Aktie steigt rasant: Facebook schürt hohe Erwartungen

Aktie steigt rasant
Facebook schürt hohe Erwartungen

In einer geheimnisvollen Mitteilung kündigt Facebook Neues an - und heizt damit die Gerüchteküche an. An der Börse legt die Aktie kräftig zu. Sie kostet wieder mehr als 30 Dollar. Doch Zuckerberg hat noch viel zu tun.
  • 2

DüsseldorfDie Erwartungen sind groß. Was wird Mark Zuckerberg am kommenden Dienstag verkünden? Der Chef von Facebook wird ein neues Produkt ankündigen, so viel ist klar. In einer Mail hatte Facebook zu einer Präsentation am 15. Januar in Menlo Park eingeladen: „Come and see what we're building“, hieß es darin; „Kommt und schaut euch an, was wir bauen“.
Seitdem überschlagen sich die Spekulationen, was sich wohl hinter der geheimnisvollen Ankündigung verbergen könnte. Manche Experten meinen, dass Facebook in den Markt für Mobiltelefone einsteigen wird. Derartige Gerüchte halten sich schon lange, obwohl sie Zuckerberg immer wieder vehement dementiert hat. Das Geschäft mit Handys sei für sein Unternehmen nicht lukrativ.

Nicht weniger wild sind die Gerüchte, Facebook plane den Start einer Suchmaschine, um Google direkt anzugreifen, oder einen Dienst zum Musiktauschen, um iTunes von Apple Konkurrenz zu machen. Am wahrscheinlichsten ist, dass das Soziale Netzwerk seine Aktivitäten im Bereich E-Commerce ausbauen wird. Erste Schritte in Richtung eines Shopping-Portals hat Facebook, etwa mit „Facebook Gifts“, bereits unternommen.
Die Gerüchte haben der Aktie in den vergangenen Wochen nicht geschadet. Der Kurs legte seit Mitte November um 50 Prozent zu. Seit ein, zwei Wochen hat die Rally noch einmal an Fahrt gewonnen. Erstmals kostete die Aktie am Mittwoch wieder mehr 30 Dollar.

Inzwischen beurteilen Analysten das Unternehmen viel positiver. Facebook sei kein anderes Unternehmen, sagte Michael Pachter, Analyst bei Wedbush Securities, dem Wallstreet Journal. „Aber es gibt mehr Hinweise darauf, dass sie anfangen, die Dinge zu tun, von denen wir gedacht haben, dass sie sie tun könnten.“
Ein entscheidender Fortschritt: Facebook hat offenbar einen Weg gefunden, um an Nutzern von Smartphones oder Tablets zu verdienen. Der Umsatz kletterte im dritten Quartal um 32 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Die Anzeigen auf mobilen Geräten steuerten rund 150 Millionen Dollar zum gesamten Umsatz bei. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal hatten die mobilen Anzeigen nur 40 bis 50 Millionen Dollar eingebracht. Mit Spannung wird erwartet, ob sich dieser Trend bei der Vorlage der nächsten Zahlen am 30. Januar bestätigt.

Insgesamt hat Facebook mehr als eine Milliarde Nutzer. Besonders schnell wächst die Zahl der Nutzer, die per Mobilgerät auf die Seite zugreifen. Waren es vor einem Jahr noch 47 Prozent der Nutzer, liegt der Anteil jetzt schon bei 60 Prozent. Täglich werden es mehr.

Zunächst hatte das Netzwerk keine Strategie, um die mobile Nutzung in Werbeerlöse umzumünzen. Das war auch ein zentraler Grund, warum die Facebook-Aktie in den ersten Monaten nach dem Börsengang abstürzte. Das Problem: Auf Smartphones und Tablets gibt es keinen Seitenrand, den man mit Werbung füllen kann. Banner können nur sehr schmal sein und werden selbst dann oft als störend wahrgenommen. Und im Fall von Facebook wird praktisch der gesamte Bildschirm vom Newsfeed mit den Einträgen und Bildern der Freunde gefüllt. Damit bleibt praktisch nur ein Ort, wo Werbung platziert werden kann: mittendrin.

Bei der Vorlage der Quartalszahlen sagte Zuckerberg, es habe sich herausgestellt, dass Facebook-Mitglieder viel eher auf Anzeigen in ihrem Newsfeed klicken als am Bildschirmrand. Die Werbung sei damit relevanter für sie. „Ich glaube, dass wir auf lange Sicht mehr Geld im mobilen Geschäft als auf dem Desktop verdienen werden“, erklärte der Facebook-Gründer.

Das US-Analysehaus Bernstein Research gab schon im November eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 33 Dollar für die Aktie heraus. Er glaube, dass das Umsatzpotenzial in den nächsten zwei Jahren unterschätzt werde, schrieb Analyst Carlos Kirjner in einer Studie. Neue Werbeangebote wie etwa der bereits gestartete Newsfeed-Dienst sowie Facebook Exchange legten den Grundstein für die Erschließung weiterer Umsatzströme. Allerdings bleibe Facebook eine riskante Anlage.

Trotz ihres jüngsten Höhenflugs notiert die Aktie immer noch deutlich unter ihrem Wert zum Börsendebüt – im Mai war das Unternehmen zum Preis von 38 Dollar je Anteilsschein an die Börse gegangen. Ob die Nutzer auf Dauer mit Werbung einverstanden sind, wird sich zeigen. Je stärker Facebook die Vermarktung vorantreibt desto größer wird der Unmut. Facebook stelle sein selbst formuliertes Ziel einer offenen und besser vernetzten Welt in Frage, sagen die Kritiker. In Europa und den USA beschäftigen sich bereits Aufsichtsbehörden mit den datenrechtlichen Problemen. Zuckerberg hat also noch viel Arbeit vor sich. Aber zumindest zeigt der Trend nach oben.

Kommentare zu " Aktie steigt rasant: Facebook schürt hohe Erwartungen"

Alle Kommentare

  • Zuckerberg ist ein Trickser

  • Die fundamentalen Geschäftsdaten haben sich überhaupt nicht geändert. Somit besteht m. E. kein Grund an einen nachhaltigen Aufschwung der Aktie zu denken. Spekulanten ist dies freilich egal...

Serviceangebote