Aktie im Fokus
Wirecard rudert im Streit mit SdK zurück

Im Streit zwischen der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und dem Zahlungsverkehrs-Abwickler Wirecard um mögliche Bilanzmängel hat das Unternehmen gestern vorsichtig eingelenkt. Wirecard teilte mit, dass eine der vier großen, internationalen Wirtschaftsprüferfirmen mit einem Gutachten beauftragt werde, um "alle Zweifel restlos" auszuräumen.

HB FRANKFURT. Die SdK begrüßte den Schritt und kündigte an, den Wirtschaftsprüfer einen Fragenkatalog zur Bilanz vorzulegen. Der Aktienkurs von Wirecard, der am Freitag um fast 30 Prozent eingebrochen war, erholte sich gestern um mehr als 17 Prozent auf fünf Euro.

Die SdK wirft Wirecard vor, einen Großteil seiner Gewinne mit der Abwicklung von Glücksspielen im Internet zu erzielen, dieses in der Gewinn- und Verlustrechnung aber nicht auszuweisen. Der Streit war am Freitag eskaliert, als die SdK mitteilte, sie wolle die Beschlüsse der Wirecard-Hauptversammlung am 24. Juni anfechten. Im Gegenzug stellte Wirecard Strafanzeige gegen die SdK und ihren Vorstand wegen Insiderhandels und Marktmanipulation. Anlass sind Spekulationen von SdK-Vorstand Markus Straub und des ehemaligen SdK-Sprechers Tobias Bosler, die mit komplexen Hebelprodukten auf einen Kurssturz bei Wirecard gewettet hatten, ehe die SdK mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit ging.

In einem Interview mit dem "Aktionär", das von der SdK als Pressemitteilung veröffentlicht wurde, goss Straub gestern neues Öl ins Feuer. Er beschuldigte Wirecard-Anwalt Jörg Röhrborn, ihn und Bosler massiv bedroht zu haben, damit sie ihre Spekulationen aufgäben und den Vorwurf von Mängeln in der Wirecard-Bilanz zurückzögen. Röhrborn bestritt die Vorwürfe gegenüber dem Handelsblatt.

In Finanzkreisen wurde die Eskalation in dem Streit, vor allem aber das Verhalten der SdK mit Unverständnis quittiert. "Ich finde es unerträglich, wenn die Interessen bei denen verquickt werden, die vorgeben, die Anleger zu schützen", sagte der ehemalige SdK-Vorstand Hans-Martin Buhlmann. Kritik äußerten Anlegervertreter auch an der Schutzgemeinschaft, die sich nicht von den Spekulationen ihres Vorstandes distanzierte.

Nach Recherchen des Handelsblatts sind Bosler und Straub noch bei mindestens einem weiteren Unternehmen gemeinsam aktiv. Laut Dokumenten der US-Börsenaufsicht SEC spekulierten Straub, Bosler und dessen Vermögensverwaltung TFB Capital GmbH sowie weiteren Börsenjournalisten im Juni mit dem US-Pennystock Petrohunter Energy. Bei der Aktie handelt es sich um einem im unregulierten OTC-Markt notierten Öl-Explorer ohne nennenswertes operatives Geschäft, der in den vergangenen Jahren von deutschen Börsenbriefen und Anlegermagazinen massiv zum Kauf empfohlen wurde.

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