Aktie im Fokus
VW-Aktie: Das Ende im Dax naht

Die Tage von VW im Dax sind gezählt - möglicherweise noch schneller als gedacht. Eine Schweizer Bank meldet, dass sie neuerdings fünf Prozent der Stammaktien hält. Damit liegt der Streubesitz nur noch knapp über der Schwelle, die für eine Mitgliedschaft im Dax notwendig ist. An der Börse ist die VW-Aktie heute größter Verlierer im Dax.

hac/scc FRANKFURT. Die Schweizer Bank Credit Suisse hat am Donnerstag den Erwerb von 5,574 Prozent der stimmberechtigten Volkswagen-Stammaktien gemeldet. Der Streubesitz der Volkswagen-Stammaktie sinkt damit von 20,08 auf 14,506 Prozent.

Für eine Dax-Mitgliedschaft müssen mindestens zehn Prozent der Unternehmensaktien frei verfügbar sein. Diese Marke könnten die VW-Stammaktien schnell unterschreiten, sobald das Emirat Katar seinen Anteil an VW wie geplant auf 17 Prozent ausbaut. Wenn die Scheichs ihre von Porsche übernommenen Optionen ausüben, fällt der Streubesitz unter zehn Prozent und die VW-Stämme innerhalb von zwei Tagen aus dem Dax. Börsianer gehen davon aus, dass auch der von Credit Suisse gehaltene Anteil eigentlich für Katar ist und bald weitertransferiert wird. Im Dezember sollen dann alles Optionen aufgelöst sein.

Außerdem dürften die Stammaktien bei der bevorstehenden Neugewichtung des Dax der Deutschen Börse zufolge noch stärker verlieren als zunächst berechnet. Die Deutsche Börse hatte in ihrer am Donnerstag veröffentlichten vorläufigen Kalkulation das neue Gewicht von VW im Dax mit 1,45 Prozent angegeben - ein Verlust von 66 Basispunkten. In der überarbeiteten Version am Freitag wurde das Gewicht mit nur noch 1,05 Prozent angegeben.

Die endgültige Gewichtung auf Basis der Xetra-Schlusskurse von Freitag wird am Samstag auf der Internetseite der Börse veröffentlicht. Die neuen Gewichtungen gelten ab 21. September.

Die VW-Aktie hält die Börse schon lange in Atem. Im Zuge einer von Porsche angezettelten Übernahmeschlacht hatte sich der Kurs der VW-Stammaktien weit von einer realistischen Bewertung entfernt. Im vergangenen Herbst schnellte die Aktie sogar einmal bis auf 1 000 Euro hoch. Auch aktuell ist sie aus Sicht der Analysten noch zu teuer. Einig sind sich die Experten darin, dass die Tage der VW-Stammaktie im Dax gezählt sind.

Als Ersatzkandidat für den Leitindex gelten die VW-Vorzüge. Seit Wochen spekulieren Anleger auf einen Wechsel zwischen den beiden VW-Aktien. Es sei zu erwarten, dass die Vorzüge bald die Stämme im Dax ersetzen werden, schreibt Adam Hull von der WestLB in einer Studie. Die Zahl der frei handelbaren Stämme werde weiter sinken. VW sei nach wie vor sein "Top-Pick" unter den Auto-Aktien. Die WestLB hat das Kursziel für die VW-Vorzüge nach einem Investorentreffen von 75 auf 86 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen.

Harald Hendrikse von Merrill Lynch geht davon aus, dass sich VW "zum führenden globalen Autokonzern" entwickeln wird. Die Erholung in den USA und das Wachstum in den Schwellenländern - VW habe mit 15 Prozent den führenden Marktanteil in China - dürften die schwächere Nachfrage in Deutschland mehr als kompensieren, sagt der Analyst. Wer davon profitieren möchte, dürfe aber nicht die im Dax gelisteten Stammaktien kaufen. An der Börse fallen die Stammaktien heute um 5,5 Prozent auf 114 Euro und ist damit größter Verlierer im Dax. Die Vorzugsaktien rutschen heute allerdings auch fast vier Prozent auf 71,60 ab.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%