Aktie im Fokus
Trotz Milliardengewinn: Porsche-Aktie knickt ein

Mehr Gewinn als Umsatz. Das Kunststück gelingt nicht vielen. Porsche vielleicht schon. Dank der Geschäfte mit VW-Aktien könnte ein Milliardengewinn herausspringen, wie der Sportwagenbauer heute mitteilte. Die Gewinne aus den Optionsgeschäften fielen deutlich höher aus als Experten erwartet hatten. Trotzdem geht die Aktie auf Talfahrt.

HB FRANKFURT. Der Sportwagenbauer Porsche hat im ersten Halbjahr 2008/09 dank Geschäften mit VW-Aktienoptionen mehr als doppelt so viel Gewinn wie Umsatz erwirtschaftet. Das Ergebnis vor Steuern vervierfachte sich von August bis Januar auf 7,34 (Vorjahr: 1,66) Mrd. Euro, wie das Unternehmen am Dienstag in Stuttgart mitteilte.

Vor allem Gewinne aus den Optionsgeschäften fielen deutlich höher aus als Experten erwartet hatten. Die Finanzgeschäfte mit Volkswagen-Aktien brachten 6,84 Mrd. Euro ein. Mit dem Verkauf von Sport- und Geländewagen verdiente Porsche viel weniger.

An der Börse herrschte darüber keine Begeisterung. Im Gegenteil: Die Aktie gab um 6,3 Prozent auf 34,70 Euro nach.

Das Problem: Die cash-gesettelten Optionen, die Porsche bei einer Aufstockung seiner VW-Anteile einen festen Preis sichern, sind ein zweischneidiges Schwert. "Die 6,8 Mrd. haben wir nicht automatisch in der Tasche", warnte ein Sprecher des Unternehmens. Wenn der Kurs der VW-Aktie, die am Dienstag 234 Euro kostete, sinkt, fallen auch die Optionen im Wert. Ein steigender Kurs würde aber den Kauf von Aktien verhindern, weil Porsche dann später hohe Abschreibungen auf den Anteilsbesitz fürchten muss. Porsche halte sich "alle Optionen offen", heißt es im Halbjahresbericht. Auf einen Zeitplan wollte sich Porsche nicht mehr festlegen.

Um die Übernahme von VW zu finanzieren, hat Porsche vor kurzem einen Kredit über zehn Mrd. Euro erneuert - allerdings zu höheren Zinsen als bisher. Bereits Ende Januar lag die Nettoverschuldung bei neun Mrd. Euro, binnen eines halben Jahres kamen damit nach Unternehmensangaben rund sechs Mrd. hinzu, die in VW-Aktien investiert wurden. Analysten äußerten sich besorgt. Das setze Fragezeichen hinter die gesamte Übernahme-Story, mahnte Michael Punzet von der DZ Bank.

Mit dem überraschenden Bekenntnis, sich mehr als 70 Prozent an VW zu einem festen Kurs gesichert zu haben, hatte Porsche im Herbst Kurskapriolen der VW-Aktie ausgelöst, die den gesamten deutschen Aktienmarkt durcheinanderbrachten. Spekulanten, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, mussten sich bei einem massiv verknappten Angebot um jeden Preis eindecken, was den Kurs der VW-Aktie zeitweise auf mehr als 1000 Euro getrieben hatte. Die Finanzaufsicht BaFin sprach Porsche am Dienstag aber vom Vorwurf der Marktmanipulation frei.

M.M. Warburg hat seine Einschätzung für Porsche auf "Buy" mit einem Kursziel von 65,00 Euro belassen. Das Ergebnis sei deutlich von Gewinnen aus Kurssicherungsgeschäften getragen worden, schrieb Analyst Marc-Rene Tonn in einer Studie. Zwar sei die Transparenz gering, doch werde der Automobilbauer die Verschuldung wohl nicht zu stark erhöhen, nur um die Beteiligung an Volkswagen zu vergrößern. Bei einem sofortige Stopp der Anteilserhöhung könne netto sogar eine positive Liquiditätsposition entstehen.

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