Aktie im Fokus: Thyssen-Krupp findet langsam zurück in Spur

Aktie im Fokus
Thyssen-Krupp findet langsam zurück in Spur

Inmitten schwieriger Branchenzeiten konnte der Essener Stahlkonzern die Anleger mit einer robusten Bilanz überzeugen. Die Problemwerke in Übersee verlieren ihren Schrecken. Die Aktie klettert auf ein Zwei-Jahres-Hoch.
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Am Freitag haben die Anleger Thyssen-Krupp für seine überraschend gute Bilanz belohnt. Der mit einem trüben Branchenausblick zu kämpfende Stahlkonzern konnte seine Verluste im vergangenen Quartal deutlich zurückfahren. Dies bescherte dem Titel nicht nur einen Aufschlag von zeitweise bis zu vier Prozent und die Spitzenposition im Dax, sondern auch ein Zwei-Jahres-Hoch.

Grund für die Zuversicht ist unter anderem die langsame Entwarnung des Mischkonzerns bei seinen Dauerproblemen. Die Verluste der kriselnden Stahlwerke in Nord- und Südamerika sind im vergangenen Quartal weitgehend dahingeschmolzen. Dabei spielten dem Konzern eine höhere Nachfrage in den USA und positive Währungseffekte in Brasilien in die Hände. Zudem konnten die Essener ihr Ergebnis in anderen Segmenten steigern.

Die Stahlfabriken, die dem Konzern seit Jahren Milliardenverluste eingebrockt haben, verlieren damit aus Sicht des Managements ihren Schrecken. „Das geht alles in eine sehr positive Richtung“, sagte Finanzchef Guido Kerkhoff am Freitag. Seit Monaten fällt der brasilianische Real sowohl zum Dollar als auch zum Euro. Die Stahlpreise in den USA zögen zudem an.

Aber auch insgesamt liefen die Werke besser, etwa durch eine gestiegene Auslastung. Im amerikanischen Stahlgeschäft schrieb der Konzern noch einen operativen Verlust von 17 Millionen Euro - vor einem Jahr betrug das Minus noch 122 Millionen Euro.

Die Probleme in Übersee, wo die Kosten auf über zwölf Milliarden Euro in die Höhe geschossen waren, überschatten seit Jahren den Konzern. Die Strategie der ehemaligen Konzernführung, billig Stahl in Brasilien zu produzieren und dann mit einem satten Aufschlag in den USA zu verkaufen, war gescheitert. Ursache hierfür war auch der Aufstieg des Real.

Mehr Freude machen Konzernchef Heinrich Hiesinger dagegen andere Sparten: Anziehende Geschäfte mit Aufzügen und im Anlagenbau sorgten dafür, dass sich das operative Ergebnis im Quartal auf 247 Millionen Euro mehr als verdoppelte. „Wir sind mit einem guten ersten Quartal in das neue Geschäftsjahr gestartet, ohne dass wir Rückenwind von der Konjunktur hatten“, sagte er.

Im europäischen Stahlgeschäft musste ThyssenKrupp wegen des Preisdrucks Einbußen hinnehmen. Hier schmolz das Betriebsergebnis von 30 Millionen auf 19 Millionen Euro. Die Stahlbranche steckt seit über zwei Jahren in der Krise. Nach Weltmarktführer ArcelorMittal und Voestalpine erwartet jedoch auch Thyssen-Krupp wieder eine anziehende Nachfrage.

Trotz der operativen Verbesserungen fuhr der Dax-Konzern unter dem Strich im Auftaktquartal einen Verlust von 69 Millionen Euro ein. Ursache hierfür waren vor allem Wertberichtigungen im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf der Anteile von knapp einem Drittel am finnischen Outokumpu-Konzern. ThyssenKrupp hatte die Abschreibungen bereits in Aussicht gestellt. Von Analysten erwartet schmälerte dies nicht die Kauffreude der Börsianer.

Hiesinger kündigte an, im zweiten Quartal des Geschäftsjahres werde es weiter bergauf gehen. Im Geschäftsjahr 2013/14 (per Ende September) werde das operative Ergebnis von 599 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro steigen. Netto peilt der Manager eine „deutliche Verbesserung in Richtung eines wieder ausgeglichenen Jahresergebnisses“ an.

Dennoch ist unklar, wann der Konzern wieder unter dem Strich schwarze Zahlen schreiben wird. Es gebe noch viel zu tun, sagte Kerkhoff. „Wir müssen ja auch mal wieder soviel Geld verdienen, dass man anständig Dividenden zahlen kann.“

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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