Aktie schießt nach oben
Infineon verdient weniger - die Anleger sind begeistert

Der Chiphersteller präsentiert schwache Zahlen. Dennoch schießt die Aktie nach oben. Das liegt an einem kleinen Kniff des Unternehmens.
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DüsseldorfInfineon ist die nervöseste Aktie im Dax. Kein anderes Papier schwankt so stark – entweder geht es kräftig runter oder schnell nach oben. Heute ist für die Aktionäre einer von den guten Tagen, ein sehr guter Tag sogar. Der Kurs schießt um acht Prozent nach oben. Ein Anteilschein kostet aktuell sechs Euro.

Dabei hatte das Unternehmen eigentlich gar keine guten Nachrichten zu vermelden: Der Gewinn des Halbleiterkonzerns ist gegenüber dem Vorquartal um ein Viertel auf 82 Millionen Euro geschrumpft. Wegen der schwierigen Konjunktur liege der Umsatz unterhalb der Planung, ließ das Unternehmen am Dienstag mitteilen. Die Bestellungen großer Industriekunden gehen besonders stark zurück. Einer der wichtigsten Kunden für Infineon ist die Autoindustrie.

Jetzt muss gespart werden. „Wo wir sparen können, sparen wir jetzt. Die Kostensituation bleibt damit angesichts der aktuellen Marktlage beherrschbar“, sagte Noch-Vorstandschef Peter Bauer. Bauer wird aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten.

Auch andere Firmen der Chipbranche bekommen die weltweite Konjunkturflaute zu spüren. Der US-Halbleiterhersteller Texas Instruments sowie sein europäischer Rivale STMicroelectronics berichteten wegen der Kaufzurückhaltung vieler Verbraucher bei Computern, Handys und Autos von schwachen Geschäften im Sommer. Texas Instruments erwartet auch im laufenden Quartal nur laue Umsätze. Branchenprimus Intel  hatte vergangene Woche seine Umsatzprognose kassiert.

Die Aktien von Chipherstellern gelten seit je her als Gradmesser für die konjunkturelle Großwetterlage. Wenn die Wirtschaft boomt, geht es der Branche umso besser. Wenn nicht, bekommt sie dies als erstes zu spüren. Deshalb schwankt die Aktie von Infineon so stark.

Weil sich die Investoren bereits darauf eingestellt haben, dass die sich das Wirtschaftswachstum wegen der Euro-Krise abschwächen wird, haben sie Aktien von Infineon in den vergangenen Wochen verkauft. Vor drei Monaten kostete die Aktie noch knapp acht Euro.

Dass der Kurs nun wieder steigt, ist ein gutes Zeichen - und einem Kniff des Unternehmens zu verdanken. Ende Juni hatte Infineon eine Gewinnwarnung herausgeben. So schlimm, wie erwartet, kam es nun aber doch nicht. „Infineon hatte den Markt auf schlechtere Zahlen eingestellt und dann hübsch die Erwartungen übertroffen“, sagte Lee Simpson von Jeffreys.

Viel mehr dürfte für die Aktie in nächster Zeit allerdings nicht drin sein. Die Commerzbank hat die Einstufung für Infineon den nach Zahlen zum dritten Geschäftsquartal auf "Halten" mit einem Kursziel von sechs Euro belassen. Die Resultate und der Ausblick auf das Gesamtjahr hätten die Erwartungen fast erfüllt, schrieb Analyst Thomas Becker in einer Studie vom Dienstag. Gegenwärtig seien die Aktien nicht attraktiv bewertet, da die Margen niedrig bleiben dürften.

Mit Material von Reuters

 

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter

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