Aktie im Fokus
VW-Aktie: Einmal Himmel und zurück

Die Volkswagen-Aktie ist ein Mysterium. Seit Monaten legt das Papier zu, während die weltweiten Börsen einbrechen. Heute sprengte die Aktie aber alle Grenzen der Vorstellungskraft und stieg zeitweise um 50 Prozent. Doch so schnell der Kurs in die Höhe schnellte, so schnell bröckelten die Gewinne wieder ab.

HB FRANKFURT. Die Aktienkursentwicklung von Volkswagen nimmt unfassbare Züge an. Die Papiere des Autobauers sprangen heute in der Spitze um 50 Prozent nach oben. Mit 452 Euro wurde zwischenzeitlich ein neuer Rekordkurs gehandelt, der für Anleger ein Plus von mehr als 150 Prozent seit Jahresanfang bedeutete.

Doch so schnell der Kurs in die Höhe schnellte, so schnell fiel er auch wieder in sich zusammen. Bis zum Handelsschluss büßte die VW-Aktie sämtliche Gewinne ein und schloss mit einem Minus von 1,83 Prozent bei 287 Euro – satte 165 Euro unter ihrem Tageshoch.

Fundamentale Erklärungen für die Turbulenzen der Volkswagen-Aktie suchen Marktteilnehmer schon seit Wochen vergeblich. Weder die Übernahmepläne von Porsche noch die heute veröffentlichten Absatzzahlen von Audi rechtfertigten einen solchen Kursanstieg, wie er zu sehen war, hieß es. Dass der Kurs anschließend wieder komplett auf sein Ausgangsniveau zurückfällt, liegt aber ebenfalls fern jeglicher Plausibilität

Experten sehen den Grund für die anhaltende extreme Volatitlität der VW-Papiere daher vor allem in Derivategeschäften begründet. So vermutet Analyst Frank Schwope von der NordLB Käufe zur Deckung von Optionen, die Porsche eine Lieferung zusichern. Völlig unklar ist aber, wer in die Geschäfte verwickelt ist: "Ich glaube nicht, dass Porsche selbst hinter den Käufen steckt", sagte Schwope.

Der Stuttgarter Autobauer teilte gestern zwar mit, dass er ein weiteres "kleines Aktienpaket" von VW gekauft habe. Dies geschah nach Angaben eines Börsensprechers aber außerbörslich und zu Preisen weit unterhalb des aktuellen Marktpreises.

Mehr als ein technische Begründung können auch Börsenhändler daher für die Kursentwicklung nicht liefern: "Vorstellbar ist, dass Banken oder Hedge-Fonds eine größere Anzahl von Kaufoptionen begeben haben, ohne diese über entsprechende Aktienbestände abzusichern." Werden diese Optionen ausgeübt, habe dies zwangsläufig entsprechende Deckungskäufe zur Folge. Auffällig sei zudem die zunehmende Ausweitung des Kursabstands zwischen den im Dax notierten Stammaktien und den Vorzügen. In diesem Zusammenhang wurde am Markt zuletzt immer wieder über eine neuerliche Schieflage bei Anlegern spekuliert worden, die auf eine Annäherung gesetzt haben könnten.

Die Vorzugsaktien von VW pendelten zwischen 76,00 und 85,75 Euro und legten zuletzt um 0,47 Prozent auf 80,51 Euro nach. In den vergangenen Tagen war auch über die neuerliche Schieflage eines Spreads zwischen Stämmen und Vorzügen spekuliert.

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 83 Mrd. Euro ist VW mittlerweile schwerster Wert im Dax. Eon als Aktie mit dem zweithöchsten Börsenwert kommt derzeit auf rund 67,5 Mrd. Euro. Mit den extremen Kursgewinnen im Rücken, die den Börsenwert bis auf 127 Mrd. Euro hochkapitulierten, hatte VW zwischenzeitlich sogar den japanischen Toyota-Konzern als teuersten Autobauer der Welt überholt. Die Japaner sind aktuell gut 90 Mrd. Euro schwer.

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