft.


Thomas Terhorst
Thomas Terhorst
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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