Aktie schießt nach oben

Infineon-Aktie geht trotz Rückgang hoch

Der Chiphersteller präsentiert schwache Zahlen. Dennoch schießt die Aktie nach oben. Das liegt an einem kleinen Kniff des Unternehmens.
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Chip von Infineon. Die Aktie von Infineon ist bei Investoren wieder gefragt. Quelle: dpa

Chip von Infineon. Die Aktie von Infineon ist bei Investoren wieder gefragt.

(Foto: dpa)

DüsseldorfInfineon ist die nervöseste Aktie im Dax. Kein anderes Papier schwankt so stark – entweder geht es kräftig runter oder schnell nach oben. Heute ist für die Aktionäre einer von den guten Tagen, ein sehr guter Tag sogar. Der Kurs schießt um acht Prozent nach oben. Ein Anteilschein kostet aktuell sechs Euro.

Dabei hatte das Unternehmen eigentlich gar keine guten Nachrichten zu vermelden: Der Gewinn des Halbleiterkonzerns ist gegenüber dem Vorquartal um ein Viertel auf 82 Millionen Euro geschrumpft. Wegen der schwierigen Konjunktur liege der Umsatz unterhalb der Planung, ließ das Unternehmen am Dienstag mitteilen. Die Bestellungen großer Industriekunden gehen besonders stark zurück. Einer der wichtigsten Kunden für Infineon ist die Autoindustrie.

Jetzt muss gespart werden. „Wo wir sparen können, sparen wir jetzt. Die Kostensituation bleibt damit angesichts der aktuellen Marktlage beherrschbar“, sagte Noch-Vorstandschef Peter Bauer. Bauer wird aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten.

Die Akte Infineon – Einmal Hölle und zurück
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1999 gliedert Siemens sein Halbleitergeschäft aus; die Infineon Technologies AG entsteht. Das Unternehmen entwirft, entwickelt, fertigt und vermarktet eine breite Palette von Halbleiterprodukten und kompletten Systemlösungen für ausgewählte Anwendungsbereiche. Das Produktspektrum umfasst Standardkomponenten, kundenspezifische Teil- oder Komplettlösungen und spezifische Bauelemente für Analog-, Digital- und Mixed-Signal-Anwendungen. Die Erwartungen an Infineon sind riesig, insbesondere an der Börse.

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Am 13. März geht Infineon an die Börse. Die Euphorie der Anleger ist riesig, die Aktie ist 33-fach überzeichnet. Per Losverfahren bestimmen die Konsortialbanken, welche Kunden Aktien bekommen. Nach dem Bookbuilding wird der Preis je Aktie auf 35 Euro fixiert; in den Handel kommt sie mit 70,20 Euro. Was niemand ahnt: Nach dem Infineon-IPO geht es an der Börse steil bergab. Die Technologieblase platzt und mit ihr der Traum vom schnellen Reichtum der Aktionäre.

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Die Geschäftssaussichten trüben sich schnell ein, die Preise für Speicherchips fallen rasant. Ist die Branche letzten Endes doch gar nicht so lukrativ wie gedacht. Zumindest ist sie anfällig, wenn es der Weltkonjunktur nicht gut geht. Und der geht es spätestens nach den Anschlägen vom 11. September 2001 immer schlechter.

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An der Börse rutscht der Infineon-Kurs immer und immer weiter ab. 2001 auf bis zu 11,52 Euro, ein Jahr später sogar unter sechs Euro. Die Euphorie der Anleger ist längst verflogen. Aus dem Börsen-Star ist einer der größten deutschen Wertvernichter geworden.

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Hinzu kommt, dass das Image leidet. Gleich mehreren Infineon-Managern wird 2005 vorgeworfen, in einen Schmiergeld-Skandal verwickelt zu sein. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelte wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung gegen Andreas von Zitzewitz, ehemals COO und Vorstand der Speicherchip-Sparte; Harald Eggers, früherer Infineon-Manager und Udo Schneider, Betreiber der Schweizer Sponsoring-Agentur BF Consulting. Andreas von Zitzewitz tritt im Juli 2005 zurück. Auch der ehemalige Vorstandschef Ulrich Schumacher (Foto), der bereits 2004 seinen Hut nehmen muss, soll dabei gewesen sein, 2009 wird er allerdings von den Vorwürfen freigesprochen.

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Der Aktienkurs kommt nicht mehr richtig auf die Beine. Während die Aktien in aller Welt immer weiter zulegen, hecheln die Papiere des Münchener Chipherstellers hinterher. Die Branche gilt als besonders anfällig. Der Preisdruck ist wegen der starken Konkurrenten, insbesondere der Asiaten, riesengroß.

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Siemens verkauft im März 2006 seine letzten Infineon-Anteile. Siemens-Vorstand Klaus Wucherer sitzt aber weiterhin im Aufsichtsrat. Auch Johannes Feldmayer, der wegen Bestechungsvorwürfen seinen Vorstandsposten bei Siemens verlor und zu einer Geldstrafe und einer Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt wurde, gehört zum Gremium. Der Aktienkurs liegt in dieser Zeit bei etwa acht Euro.

Auch andere Firmen der Chipbranche bekommen die weltweite Konjunkturflaute zu spüren. Der US-Halbleiterhersteller Texas Instruments sowie sein europäischer Rivale STMicroelectronics berichteten wegen der Kaufzurückhaltung vieler Verbraucher bei Computern, Handys und Autos von schwachen Geschäften im Sommer. Texas Instruments erwartet auch im laufenden Quartal nur laue Umsätze. Branchenprimus Intel  hatte vergangene Woche seine Umsatzprognose kassiert.

Die Aktien von Chipherstellern gelten seit je her als Gradmesser für die konjunkturelle Großwetterlage. Wenn die Wirtschaft boomt, geht es der Branche umso besser. Wenn nicht, bekommt sie dies als erstes zu spüren. Deshalb schwankt die Aktie von Infineon so stark.

Infineon-Aktienkurs in den vergangenen sechs Monaten.

Infineon-Aktienkurs in den vergangenen sechs Monaten.

Weil sich die Investoren bereits darauf eingestellt haben, dass die sich das Wirtschaftswachstum wegen der Euro-Krise abschwächen wird, haben sie Aktien von Infineon in den vergangenen Wochen verkauft. Vor drei Monaten kostete die Aktie noch knapp acht Euro.

Dass der Kurs nun wieder steigt, ist ein gutes Zeichen - und einem Kniff des Unternehmens zu verdanken. Ende Juni hatte Infineon eine Gewinnwarnung herausgeben. So schlimm, wie erwartet, kam es nun aber doch nicht. „Infineon hatte den Markt auf schlechtere Zahlen eingestellt und dann hübsch die Erwartungen übertroffen“, sagte Lee Simpson von Jeffreys.

Viel mehr dürfte für die Aktie in nächster Zeit allerdings nicht drin sein. Die Commerzbank hat die Einstufung für Infineon den nach Zahlen zum dritten Geschäftsquartal auf "Halten" mit einem Kursziel von sechs Euro belassen. Die Resultate und der Ausblick auf das Gesamtjahr hätten die Erwartungen fast erfüllt, schrieb Analyst Thomas Becker in einer Studie vom Dienstag. Gegenwärtig seien die Aktien nicht attraktiv bewertet, da die Margen niedrig bleiben dürften.

Mit Material von Reuters

 

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