Aktie im Fokus
Zocker wetten auf Escada

Escada-Aktien legen deutlich zu. Dabei ist noch nicht klar, wie es für den Modekonzern an der Börse weitergeht.
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HB FRANKFURT. Escada-Aktien gewannen zunächst 50 Prozent auf 77 Cent. Im Handelsverlauf fiel der Kurs etwas zurück. Aktuell liegen die Papiere aber immer noch 30 Prozent im Plus bei 67 Cent.

Börsianer verwiesen darauf, dass die neue Eignerin Megha Mittal die Vermögenswerte aus der insolventen AG herauskauft. Damit bleibe lediglich eine Firmenhülle an der Börse zurück. Für strategische Investoren habe die Aktie so auch den letzten Reiz verloren. Das Kursplus sei lediglich auf spekulative Wetten von kurzfristig orientieren Anlegern zurückzuführen.

Aus Unternehmenskreisen verlautete unterdessen, dass die Aktie dennoch vorerst börsennotiert bleiben solle.

Wie Escada am Donnerstag mitgeteilt hatte, übernimmt Megha Mittal, die Schwiegertochter des einflussreichen indischen Stahlunternehmers Lakshmi Mittal, den Münchner Konzern. Ein Kaufvertrag sei unterzeichnet worden. Die 33-jährige Mittal, Mutter von zwei Kindern und früher für die US-Investmentbank Goldman Sachs tätig, unterstreiche damit ihr Interesse an der Modebranche, so Vertraute.

Mittal werde mit dem bisherigen Management um Bruno Sälzer zusammenarbeiten, teilte Escada weiter mit. Der Ex-Chef von Hugo Boss war geholt worden, um Escada zu retten, was aber nicht gelang. Escada musste, weil Veränderungen in der Branche ihre Zeit brauchen und das Geld in der Wirtschaftskrise ausging, im Sommer Insolvenz beantragen. Die Kollektionen galten seit langem als altbacken und kamen nicht mehr bei den Kunden an - hohe Verluste waren die Folge.

Escada-Insolvenzverwalter Christian Gerloff sprach von einem attraktiven und sicheren Verhandlungsergebnis für die Gläubiger. Den Preis wollte er aber nicht nennen. Der Gläubigerausschuss habe der Transaktion zugestimmt. An die Familie Mittal gehen nun alle wesentlichen Teile des operativen Geschäftsbetriebs samt der Mitarbeiter. Hinzu kommen die weltweiten Markenrechte, die Produktionsstätten und die Vertriebsstruktur.

Escada hat noch gut 2 200 Mitarbeiter. Seine größten Erfolge feierte das Unternehmen Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre unter seiner preisgekrönten Chefdesignerin und Mitgründerin Margaretha Ley. Damals dominierte das Haus die Szene mit farbenprächtigen und ausgefallenen Kleidern - und verhalf Hollywood-Stars wie Kim Basinger oder Demi Moore auf dem roten Teppich zu Glanz.

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