Aktie im Fokus
VW-Aktionäre bejubeln Piëchs Rücktritt

Das deutsche Börsenbarometer erwischt einen schwachen Start in die Handelswoche – ganz im Gegensatz zu den Aktien der Volkswagen AG. Anleger freuen sich über das Ende der Führungskrise.
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DüsselddorfZum Börsenauftakt notierte der Dax noch knapp unterhalb der magischen 12.000-Punkte-Marke. Doch innerhalb von wenigen Minuten fiel er um fast 200 Punkte. Ganz im Gegensatz dazu der Chart der Volkswagen-Aktien, die gegen den Trend um mehr als vier Prozent zulegten. Hintergrund ist der Rücktritt von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, dem das VW-Präsidium am Samstag im Machtkampf um die Führung des größten Autokonzerns Europas das Vertrauen entzog.

„Die Anleger hoffen, dass jetzt wieder Ruhe in den Konzern einkehrt“, sagte ein Händler. Auch die Aktie der Porsche AG entwickelt sich gegen den Trend und steigt um knapp drei Prozent. Denn der Machtkampf hatte die VW-Aktie in den vergangenen Tagen belastet. In den vergangenen Handelstagen hatte das Papier gegenüber dem Dax mit acht Prozent mehr als doppelt so viel verloren.

Piëch war vor zwei Wochen von VW-Vorstandschef Winterkorn abgerückt. Dies hatte einen Machtkampf ausgelöst, der auch zu einem Konflikt zwischen den Familien Porsche und Piëch führte. Sie halten die Stimmenmehrheit an VW. Der frühere IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber übernimmt im Aufsichtsrat kommissarisch den Vorsitz. Auch Piëchs Ehefrau Ursula gibt ihr Mandat im Aufsichtsrat ab.

„Die Mitglieder des Präsidiums haben einvernehmlich festgestellt, dass vor dem Hintergrund der vergangenen Wochen das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendige wechselseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist“, hieß es in einer Erklärung des sechsköpfigen VW-Aufsichtsratspräsidiums nach einem Krisentreffen am Samstag in Braunschweig.

Mit der Kür eines Nachfolgers will sich VW Zeit lassen. In dieser Woche rückt der Fokus daher zunächst wieder auf das Alltagsgeschäft: Am Dienstag eröffnet der Vorstand in Berlin die Neuauflage des „Automobil Forums Unter den Linden“. Dort präsentiert VW alle zwölf Marken und die VW-Finanztochter unter einem Dach. Erwartet wird neben Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel der gesamte Vorstand um seinen Chef Martin Winterkorn. Tags darauf veröffentlicht der Konzern seine Geschäftszahlen für das erste Quartal 2015.

Nach Meinung der US-Investmentbank JP Morgan erfolgte der Rücktritt von Piëch aufgrund seiner Kommentare in den vergangenen Wochen nicht überraschend. Allerdings werde die VW-Aktie in den nächsten Wochen volatil bleiben. Die Bank glaubt, dass die VW-Gruppe künftig von Winfried Vahland geführt wird, dem aktuellen Chef von Skoda. Winterkorn hingegen werde wohl die Rolle des Aufsichtsratschefs übernehmen.

Die entscheidende, noch offene Frage: Was macht Piëch mit seinen Anteilen? Der bisherige Aufsichtsratschef hält rund 13 Prozent der Stammaktien an der Porsche SE, die wiederum gut die Hälfte der Volkswagen-Stimmrechte kontrolliert. Rechnerisch können ihm damit etwa 6,7 Prozent der VW-Stammaktien zugeordnet werden - mit einem Börsenwert von zuletzt rund 4,6 Milliarden Euro. Die Eigentümer-Familien Porsche und Piëch haben ein Vorkaufsrecht, wenn ein Familienmitglied seine Anteile versilbern will.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Aktie im Fokus: VW-Aktionäre bejubeln Piëchs Rücktritt"

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  • Piëch hat aufgegeben
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    Ab jetzt beginnt wieder die Tristesse bei Volkswagen.
    Piëch war durchsetzungsstark.
    Er hat aus dem ehemaligen Sanierungsfall VW unter seiner Führung einen erfolgreichen Autobauer gemacht.

    Jetzt regiert bei VW wieder die Gewerkschaft, der Betriebsrat und die SPD.
    Die alten Probleme bleiben liegen. (USA, China, Rendite).

    Und ein Volkswagen ist schon lange kein Auto fürs Volk mehr.
    Kein Normalbürger ist bereit, für einen Golf oder Passat Premiumpreise zu bezahlen. Vor Allem, wenn er die gleiche Technik bei Skoda günstiger bekommt.

  • Pyrrhussieg ?
    Ja, ich denke auch, daß die Marke VW und die Aktie, die heute noch 4 % zulegte,
    ein Pyrrhussieg ist....
    Der knochige und knorige Piech war zwar nicht Everybodies Liebling, aber er hat sehr erfolgreich VW an die Spitze geführt und das hat die Aktie von 2009 von ca. 40 € auf 250 € hochgeschossen...
    Bei den wichtigsten Märkten in China und den USA hat man keine Zukunfsweisende Ideen, auch nicht der Leader im E-Automarkt...Das kann sich noch verheerend auswirken, vor allem wenn kein echter Steuermann mehr an Bord ist...
    D.h. die Arbeitnehmer und Anteilseigner haben ein Eigentor geschossen...Die Aktie würde ich nächstes Jahr bei max. der Hälfte de jetzigen Kurswert sehen...
    und die Familien Piech und Porsche verkaufen ihre Aktien...

  • Damals, als Bismarck zurück trat, gab es iwo eine sehr schöne Karikatur:

    "Der Lotse geht von Bord".

    Was jetzt mit VW passieren wird, ähnelt dem in wohl fast allen Punkten. Piech, der dafür bekannt war, dass er Nieten schnell und geräuschvoll aus dem Verkehr zog, ist weg und ab jetzt beginnt der Niedergang von Volkswagen.

    So ein Mega-Riesenschiff, wie Volkswagen ward aber langsam sinken. Es beginbt damit, was in der Autostadt offensichtlich ist. VW werden die Ideen und Konzepte ausgehen und wir werden wieder so mega langweile Karren haben, wie vor Piech.

    Und die US-Blamage wird sich fortsetzen.

    Danke Herr Dr. Piech für die Jahre, wo sie uns geleitet und später innerlich geführt haben. Es waren die schönsten Jahre, wo man stolz sein konnte, dass man ein WA von VW ist.

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