Aktie im Fokus
Übernahmegerüchte heizen MAN-Aktie ein

Der Markt für Nutzfahrzeuge ist noch weit von einer Erholung entfernt. Dennoch steigt die MAN-Aktie seit Monaten. Auch heute geht es wieder deutlich aufwärts. Grund sind Spekulationen, VW wolle seinen Anteil an MAN ausbauen und die Mehrheit übernehmen. Auch die Papiere des Wolfsburger Autobauers profitieren davon.
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DÜSSELDORF. Gerüchte um eine neue Runde im Übernahmepoker auf dem europäischen Nutzfahrzeugmarkt treiben die Aktie von MAN zu Wochenbeginn nach oben. Die Papiere des Dax-Konzerns steigen um mehr als drei Prozent auf gut 55,30 Euro. Auslöser sind Spekulationen, denen zufolge der Wolfsburger VW-Konzern die Mehrheit an MAN übernehmen will, um seine Position im LKW-Markt weiter auszubauen. Auch die VW-Aktie profitiert davon und steigt sogar um 4,5 Prozent auf 114 Euro.

Neu sind die Spekulationen über ein Kaufinteresse des Wolfsburger Autobauers nicht. Schon jetzt hält VW knapp 30 Prozent an MAN. VW-Patriarch und MAN-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er MAN und die skandinavische Scania, an der VW 70 Prozent hält, gerne in einer LKW-Allianz zusammenführen würde. Das neue Konglomerat sollte dann gestärkt aus der Krise hervorgehen und dem Weltmarktführer Daimler Paroli bieten. Zuletzt hatte Piech angemahnt, MAN und Scania sollten schneller zusammenarbeiten.

Für Aktionäre könnte sich ein Angebot lohnen. VW wolle 65 Euro je MAN-Aktie bieten, heißt es an der Börse. Im Vergleich zum aktuellen Kurs wäre das ein Plus von knapp 18 Prozent. MAN-Aktien hatten bereits in den vergangenen Monaten zu den stärksten Werten im Dax gehört: Im dritten Quartal legten die Papiere gut 30 Prozent zu. Seit Jahresanfang liegt das Papier 43 Prozent im Plus.

In der vergangenen Wochen hatte die Nachricht, dass die US-Fondsgesellschaft Invesco gut zehn Prozent der Anteile an MAN gekauft hatte, für steigende Kurse gesorgt. Die Amerikaner waren bereits am 11. September eingestiegen, als die MAN-Aktie bei gut 57 Euro lag. Über die Motive der Fondsgesellschaft wurde nichts bekannt. Ob Invesco auf eine Erholung der LKW-Konjunktur oder eher auf die Konsolidierung der Branche setzt ist offen.

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Analysten hatten sich zur MAN-Aktie zuletzt eher zurückhaltend geäußert. Weniger als die Hälfte der Experten empfiehlt die Titel zurzeit zum Kauf. Auch die Deutsche Bank nahm ihre Empfehlung zuletzt von "buy" auf "hold" zurück. Der europäische LKW-Markt werde sich frühestens 2011 erholen und diese Erholung sei schon jetzt ausreichend im Kurs berücksichtigt, meint Deutsche-Bank-Analyst Jochen Gehrke. Mehr als 60 Euro traut er der MAN-Aktie nicht zu.



Hier finden Sie die aktuellsten Analysten-Einstufungen zu dieser Aktie.



Der Markt für LKW ist in Europa in den vergangenen 12 Monaten um bis zu 70 Prozent eingebrochen. Wegen der Wirtschaftskrise und dem damit gesunkenen Frachtvolumen stehen derzeit viele LKW-Flotten still, und es werden kaum neue Fahrzeuge angeschafft. Die Erhöhung der Autobahnmaut zum Jahresbeginn kam als zusätzliche Last auf die Logistiker hinzu.

Für die nächsten Monate rechnet MAN nur mit einer „ganz allmählichen Erholung“ in der Nutzfahrzeugbranche. Die LKW-Sparte des Konzerns hat derzeit 12 000 Beschäftigte in Deutschland in Kurzarbeit und wird im zweiten Halbjahr an bis zu 60 Tagen gar nicht produzieren. Nutzfahrzeugchef Anton Weinmann schloss in der vergangenen Woche einen Verlust für das laufende Jahr nicht mehr aus.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

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