Aktie im Fokus
Wird die Telekom zum Dividendenschreck?

Wenn sich Telekom-Aktionäre in den vergangenen Jahren auf irgendetwas verlassen konnten, dann auf die üppigen Dividenden. Doch die Zeit der Geschenke für die Anleger könnte bald vorbei sein. Der Konzern muss sparen.
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BonnT-Aktionäre müssen in nächster Zeit tapfer sein: Die Deutsche Telekom will Milliarden in den Bau superschneller Internetleitungen stecken. Um das zu finanzieren, wird der Bonner Konzern wohl seine Dividende kappen. "Ein Dividenden-Schnitt scheint unvermeidbar", sagt Hannes Wittig, Analyst bei der Investmentbank JP Morgan. Das ist bitter für Anleger, die die einstige Volksaktie meist wegen der üppigen jährlichen Ausschüttungen im Depot haben.

Ansonsten gab es für sie wenig Grund zur Freude: Der Aktienkurs kam nach dem Platzen der Börsenblase Anfang des Jahrtausends nie wieder auf die Beine. Vorstellen wird der Telekom-Vorstand die Pläne auf einem Investorentag Ende nächster Woche. Wenig begeistert sein dürfte der Bund, der noch ein Drittel an dem Ex-Monopolisten hält.

Die Eine-Million-Euro Frage unter Telekom-Beobachtern ist derzeit: Wie tief geht's runter? Für die vergangenen zwei Jahre strichen die T-Aktionäre jeweils 70 Cent pro Titel ein - dieses Jahr dürfte es nochmals die gleiche Summe ausgezahlt werden. "Das Telekom-Management dürfte darauf aus sein, ein aus seiner Sicht attraktives Dividenden-Niveau zu halten, weshalb ich von 60 Cent für die nächsten paar Jahre ausgehe", sagt Wittig.

Möglich wäre auch, dass die Telekom wegen der unsicheren Aussichten noch vorsichtiger agiere und die Dividende auf eine halben Euro senke. Insbesondere das Jahr 2013 dürfte spannend werden. "Die Telekom ist in einer unbehaglichen Position." Sie müsse über ihre neue Dividende entscheiden, bevor klar sei, ob strategische Entscheidungen der vergangenen Monate auch umgesetzt werden können. Von Reuters befragte Analysten rechnen für das Jahr 2013 im Schnitt 57 Cent Gewinnbeteiligung je Titel.

Vor allem zwei wichtige Fragen sind noch offen. Die Anfang Oktober angekündigte Fusion der US-Sorgentochter T-Mobile USA mit dem kleineren Rivalen MetroPCS muss noch von dessen Aktionären und den Kartellbehörden genehmigt werden. Ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang steht der Telekom 2013 auch in Deutschland bevor: Mitte September hatte der Konzern angekündigt, in den kommenden vier Jahren circa 24 Millionen Haushalten superschnelle Anschlüsse auf Basis der VDSL-Technik zu bieten - das wären doppelt so viele wie bisher.

Gleichzeitig sollen die Zugänge mit 100 Mbit/s wesentlich schnell werden als bisher. Möglich machen soll das alles eine neue Technologie namens "Vectoring". Telekom-Analyst Jochen Reichert von der Bank Warburg sieht in dem Ausbau einen klugen Schritt. "Mit überschaubaren Investitionen könnte das Unternehmen den Geschwindigkeits-Nachteil zu den Kabelnetzbetreibern deutlich verkleinern."

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Großinvestoren könnten mit weniger Dividende leben

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  • Vorsicht mit dividendenstarken Aktien!

    Nach der Ausschüttung fällt der Kurs um den Prozentsatz der Divendenrendite. Dann dauert es oft Wochen bis der Kurs sich wieder erholt hat. Wenn man die Aktie wieder loswerden will, und nicht unterhalb des Kaufpreises verkaufen will, braucht man u. U. viel Geduld.

    Wer eher auf Kursgewinne spekuliert, sollte daher nicht primär auf die Dividende schauen.

  • Kann mir bitte jemand mal erklären, was an einer Dividende von 0,50 € so katastrophal sein soll??? Das sind rd. 6% und das in dem Zinsumfeld.

    Solange die Telekom noch wenigstens 0,30 € zahlt, ist sie ein ertragreicher Dividendentitel.

    Was die Ertragssituation und damit die Dividendenfähigkeit angeht, steht auf einem anderen Blatt Papier. Aber das ist ja auch nicht Gegenstand dieses Artikels mit der reißerischen Überschrift.

  • Ich kann mich noch gut erinnern,wie der Anlageberater Scherenberger in den Jahren 94,95 immer vor der Telekom gewarnt hat.Dann stieg sie rasant bis März 2000 und Scherenberger wurde für verrückt erklärt-nun er behielt trotzdem Recht.
    Im Übrigen ist bisher aus Sicht des Anlegers jeder Börsengang des Bundes geflopt.Und auch die Postbank stände jetzt bei 8-10 Euro,wenn Ackermann nicht so blöd gewesen wäre die Bude aufzukaufen,zu Lasten der eigenen Aktionäre wohlgemekrt(KE 2010).Dafür steht jetzt deren Kurs so hoch wie schon 1989,Danke Herr Ackermann für die Kapitalvernichtung !)

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