Aktie im Fokus
VW-Aktie: Der Wahnsinn geht weiter

Lange hatten Börsenexperten auf einen Kursrückschlag bei VW-Stammaktien gewartet. Jetzt ist er da - und zwar mit Macht. In wenigen Tagen haben VW-Stämme mehr als 100 Euro verloren, am MIttwoch brach die Aktie wieder ein. Und ein Ende der Talfahrt ist noch nicht absehbar.

FRANKFURT. Die VW-Aktie drückt dem Aktienmarkt einmal mehr ihren Stempel auf. Nachdem die im Dax notierte Stammaktie des Wolfsburger Autobauers bereits in den vergangenen Tagen kräftig an Wert verloren hatte, sackten die Papiere am Mittwoch um weitere 14 Prozent ab und fielen bis zum Schluss auf 146 Euro. In den vergangenen anderthalb Wochen hat die Aktie damit rund 110 Euro an Wert verloren. Im Gegenzug sind die Vorzugsaktien von VW seit Wochen kontinuierlich gestiegen. Heute legten sie um mehr als sechs Prozent zu.

Überraschend kommt die Entwicklung nicht. Analysten hatten bereits seit Monaten immer wieder betont, dass VW-Stammaktien mit Kursen oberhalb von 200 Euro hoffnungslos überteuert seien. Gleichwohl hatte sich die Aktie standhaft auf diesem Niveau behauptet. Hauptgrund waren die undurchsichtigen Optionsgeschäfte, die der Sportwagenbauer Porsche mit dem Ziel eingegangen war, Volkswagen zu übernehmen.

Der Machtkampf zwischen VW und Porsche, der schließlich zugunsten der Niedersachsen endete, hatte am deutschen Aktienmarkt im vergangenen Jahr für die wohl größten Verwirrungen aller Zeiten gesorgt. Auf dem Höhepunkt im Herbst 2008 verfünffachten sich VW-Aktien binnen weniger Tage und schossen in der Spitze auf mehr als 1 000 Euro. Dass Volkswagen damit zwischenzeitlich zum teuersten Konzern der Welt aufstieg, war nur ein Nebeneffekt. Wesentlich schwerer wog die Kursexplosion für viele Investoren wie Hedge-Fonds aber auch klassische Investmentfonds, die auf fallende Kurse gesetzt hatten und Milliardenverluste erlitten. Die Rally der VW-Aktie sorgte auch für massive Kursverzerrungen im Dax und zwang die Deutsche Börse zu Änderungen in ihrem Regelwerk.

Nachdem sich VW und Porsche über das künftige Gemeinschaftsunternehmen geeinigt haben und obendrein der Einstieg des arabischen Emirats Katar bei dem Autobauer beschlossen wurde, normalisiert sich die Lage nun Schritt für Schritt. Denn Katar übernimmt auch die VW-Optionen von Porsche, womit die Unsicherheit von dieser Seite aus dem Markt kommt.

Porsche ist offenbar noch stärker in Optionsgeschäfte mit VW-Aktien engagiert gewesen als bislang bekannt. Danach hat der Sportwagenhersteller nicht nur Optionen auf rund 20 Prozent der VW-Stammaktien gehalten, sondern darüber hinaus auch noch Optionen auf 50 Prozent der stimmrechtslosen Vorzugsaktien von Europas größtem Autobauer besessen. Das macht in der Logik des ursprünglichen Plans der Stuttgarter, 75 Prozent von VW zu übernehmen, auch Sinn.

Beim Überschreiten der 75-Prozent-Marke hätte Porsche den Vorzugsaktionären von VW ein Übernahmeangebot machen müssen. Damit dies nicht zu teuer werden würde, hatte sich Porsche früh mit den Optionsgeschäften auf die Vorzüge abgesichert.

VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch hatte erst am Montag davon gesprochen, dass "die erheblichen Risiken" aus Optionsgeschäften bei Porsche nun "weitestgehend beseitigt" seien. Das legt den Schluss nahe, dass der Investor Katar vergangenen Freitag nicht nur das Optionspaket auf die stimmberechtigten Stammaktien übernommen hat, sondern auch die Vorzugsoptionen, wie das "Manager Magazin" berichtete.

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